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"Mall" ringt um Stabilität

Vor gut zehn Jahren wurde die Galerie Neustädter Tor eröffnet. Mittlerweile gilt die "Mall" als Sorgenkind der vom Internethandel ohnehin bedrängten Innenstadt. Das neue Centermanagement will die "Situation stabilisieren". Wie ist die Stimmung?

Es ist später Vormittag am Oswaldsgarten. Die Digitalschilder des städtischen Parkleitsystems zeigen an, dass im Parkhaus der Galerie Neustädter Tor noch 240 Plätze frei sind. "Nur noch", muss man hinzufügen, denn in der "Mall" ist Platz für über 1000 Pkw. Sogar ganz oben, auf dem Freideck, stehen etliche Fahrzeuge, die unteren Etagen sind voll. Auch die Radständer vor der Ladengalerie sind fast alle belegt. Ein Frequenzproblem scheint das Neustädter Tor nicht zu haben – an diesem Freitagmorgen.

Es ist die Tageszeit, in der das Einkaufszentrum richtig voll ist. Das liegt hauptsächlich an den Schülern, die sich hier nach Unterrichtsschluss auf eine Pizza oder ein Sandwich treffen. "Meistens sind wir zum Essen hier. Dann gehen wir vielleicht nochmal zu Jack & Jones, H & M oder Intersport", erzählen die Jungs aus dem Landgraf-Ludwigs-Gymnasium. Eine Mitschülerin findet die "Mall" gut. "Wenn hier noch ein dm wäre, müsste ich gar nicht woanders hingehen", sagt sie. Umsatzstarke Kunden sind diese jungen Leute offenbar nicht.

Auch viele junge Familien sind unterwegs. Väter und Mütter tragen allerdings auch Plastiktüten von Geschäften, die in der Fußgängerzone ansässig sind. "Wir parken hier und ziehen dann durch die ganze Stadt", sagt einer der Väter und fügt hinzu: "Die Lebensmittel werden hier gekauft."

An einigen Stellen der "Mall" indes kann man nichts mehr kaufen, um die 20 Leerstände sind es aktuell, darunter mittlerweile auch im Erdgeschoss, sozusagen die 1 A-Lage der Galerie. Die Verkäuferinnen in den Läden, die sich dort um die "Fressgass" gruppieren, berichten von guten Geschäften. "Wir können nicht klagen", heißt es in einer Boutique für das mittelalte Publikum.

Noch ältere Kunden sieht man kaum. Eine alte Dame schließt gerade ihr Fahrrad vor dem Eingang ab. Sie will aber nichts kaufen, sondern in die Kunstgalerie, mit der einer der Leerstände im Ergeschoss kaschiert wird. "Kaufen tue ich hier eigentlich nur mal was in der Drogerie. Ansonsten ist das doch nur ein Futterhaus."

Mit Führungskräften ins Gespräch zu kommen, ist nicht einfach. Der Geschäftsführer einer der Ankermieter möchte zur Gesamtsituation der GNT nichts sagen: "Das ist Sache des Centermanagements". Das hat sich am Donnerstagabend, nachdem die GAZ wegen C & A am Dienstag nachgefragt hatte, gemeldet. "Im Moment sind wir dabei, die Situation zu stabilisieren. So konnten wir in den letzten Wochen mehrere Mietverträge verlängern, die in den nächsten Monaten ausgelaufen wären", erklärt die neue Centermanagerin Fabiola Peiniger. Sie sei zudem in Gesprächen mit Interessenten für die ehemalige C & A-Fläche. Dass sich das Bekleidungshaus aufs neue Katharinen-Karree (früher Kaufhof) an der Bahnhofsstraße konzentrieren werde, sei schon vor zwei Jahren klar gewesen. Da stellt sich natürlich die Frage, was Peinigers Vorgänger in Sachen Nachmieter unternommen haben. Peiniger verweist darauf, dass das Management erst vor wenigen Monaten wechselte. Seitdem ist die Hamburger Prelios-Gruppe für die Verwaltung der "Mall"zuständig.

Markus Pfeffer, BID-Geschäftsführer von Seltersweg und Theaterpark, glaubt den Grund für das Problem der GNT zu kennen. Aber den will er nicht in der Zeitung lesen. Er meint, das könnte schlafende Hunde wecken. Aus der Innenstadt sei die GNT jedenfalls nicht mehr wegzudenken. "Als Parkhaus ist sie elementar für uns." So abgeschottet von der City, wie gelegentlich behauptet wird, ist die GNT gar nicht. "Bei den verkaufsoffenen Sonntagen ist die Galerie in der Regel immer dabei", sagt Herbert Martin vom Stadtmarketing. Zuletzt wurde am Oswaldsgarten auch wieder die "Miss Hessen" gewählt, und mancher Mieter hat mehr zu bieten als nur Ware und Öffnungszeit. So wie die Bastlerzentrale, die im Frühjahr gleich drei "Männerabende im Modellbaugeschäft" durchführt und verspricht "Ein Traum geht in Erfüllung."   Burkhard Möller

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