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Die nächsten Mieter sind gefunden. Kai Laumann (l.) begrüßt das Referenzzentrum Mammografie mit Leiterin Dr. Karin Bock (Mitte) in der Alten Post.

Gebäude fast belegt

Mammografie-Zentrum zieht in Alte Post in Gießen

  • Marc Schäfer
    vonMarc Schäfer
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»Das letzte Puzzleteil passt perfekt«, sagt Kai Laumann anlässlich der Unterzeichnung des letzten großen Mietvertrags für das Areal an der Alten Post. Im Referenzzentrum Mammografie Süd West hat er in der Tat einen interessanten Mieter nach Gießen geholt.

Ziemlich genau zwei Jahre nach dem Beginn der ersten Bautätigkeiten auf dem Areal der Alten Post und dem Telegrafenamt sind die insgesamt etwa 7500 Quadratmeter großen Flächen in den beiden Kulturdenkmalen bis auf 350 Quadratmeter nun vergeben. Am Donnerstag hat der heimische Unternehmer Kai Laumann den letzten großen Mietvertrag unterzeichnet. »Das letzte Puzzleteil passt perfekt. Wir haben es geschafft, wertige und auch für die gesamte Stadt interessante Mieter nach Gießen zu holen«, freute sich Laumann.

Auf einer Fläche von etwa 900 Quadratmetern wird sich zum 1. August das Referenzzentrum Mammografie Süd West aus Marburg im ersten und zweiten Obergeschoss der Alten Post ansiedeln. »Das Gebäude ist gleichsam faszinierend wie funktionell und wird nicht nur für unsere rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern auch für die zur Untersuchung eingeladenen Frauen ein echtes Highlight sein«, sagt Leiterin Dr. Karin Bock, die sich nach der ersten Besichtigung der Immobilie schnell in das Objekt verliebt hatte. So seien vom ersten Kontakt bis zur Unterzeichnung des Kontraktes nur knapp sechs Wochen vergangen. »Das ist ein Prozedere, das sich bei anderen Objekten manchmal auch mehr als ein Jahr hinziehen kann«, betont Laumann. Bock nennt die Gründe für ihren schnellen Entschluss. »Für uns ist es wichtig, dass sich die Frauen, die zur Behandlung kommen, sehr wohlfühlen. Hier passt alles. Auch die Lage. Die Nähe zum Bahnhof ist toll. Und es gibt sogar Parkplätze.«

Das Referenzzentrum Mammographie Süd West ist eines von fünf bundesweiten Referenzzentren, die die Qualitätssicherung, die Evaluation des bundesweiten Mammographie-Screening-Programms und die Betreuung von insgesamt 95 Screening-Einheiten in Deutschland sicherstellen. Die Einheit wurde 2006 in Marburg installiert. Weitere Standorte sind Berlin, München, Münster, Oldenburg - und nach dem Umzug aus Marburg ab Sommer dann auch Gießen.

Gießen: Zentrum betreut 30000 Frauen

Vom neuen Standort in der Alten Post werden dann alle 21 Screening-Einheiten aus Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und dem Saarland betreut und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort in Gießen geschult. Die angeschlossene Screening-Einheit untersucht ausschließlich anspruchsberechtigte Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren. Ziel des Mammographie-Screening-Programmes ist es, Brustkrebserkrankungen im Frühstadium zu erkennen, noch bevor Symptome bei den Betroffenen auftreten. In Hessen gibt es insgesamt sechs Screening-Einheiten. Die zukünftige Gießener Einheit ist zuständig für die Versorgung der Frauen in den Landkreisen Gießen, Marburg-Biedenkopf, Fulda, Lahn-Dill und Vogelsberg. Insgesamt betreut das Referenzzentrum in der Region damit laut Leiterin Bock 30000 Frauen, denen man alle zwei Jahre eine Untersuchung anbieten muss.

Neue Struktur gegeben in Gießen und Umgebung

Zu diesem Zweck wurden zwei stationäre Standorte eingerichtet, neben Marburg auch in Fulda, sowie zwei mobile Untersuchungseinheiten, die sogenannten Mammamobile. Stadt und Landkreis Gießen wurden bislang über eine solche mobile Untersuchungseinheit versorgt, sollen jetzt aber die Untersuchung auch in der neuen stationären Einheit angeboten bekommen. »In Deutschland sterben jährlich etwa 18000 Frauen an Brustkrebs. Durch die Früherkennung können wir die Sterblichkeit senken«, betont Bock. In 80 Prozent der Fälle finde man die Veränderungen bei den Frauen durch die Untersuchung nämlich schon in nicht-tastbarer Größe.

»Ich bin total glücklich, dass es uns gelungen ist, solch einen Mieter nach Gießen zu holen. Das Referenzzentrum passt natürlich wunderbar zur Wertigkeit unseres Ensembles. Wir haben einen tollen Mix gefunden«, sagt Laumann. Mit der Ansiedlung der Unternehmen auf dem Areal sei es gelungen, dem gesamten Bereich eine neue Struktur zu geben. Vor dem Referenzzentrum hatten sich bereits der schwedische Zahlungsanbieter Klarna, die Bitburger Braugruppe mit dem Benediktiner Weissbräuhaus, gastronom Dimitri Skartsanis mit einer Bar, die Spot-Manufaktur TV-Wartezimmer sowie die Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft (DVG), die zum 1. Mai einziehen möchte, an und in der Alten Post angesiedelt.

Ziel: Früherkennung von Brustkrebs

Aktuell hat der WHO zufolge Brustkrebs den Lungenkrebs als häufigste diagnostizierte Krebsart überholt und ist weltweit die häufigste Krebstodesursache bei Frauen. Mit zuletzt rund 68.000 Neuerkrankungen jährlich ist Brustkrebs auch in Deutschland die mit Abstand häufigste Krebserkrankung der Frau.

2002 wurde die Einführung eines flächendeckenden, qualitätsgesicherten Programms zur Früherkennung von Brustkrebs nach einheitlichem Untersuchungsstandard vom Bundestag beschlossen. 2005 startete die Umsetzung der Regelversorgung im Mammographie-Screening-Programm durch speziell zertifizierte Ärztinnen sowie radiologische Fachkräfte. Die Brustkrebsfrüherkennung wird durch optimale Geräteversorgung, Zertifizierung von Personal und einer institutionalisierten Doppelbefundung durch zwei unabhängige Expertinnen verbessert.

Ein bundesweites Einladungssystem soll sicherstellen, dass das Angebot flächendeckend wahrgenommen wird.

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