Thomas Illmer hat in seinen Cartoons auch die Corona-Pandemie verarbeitet. FOTOS: SEG
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Thomas Illmer hat in seinen Cartoons auch die Corona-Pandemie verarbeitet. FOTOS: SEG

Der malende Banker

  • vonSebastian Schmidt
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In seinem Arbeitsalltag kümmert er sich vor allem um Betriebsrenten. In seiner Freizeit zeichnet er Comics oder malt: Thomas Illmer aus Gießen scheut sich dabei nicht, schwere Themen zu verarbeiten.

Thomas Illmer arbeitet bei einer Bank. Tagsüber ist der 61-Jährige für Betriebsrenten zuständig. Aber wie der Peter Parker aus dem Marvel-Superhelden-Comic nach der Arbeit zu Spiderman wird, so schlüpft Illmer in die Rolle des Comic-Zeichners. Superhelden-Comics interessieren ihn dabei weniger. "Das ist nicht meine Generation", sagt Illmer und lacht. Seine Lieblings-Comics sind Asterix, Fix und Foxi - und sein persönlicher Held Donald Duck.

Illmers Repertoire ist breit gefächert. So zeichnet er die Comics für ein Heuchelheimer Kirchenblatt, bebildert das Kirchenjahr für die evangelische Kirche, malt Aquarelle von Landschaften oder verschönert die Hauswände eines Freundes mit Autos. Angefangen habe er mit dem Comiczeichnen in der Schule, erzählt er. "Im Kunstunterricht hatte ich fast immer eine Eins." Beliebt bei den Mitschülern habe er sich aber mit seinen Karikaturen von Lehrern gemacht. Diese hätten seine Zeichnungen nicht immer witzig gefunden.

Lehrer schockiert von Karikatur

Nach der Schule wollte Illmer ein Kunststudium beginnen, wurde aber nicht angenommen. Ein bisschen Wehmut verspüre er heute noch, erzählt der Künstler. "Ich frage mich manchmal, wo ich heute im Leben wäre, hätte es damals geklappt." Aber nach den Absagen der Kunstschulen habe sein Vater gesagt, er solle etwas "Richtiges" lernen. So ist Illmer zum Banker geworden. Vielleicht sei das aber auch ein guter Ausgleich zum Zeichnen, sagt der 61-Jährige. Im Gegensatz zum Malen arbeite er viel mit Menschen. Das gefalle ihm sehr.

Illmer hat die Kunst nie aufgegeben. Nach der Schule malte er zum Beispiel im Studentenwohnheim weiter, erzählt Illmer. Er habe Ankündigungen für Partys, aber auch für politische Initiativen gemalt. Das große Geld habe er aber nie mit seiner Kunst verdient. Wenn jemand aus seinem Bekanntenkreis eine kleine Zeichnung haben wolle, nehme er dafür eine kleine Aufwandsentschädigung. "Da stecken viele Stunden Arbeit drin", sagt er.

Talent liegt in der Familie

Vor Kurzem hat Illmer einen Fotowettbewerb der evangelischen Kirche gewonnen. Er hat den ersten Platz in der Kategorie "Gesellschaftliche Verantwortung" belegt. Illmer hatte sich in seinem Cartoon mit Rassismus auseinandergesetzt. Bananen, Kaffee und Ölfässer mit Beinen und Gesichtern gehen nach der Aufforderung "Deutschland den Deutschen" aus dem Bild heraus. Politische Comics mache er aber nicht viele, sagt er. Wenn Illmer in Rente geht, wolle er sich verstärkt seiner Leidenschaft widmen, erzählt er. Dann will sich der Künstler mehr mit Pastellmalerei und Aquarellen beschäftigen.

Das Talent zur Malerei liegt wohl in der Familie. Bereits sein Vater sei mit Pinsel und Farbe begabt gewesen: "Er hat Postkarten mit Ölfarben gemalt." Von seinem Großvater gebe es "richtige Gemälde, wie man sie heute in Antiquariaten sieht". Das habe ihn als Kind beeindruckt. Und nun, mit Anfang 60, ist er stolz, dass auch seine beiden Töchter Spaß am Malen haben.

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