Zugangskontrolle vor dem Klinikum. In der Pandemie ist alles anders. FOTO: CG
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Zugangskontrolle vor dem Klinikum. In der Pandemie ist alles anders. FOTO: CG

Mahnende Security und die Tücken der Formulare

  • Christine Steines
    vonChristine Steines
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Die Frau hat eingekauft. Obst, ein paar Süßigkeiten. Sie stellt sich mit ihrem Einkaufskorb in die Schlange, doch hinein ins Klinikum darf sie nicht. "Besuchszeit ist erst ab 14 Uhr", sagt der Mitarbeiter der Security. "Es tut mir leid". Die Frau schaut bekümmert auf die Uhr. 11.30 Uhr. Und jetzt? Da unten ist ein Café. Noch zweieinhalb Stunden.

Bei den meisten Besuchern geht der Check schnell. Sie haben einen Termin? Dann bitte hier das Formular ausfüllen und am Zielort abgeben. Der Zielort ist für die meisten ein Facharzt im UKGM, andere kommen zur stationären Aufnahme.

Die Formulare, so kann man den Aufstellern vor dem Haupteingang entnehmen, gibt es auf Deutsch, Englisch, Türkisch und Arabisch. Mithilfe der Daten sollen mögliche Infektionsketten nachvollzogen werden. Das Security-Personal ist in Corona-Zeiten unentbehrlch für einen reibungslosen Klinikbetrieb.

Eine dunkelhäutige Frau in bunter Kleidung steht ratlos vor dem Security-Mann. Sie verstehen einander nicht. Die Frau kommt mit keiner der Sprachen zurecht, der Mitarbeiter zuckt die Schultern. Was tun? Die Frau stellt sich an ein kleines Tischchen neben dem Eingang und beginnt, zu telefonieren. Sie holt sich Hilfe. Ein Typ mit Hut, schwarzen Jeans und schwarzer Jacke macht sich lustig über das Kommunikationsproblem. "Qualifiziertes Personal ist alles", sagt er höhnisch. Hilfe bietet er nicht an. Hier haben alle mit sich selbst zu tun. Der Mann wippt mit den Füßen auf und ab und stößt ab und zu meckernde Töne aus. Von gegenüber schallt Baulärm herüber. Vor der alten Psychiatrie wird die Straße aufgerissen. Ein Hubschrauber kreist über dem Gelände. Ein Verletzter? Oder ist die Fracht ein dringend erwartetes Organ?

Durch den Personaleingang eilen UKGM-Mitarbeiter, sie zeigen rasch ihr Kärtchen vor und sind verschwunden. Ein Mann zündet sich beim Ausfüllen des Formulars eine Zigarette an. Sofort deuten Wartende auf die großformatigen Schilder: "Rauchfreies Klinikum". Mr. Security zeigt in Richtung des Raucherpavillons. Da geht’s. "Tschuldigung, hab ich nicht dran gedacht", sagt der Gerügte und tritt die Kippe aus.

Ein kalter Wind fegt durch den Eingangskorridor, die Leute ziehen fröstelnd ihre Jacken fest. Ein altes Paar geht mit wackeligen Schritten zum Eingang, die Frau nimmt ihren Mann an die Hand und hält ihn behutsam fest. "Hat er keinen Mundschutz?", wird sie gefragt. Der Senior holt seine Maske aus der Jackentasche. "Doch, natürlich", sagt er, und die Empörung darüber, dass über, aber nicht mit ihm gesprochen wird, schwingt in der Antwort mit. "

"Lass gut sein, Hans", sagt seine Frau. Jetzt nicht mir Lappalien aufhalten. "Der Doktor wartet." (cg)

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