"Ich wollte schon früh Operndirektor werden." Moritz Gogg im Stadttheater.
+
"Ich wollte schon früh Operndirektor werden." Moritz Gogg im Stadttheater.

Manager mit Bühnenerfahrung

  • Manfred Merz
    vonManfred Merz
    schließen

Das Stadttheater hat einen neuen Operndirektor: Moritz Gogg. Er will Ansprechpartner und Pädagoge hinter den Kulissen sein. Der gelernte Pianist und Bariton schwärmt von seiner Arbeitsstelle. Und liebt die Magie des Bühnenzaubers.

Seine gute Laune wirkt ansteckend. Seine Schwärmerei für die Bühne ebenfalls. Lächelnd sitzt er in seinem Büro wie ein fleischgewordener Wohlfühlfaktor. Doch hinter dieser Leichtigkeit des Seins verbirgt sich harte Arbeit. Disziplin, Fleiß und Leidenschaft benennt Moritz Gogg, neuer künstlerische Betriebsdirektor und Operndirektor am Stadttheater, die Maximen, nach denen er seinen Beruf lebt. Wobei das Leben hier wörtlich zu nehmen ist. "Ich bin morgens sehr früh da und gehe abends sehr spät nach Hause", beschreibt der 45-Jährige seine selbst gewählte Dienstzeit. Und zitiert zur Untermauerung seiner Strebsamkeit Schauspiellegende Werner Krauß, der einmal gesagt haben soll: "Theater beginnt morgens um zehn und endet nie."

Die Dauerpräsenz ist Gogg wichtig. Er will Ansprechpartner sein, die Künstler und Musiker nach Kräften unterstützen, sie motivieren. "Ich wollte schon früh Operndirektor werden." Das Leiten und Beraten, das Zuhören und Planen sind sein Ding.

Als Bariton mit langjähriger Bühnenerfahrung kennt Gogg die Sorgen und Nöte des Geschäfts. Er weiß, wo es mal drückt und zwackt. "Kunst ist keine barmherzige Schwester", beruft er sich auf seinen Landsmann und Baritonkollegen, den Österreicher Otto Wiener. Soll heißen: Wer erfolgreich sein will, muss viel leisten. "Am besten geht das mit Leidenschaft."

Gogg gehörte viele Jahre zum Ensemble der Staatsoper Hamburg. Er sang von Mozart bis Wagner zahlreiche wichtige Partien und übernahm auch dramaturgische Tätigkeiten. Wie gesagt: "Ich wollte schon früh Operndirektor werden." Doch zunächst wartete ein Lehrauftrag für Gesang an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Bevor er nach Gießen kam, war Gogg zwei Jahre Leiter des Künstlerischen Betriebs am Brucknerhaus in Linz, einer Institution für Konzerte. "Aber ich wollte wieder Opern sehen, der Bühnenzauber und die Magie des Live-Erlebnisses sind einfach zu fantastisch", begründet der Bariton seine Bewerbung.

Er hält kurz inne, denkt nach. "Und natürlich wäre später einmal eine Intendanz fabelhaft." Er lacht. Erst einmal aber hat er sich ins Stadttheater verliebt. "Wie es duftet, wie es strahlt." Überhaupt sei ein Drei-Sparten-Haus sein Traum, da auch sein Leben auf drei Sparten fuße. "Erstens ist da das Singen und Musizieren." Gogg ist nicht nur Bariton, sondern auch Pianist mit reicher Konzert- erfahrung. Zweitens geht es ihm um die Pädagogik. "Ich gebe mein Wissen gern an andere weiter." Die künstlerische Entwicklung der Sänger liege ihm am Herzen. Fachwissen sei in seinem Metier von enormer Bedeutung. Und drittens? "Drittens mag ich die Managementposition einfach, da kann ich trotz der vielen Arbeit mein Leben auch genießen."

Und Genuss ist dem gut gelaunten Österreicher wichtig. Als er noch als Sänger auf der Bühne stand, habe er am Tag vor einer Premiere kein Wort gesprochen, um die Stimme zu schonen. Purer Stress.

Dennoch spielte ihm die Stimme einen Streich. Aufgrund des Einsatzes eines Cortison-Nasensprays kam es zu Problemen mit dem Kehlkopfmuskel. Eine langwierige Sache. Seither pausiert die Sängerkarriere. Ob das nicht ärgerlich ist? Gogg lächelt: "Ach, wissen Sie, ich wollte schon früh Operndirektor werden."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare