Manfred Blechschmidt (l.) und sein Nachfolger Björn Keiner stehen vor dem Einbaum im Rathaus, über dessen langwierige Rettung der Denkmalschützer berichtete. FOTO: DKL
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Manfred Blechschmidt (l.) und sein Nachfolger Björn Keiner stehen vor dem Einbaum im Rathaus, über dessen langwierige Rettung der Denkmalschützer berichtete. FOTO: DKL

Verabschiedung

Manfred Blechschmidt: Eine Art Denkmal in Gießen

  • vonDagmar Klein
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Nach 48 Jahren als Ehrenbeamter der Stadt Gießen wurde Denkmalschützer Manfred Blechschmidt in den Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger heißt Björn Keiner.

Normalerweise wären viel mehr Weggefährten gekommen, um Manfred Blechschmidt die Reverenz zu erweisen. Nun war es coronabedingt ein kleiner Kreis, der sein Wirken als archäologischer Denkmalschützer in Stadt und Region Gießen würdigte. Die Wehmut beim Abschied nach 48 Jahren als Ehrenbeamter der Stadt wurde aufgefangen durch die Freude, einen Nachfolger begrüßen zu dürfen.

Im Februar beging Blechschmidt den 80. Geburtstag, bis dahin hatte er sich von seinen Ehrenämtern weitgehend zurückgezogen: nach 28 Jahren aus dem Vorstand des Oberhessischen Geschichtsvereins, dessen Ehrenvorsitzender er seitdem ist, und nach 43 Jahren als Vorsitzender des Kreisdenkmalbeirats, um nur die letzten zu nennen. Nun folgte also auch der Abschied vom Ehrenbeamten-Dasein, eine Position, die es damals (unter den Oberbürgermeistern Bernd Schneider und Landrat Türck) wirklich gab, verbunden mit Dienstausweis und Dienstzimmer.

Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz hob die Leidenschaft und Beharrlichkeit hervor, mit der Blechschmidt zahlreiche Maßnahmen begleitet und angestoßen hat, seien es eigene Grabungen, kurzfristige Notbergungen oder die Abstimmung von Wanderwegen. Ihr Dank für seine wertvolle Arbeit war herzlich.

Kämpfer für die Bodendenkmalpflege

Dr. Schade-Lindig vom Landesamt für Denkmalpflege war in Vertretung des für die Archäologie zuständigen Kollegen Udo Recker gekommen. Sie schilderte ihre Verblüffung, als sie irgendwann feststellte, dass Blechschmidt Lehrer von Beruf war und sogar als Direktor eine Schule leitete. "Er war einfach immer da. Sein Tag muss mehr als 24 Stunden haben." Sie hob hervor, dass Blechschmidt zu den ersten Kämpfern für die Bodendenkmalpflege gehörte, als es noch keine gesetzlichen Regelungen dafür gab. "Er hat immer mehr gemacht, als es die Pflicht verlangte. Er hat nachgebohrt und war auch mal unbequem. Aber immer hat er die Trommeln gerührt für die archäologische Denkmalpflege."

Blechschmidt bedankte sich für Danksagungen und Geschenke. Den Lobreden fügte er noch eine Erklärung an. Zur Bodendenkmalpflege sei er als junger Lehrer an der Grundschule in Inheiden gekommen. Der damalige Gießener Museumsdirektor Dr. Herbert Krüger suchte eine Schulklasse, die beim Sammeln von Scherben helfen sollte. Blechschmidts Interesse war geweckt, er begleitete Krüger, besuchte Seminare zur Vor- und Frühgeschichte und übernahm 1972 das Ehrenamt des archäologischen Denkmalpflegers in Stadt und Region Gießen. Blechschmidt kennt die heimischen Grabungsstellen wie kein Zweiter, dazu gehören als bekannteste die auf dem Schiffenberg, Kloster und Villa Arnsburg, die Burg in Grüningen und der römische Limes. In der Stadt Gießen begleitete er alle großen Baumaßnahmen und (Begleit-)Grabungen. Die Bildungsarbeit, also Vorträge und Führungen, gehörten selbstverständlich zu seinen Tätigkeiten.

Als 1975 das Hessische Denkmalschutzgesetz erlassen wurde, war er verantwortlich für die Installierung der Denkmalbeiräte in Stadt und Kreis, denn er verfügte bereits über ein großes Netzwerk an Kontakten. Viele Ehrungen folgten: 1991 die Goldene Ehrennadel der Stadt, 1994 die Verdienstmedaille des Bundes und 2005 das Bundesverdienstkreuz am Bande, 2015 der Ehrenamtspreis für Denkmalpflege vom Landesamt Wiesbaden.

Da die archäologische Denkmalpflege seine Leidenschaft ist, dürfte er weiterhin in jede Baugrube schauen, darüber waren sich alle Anwesenden einig. Zum Glück steht er für Fragen seines Nachfolgers Björn Keiner gern zur Verfügung, der sich nun in ein großes Arbeitsfeld einfinden muss. Der Neue ist beim städtischen Vermessungsamt tätig, hatte vor dieser Ausbildung bereits Archäologie studiert. Der städtische Denkmalschützer Joachim Rauch war auf die Doppelqualifikation aufmerksam geworden und hat die Halbe-Stelle-Regelung für zwei Ämter ins Gespräch gebracht. Eine glückliche Regelung für die Stadt Gießen.

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