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Schöne Wohnungen – wie hier in der Ludwigstraße – haben ihren Preis. Das wird so bleiben. (Foto: Schepp)

Makler sehen neues Recht gelassen

Gießen (si). "Wer bestellt, bezahlt" – dieses Prinzip gilt seit gestern in Deutschland auch bei der Vermittlung von Mietwohnungen. Makler können die Provision also nicht länger dem Mieter aufbürden, wenn sie eine Wohnung vermitteln, die sie ohnehin im Bestand haben. Was heißt das für die Menschen in Gießen, die eine Wohnung suchen oder vermieten wollen?

Diese Frage beantworteten die heimischen Makler und Interessenverbände bei einer Umfrage dieser Zeitung nicht einheitlich. Einschneidende Veränderungen erwartet allerdings niemand.

Bislang arbeiteten die Makler mit unterschiedlichen Provisionsmodellen. Claus R. Menges beispielsweise verlangt die Courtage bislang schon ausschließlich vom Wohnungsanbieter. "Das wird auch so bleiben, denn es hat sich bewährt", sagt Stephanie Emrich für das Unternehmen. Vermieter seien durchaus bereit, eine Provision zu bezahlen, "wenn die Leistung stimmt". Menges wird nur im Alleinauftrag tätig, konkurriert bei Vermietungsobjekten also nicht mit anderen Maklern.

Bei den meisten Gießener Vermittlern mussten bislang allerdings die Mieter zahlen – auch wenn die Wohnung schon längst am Markt war. Bei Harald Weber oder Imaxx etwa kam der Vermieter bislang ohne Provisionskosten davon, ebenso bei Engel & Völkers oder Jennewein. Alle müssen sich nun umstellen.

Imaxx hat seine Verträge bereits angepasst. Dass nun die Auftraggeber zahlen müssen, sei "nicht ungerechtfertigt", sagt Prokurist Florian Köhler. Er räumt ein, dass viele Vermieter die alte Regelung "genossen" hätten, als sie die Maklerleistung faktisch kostenfrei in Anspruch nehmen konnten. Mancher werde jetzt versuchen, seine Wohnung selbst zu vermieten, vermutet Köhler. Sie würden wohl merken, dass sich der Makler rechne, auch wenn man ihn bezahlen müsse.

Das betont auch Gerold Mauthner von Engel & Völkers. Die erbrachte Leistung beginne bei einer Einschätzung des marktgerechten Mietpreises, schließe Werbung und Besichtigungstermine ein und ende bei der Erstellung des Mietvertrages bzw. bei der Schlüsselübergabe. Das würden Wohnungsinhaber honorieren. Der Markt sei in Gießen anders als in manchen Großstädten, in denen Makler ohne großen Aufwand fast jede Wohnung vermitteln könnten. "Massenbesichtigungstermine gibt es hier nicht", so die Erfahrung von Mauthner.

"Wir arbeiten für den Anbieter kostenfrei" – mit diesem Satz kann Stephan Jennewein ab jetzt nicht mehr werben. Welche Konsequenzen dies haben wird, lässt sich seiner Meinung nach noch nicht sicher sagen. Er habe allerdings in den letzten Wochen schon ein halbes Dutzend Wohnungen vermittelt, bei denen die Vermieter die Provision trugen. "Das ging, und sie waren zufrieden", sagt Jennewein. Auch er bekräftigt, dass Makler künftig stärker ihre Leistungen herausstellen müssten.

Bei Haus und Grund halten sich die Anfragen bislang noch die Grenzen. "Das wird sich ändern", vermutet Geschäftsführerin Andrea-Barbara Walker. Für den 23. Juni (19 Uhr) hat die Eigentümervereinigung deshalb eine Veranstaltung angesetzt, bei der Experten die neue Rechtslage erörtern und Tipps geben werden. Sie könne "mit dem Gesetz leben", sagt Walker, die persönlich allerdings eine andere Regelung bevorzugt hätte: Eine Aufteilung der Kosten, 50:50, zwischen Vermieter und Mieter.

Zufrieden ist der Mieterbund mit dem "Bestellerprinzip". Dies habe der Verein seit Jahren gefordert, schreibt Vorsitzender Stefan Kaisers. Derzeit betrage die Maklercourtage maximal zwei Monatsmieten plus Umsatzsteuer. "Nach einer vorsichtigen Schätzung sparen die Mieter in der Stadt Gießen nun 1,8 Millionen Euro", so der Vorsitzende. Es habe sich angedeutet, dass einzelne Makler versuchen wollten, das neue Gesetz zu umgehen. Dies werde der Mieterverein genau beobachten und Verstöße melden.

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