Malen mit Fotoemulsion

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Johnny Linder stellt im Atelier Trafo aus. Die Bilder sind das Ergebnis seiner Experimente mit analoger Fotografie in der Dunkelkammer. Und so wird das helle Licht im Atelier das ein oder andere Werk im Laufe der Ausstellung unter dem Titel "Still not gone" auch noch verändern.

Noch hat Johnny Linder einige seiner Werke verkehrt herum aufgehängt. Am Tag vor der Vernissage am heutigen Freitag blickt man noch auf die Rückseite einiger Exponate. Dies dient zum Schutz, denn "einige meiner Bilder arbeiten weiter", erzählt er. Schließlich sind die Räume der Ateliergemeinschaft Trafo in der Bismarckstraße 9 von Licht durchflutet. Und Licht kann einige der Arbeiten verändern, da Linder einem alten Medium neue Formen entlockt hat. Er malt mit Fotoemulsion und erzielt damit erstaunliche Wirkungen: als habe er unscharf oder mit langer Belichtungszeit fotografiert. Doch es ist Malerei.

Der 1991 in Süddeutschland geborene Künstler hat in Gießen Kunst und Französisch studiert. Von 2014 bis 2018 hatte er die Aufsicht im Laboratorium für analoge Schwarz-Weiß-Fotografie des Kunstinstituts inne. Doch irgendwann ging es ihm nicht mehr nur um den perfekten Abzug oder das beste Motiv, sondern darum, mit der Eigendynamik des Materials zu experimentieren.

Auf Planfilm – also einer Art Film in Blattform – erschafft er mit Langzeitbelichtungen oder indem er mit Pinseln oder Ähnlichem Fotoemulsion aufträgt Hell-und-Dunkel-Schattierungen, die trotz ihrer Abstraktheit organisch wirkende Formen erzeugen. Das Ergebnis sieht aus wie ein Negativ, ist es aber nicht. "Einige Bilder arbeiten weiter, wenn sie Licht ausgesetzt sind. Einige werden immer dunkler, am Ende dunkelviolett. So ganz kann man den Prozess nicht kontrollieren", beschreibt Linder.

Heute Vernissage

Den Künstler reizt die Eigendynamik des Materials, aber auch der universelle Charakter des Dargestellten, wenn er etwa bei Fotogrammen meist pflanzliches Material auf Fotopapier legt, das dann dort mit Hilfe von Licht und chemischen Reaktionen seine Spuren hinterlässt. Einige seiner Bilder wirken wie Röntgenaufnahmen einer Blume, andere wie grafische Zeichnungen obwohl sie in Wirklichkeit Fotografien sind.

Wer sich einen ersten Eindruck von der Arbeitsweise des Künstlers verschaffen will, dem sei ein Blick auf seine Homepage www.johnnylinder.de empfohlen. Dort ist auch ein Video eingestellt, das dokumentiert, wie sich auf Fotopapier ein Bild entwickelt.

Die Ausstellung "Still not gone" wird am heutigen Freitag, 26. April, um 19 Uhr im Atelier Trafo eröffnet. Andrew Genious wird die Vernissage musikalisch begleiten. Geöffnet ist die kleine Schau dann bis einschließlich 1. Mai täglich von 17 bis 20 Uhr. Johnny Linder wird dabei stets anwesend sein.

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