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Michael Cawein engagiert sich unter anderem bei den »Grünen Engeln«. Im Quellgarten machen sich Algen breit.

Ehrenamt

Mann der grünen Tat: Michael Cawein engagiert sich im Gießener Stadtpark

  • Christine Steines
    VonChristine Steines
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Ohne die »Grünen Engel« wäre der Quellgarten im Stadtpark längst zugewuchert. Michael Cawein gehört zu dem Team des Vereins Ehrenamt, das sich um das Areal kümmert.

Innerhalb weniger Tage hat sich ein dichter grüner Teppich auf die Wasseroberfläche gelegt. Michael Cawein fährt mit dem Rechen ins Wasser und fischt die Algen ab. »Man muss dran bleiben«, sagt er. Das gilt nicht nur für die Algen, sondern für den gesamten Quellgarten. Würden die »Grünen Engel« nicht anrücken, wäre es vorbei mit der Augenweide. In diesem Sommer haben es die Helfer besonders schwer, denn in der feuchten Wärme gedeihen die Pflanzen prächtig. Lilien, Ehrenpreis und Stockrosen blühen, Büsche und Gräser stehen in sattem Grün. »Leider vermehrt sich auch das Gras, das man nicht haben will«, sagt er und entfernt mit beiden Händen struppiges Gras und Wurzeln.

Es ist eine Sisyphusarbeit, aber die »Grünen Engel« tun ihr Bestes. Nebenan in der Kleingartenanlage »Erholung und Freizeit« haben sie einen Schrebergarten inklusive Schuppen, dort sind die Werkzeuge deponiert. Dienstags ist in der Regel Arbeitseinsatz, aber wenn Not am Mann bzw. an der Frau ist, kommen die Ehrenamtlichen auch außer der Reihe. Dabei ist es nicht so, dass sie sonst Langeweile hätten.

Cawein zum Beispiel hat neben dem Garten zu Hause einen eigenen Kleingarten, außerdem legt er gemeinsam mit anderen an den Außenanlagen des Albert-Osswald-Hauses der AWO Hand an und gehört zum Aufsichtsteam an der Basilika des Klosters Schiffenberg. Warum tut er das? Wäre es nicht bequemer, seinen Ruhestand vom Sofa aus zu genießen? Sicher. Aber das ist nichts für Cawein. »Ich mache das gerne, es macht mir Spaß«, sagt der frühere Ingenieur. Er ist keiner, der gerne viel Aufhebens um seine Person macht, er redet nicht viel, sondern packt lieber an. Und noch etwas anderes spielt eine Rolle. Der Ur-Gießener mag seine Stadt, er möchte, dass sie gepflegt aussieht. Jeder könne dazu etwas beitragen. Das fange damit an, dass man seinen Müll anständig entsorge und ende mit der Pflege öffentlichen Grüns.

Die »Grünen Engel« kümmern sich auch sieben Jahre nach der Landesgartenschau um den Quellgarten. Dass sie zu einer Art »grüner Einsatztruppe« werden würden, hat sich 2014 niemand träumen lassen. Doch nach Ende der Landesgartenschau haben einige der Helfer den Wunsch verspürt, sich weiter zu engagieren. Stadt und Förderverein begrüßten diese Idee, mittlerweile sind die »Grünen Engel« nahezu jedem in Gießen ein Begriff. Angelika Nailor, die engagierte Vorsitzende des Vereins, macht deutlich: »Jede Aufgabe ist wichtig, bei uns tut jeder das, was er kann«. Ein bisschen Unkraut zupfen sei genauso viel wert wie schweißtreibende Arbeit in verwilderten Beeten.

In der Familie Cawein ist das Ehrenamts-Gen weit verbreitet, denn nicht nur er, sondern auch seine Frau Michaela ist vielfältig engagiert. »Sie geht voran, und ich lasse mich gerne überzeugen«, sagt der 71-Jährige.

Cawein holt aus und befördert die Algen in die Schubkarre. Es wird nicht lange dauern, bis neue nachgewachsen sind. Wie war das noch? Man muss dran bleiben. Das trifft für Grünzeug zu, aber für fast alles andere im Leben auch. Niemand weiß das besser als ein Ehrenamtlicher.

Info: Verein Ehrenamt in Gießen

Im Verein Ehrenamt engagieren sich 141 Ehrenamtliche, hinzu kommen 20 »Grüne Engel« und rund 200 »Sauberkeitspaten«. Die Aktivitäten des Vereins bestehen in der Förderung des bürgerschaftlichen Engagements, zum Beispiel in den Bereichen Kultur, Bildung und Seniorenarbeit. Unterstützt werden Museen, Fachbibliotheken der Uni, der Botanische Garten, die Kunsthalle und andere Bereiche des öffentlichen Lebens. www.ehrenamt-giessen.de. Telefon: 06 41 306 22 59.

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