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Mannigfaltige Denkanstöße

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Die Klassen 12 der Fachoberschule Gestaltung an der Willy-Brandt-Schule präsentieren wieder eine Ausstellung im Unteren Hardthof. Diesmal lautet das Thema "Lass sie denken". Und weil Gedanken bekanntermaßen frei sein müssen, ist auch die künstlerische Umsetzung denkbar vielfältig.

Schon im 19. Jahrhundert sangen die Menschen das alte Volkslied "Die Gedanken sind frei". Wie wichtig diese Gedankenfreiheit auch heute noch ist, aber auch wie wichtig es ist, sich überhaupt Gedanken über Problemstellungen der Gesellschaft und Politik zu machen, das zeigt die neue Ausstellung von Schülern der Fachoberschule Gestaltung in der Galerie und im Kellergewölbe des Unteren Hardthofs. 29 künstlerische Arbeiten haben die Schüler von Wennemar Rustige und Simone Löffler in einem die Fächer Politik, Kunstgeschichte und Gestaltung übergreifenden Projekt unter dem Titel "Lass sie denken" entwickelt. Hinsichtlich der Umsetzung hatten sie völlige Freiheit und entsprechend mannigfaltig ist auch das, was ab Freitag, 17. Mai, der Öffentlichkeit gezeigt wird: von Zeichnungen über Malerei bis hin zu Installationen und Aktionen. Es geht um allgemein gesellschaftlich Relevantes, aber auch um ganz Privates und persönliche Befindlichkeiten. So hat Vivien Oborwski innerhalb eines Monats "aus ganz unterschiedlichen Gründen", wie sie sagt, Unmengen von Tränen vergossen und die dabei benutzten Papiertaschentücher zu einem Tränenberg aufgehäuft. Gleich zwei Arbeiten thematisieren das Trauma einer Vergewaltigung. Ein großes Acrylgemälde von Vanessa schockt mit einer weißen Figur auf schwarzem Grund, die im Genitalbereich und am Hals von roten Händen brutal umfasst wird. Eine ähnliche Problematik hat auch Antonia Mattern in ihrem in Frankfurt gedrehten Film mit einer nachgespielten Vergewaltigung künstlerisch umgesetzt. Er ist im hintersten Raum des Gewölbekellers in Endlosschleife zu sehen.

Die Schüler haben sich jede Menge Gedanken über die Probleme der Zeit gemacht. So beschäftigt sich Chiara Herr in ihrem Gemälde mit dem ansteigenden Meeresspiegel und dessen Ursachen und thematisiert die zunehmende Beliebtheit von umweltschädlichen Kreuzfahrten. Tom Lobers lässt eine Figur aus Draht an einem überdimensionalen Marionettenkreuz voller Logos aus Sozialen Netzwerken und von Großkonzernen baumeln. Jana Weirich hat in der Galerie Ausschnitte aus Zeitungsartikeln über Gewaltverbrechen zu einer Collage zusammengefügt und ersetzt die genannten Tätergruppen durch andere Gruppennamen, macht aus Flüchtlingen Ärzte oder Geistliche und demonstriert damit, wie leicht Stimmung gegen bestimmte Menschengruppen gemacht werden kann.

Drogen und Weinkrampf

Kevin Cerncic hat einen der Kellerräume in einen Erlebnisraum für die Sinne umgewandelt und Elisa Koka reflektiert Mobbingerfahrungen in der Schule. Pia Roths in zwei Galeriefenstern aufgehängte Aktzeichnungen eines Mannes und einer Frau in spiegelverkehrten Posen stimmen nachdenklich in Bezug auf die Beziehung der beiden Porträtierten untereinander, aber auch allgemein von Mann und Frau. Besonders eindrücklich ist auch ein in Endlosschleife gezeigter Schwarz-Weiß-Film von Laureen Balser, die den Betrachter selbstironisch an ihrer "fabelhaften Welt" teilnehmen lässt - zwischen Klavierspiel und Fitnessstudio, Pilleneinnahme und Heulkrampf. Lea Marschens rotes Herz, garniert mit Portätaufnahmen, appelliert dafür, jeden Menschen so zu lieben wie er ist, frei von Vorurteilen.

Im Rahmen der Vernissage am morgigen Freitag werden die Schüler die Hintergründe ihrer künstlerischen Arbeiten erläutern. Darüber hinaus empfiehlt sich aber auch der Kauf des von den Schülern gestalteten Katalogs.

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