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Geschichten aus aller Welt: Gudrun Enenkel (l.) liest Heinz Erhardt… und hat wie ihre Zuhörerinnen viel Spaß dabei.

Serie »Helfende Hände«

Malen und Basteln im Gießener Johannesstift - wie früher in der Spinnstube

  • Christine Steines
    VonChristine Steines
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Große Wiedersehensfreude im Johannesstift: Die Ehrenamtlichen dürfen wieder ins Haus. Eine von ihnen ist Gudrun Enenkel. Die 79-Jährige kommt seit vielen Jahren, um mit den Bewohnern zu malen und zu basteln. Das macht nicht nur Spaß, sondern ist eine ideale Möglichkeit, um miteinander ins Gespräch zu kommen, berichtet die kreative Seniorin.

Blumen, Bäume, Landschaften. In den Fluren des Johannesstifts hängen derzeit Aquarelle, die Gudrun Enenkel gemalt hat »Schau mal, die schönen Mohnblumen, solche hatte ich früher auch im Garten«, sagt eine Bewohnerin, »Und hier, da ist ja der Dünsberg…« Die gegenständliche Kunst gefällt den Bewohnern. »Damit können sie etwas anfangen, da geht es ihnen wie mir, ich mag das auch am liebsten«, sagt Gudrun Enenkel und lacht.

Die 79-Jährige ist selbst schon lange im Rentenalter, seit 14 Jahren kommt sie jede Woche ins Johannesstift, um Zeit mit den Bewohnern zu verbringen. Ihr macht das gemeinsame Basteln und Malen Freude, und sie weiß, dass die Senioren die Ablenkung vom Alltag, die Gespräche und das gemeinsame Lachen genießen. »Ich bin ein glücklicher Mensch, ich habe ein schönes Leben und bin gesund«, sagt Enenkel. Dass es ihr gut geht, betrachtet sie als Geschenk, sie hat Freude daran, etwas zurückzugeben.

Hat das auch etwas mit ihren christlichen Grundwerte zu tun? Sie überlegt nicht lange. »Auf jeden Fall«, sagt sie, Deshalb ist ihre Wahl auch auf das Johannesstift gefallen. Dort, so schildert sie, werde Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit gelebt. »Das entspricht und gefällt mir«. Dabei ist sie 2007 durch einen Zufall an das Ehrenamt gekommen, erinnert sie sich. Damals habe sie die Schwiegermutter ihrer Schwester besucht und nebenbei mitbekommen, dass man sich über ehrenamtliche Helfer freut. Da die Kinder aus dem Haus waren, beschloss sie, das auszuprobieren.

Wie der Versuch endete, ist bekannt: Längst gehört sie zum hoch geschätzten »Inventar« des Hauses. Menschen wie Gudrun Enenkel tragen dazu bei, dass die letzte Lebensphase der Bewohner reicher wird: Sie erfahren Zuneigung, Ansprache, Ablenkung. »Niemand muss alleine sein. wenn er das nicht will. Wer sich Geselligkeit wünscht, bekommt sie auch«, sagt die die herzliche Rödgenerin. In den Wohnbereichen kann man im Jahresverlauf die Werke der kreativen Senioren betrachten: Je nach Jahreszeit wird bunte Dekoration gebastelt, mit der Haus saisonal geschmückt wird. Beim Ausschneiden, Malen und Kleben erzählen die Frauen sich dies und das, sie lachen und singen. »Wir sagen immer, das ist wie früher in der Spinnstube«, sagt Gudrun Enenkel fröhlich.

Dagmar Baesso vom Sozialtherapeutischen Dienst ist wie alle im Haus froh über die Unterstützung der Ehrenamtlichen. Etwa 20 Freiwillige kommen regelmäßig, um sich je nach Neigung einzubringen. Die Impulse von außen, das bekräftigt auch Geschäftsführerin Christa Hofmann-Bremer, seien eine große Bereicherung für die Bewohner. Vor diesem Hintergrund war die »Zwangspause« während der Pandemie besonders bitter. Über viele Wochen konnten weder Angehörige noch Ehrenamtliche ins Pflegeheim kommen, das Risiko der Ansteckung war zu groß. Die Pflegekräfte sowie die Mitarbeiterinnen des sozialtherapeutischen Dienstes haben sich nach Kräften bemüht, die enstandene Lücke zu schließen, doch das Fehlen des gewohnten Austauschs hat den alten Menschen sehr zugesetzt.

Um so größer ist die Freude, dass die gemeinsamen Aktionen jetzt wieder starten können. Vor kurzem gab es einen geselligen Nachmittag auf der Terrasse. »Geschichten aus aller Welt« standen auf dem Programm, und aus allen Bereichen des Johannesstifts strömten die Bewohner in den Garten, um dabei zu sein. In Kürze werden voraussichtlich auch die Bastelnachmittage wieder beginnen. Gudrun Enenkel: »Darauf freuen wir uns alle schon sehr«.

Brücke zur Welt

Ehrenamtliche Mitarbeiter, heißt es im Johannesstift, leisten einen wertvollen Beitrag zur ganzheitlichen Betreuung. Sie bilden eine Brücke zur Welt außerhalb der Pflegeeinrichtung. Oft entstehen dabei Freundschaften, die für beide Seiten eine Bereicherung darstellen. Aus diesem Grund fördert das Johannesstift das Zusammentreffen zwischen Senioren und Freiwilligen. Zusätzlich werden interne Fortbildugnsmöglichkeiten angeboten.

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