Idyllisch und lebhaft zugleich: Das Lahn-Wehr mit Bootsgasse vor den Stadtwerken. FOTO JRI
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Idyllisch und lebhaft zugleich: Das Lahn-Wehr mit Bootsgasse vor den Stadtwerken. FOTO JRI

Die magische Kraft des Wassers

  • Jens Riedel
    vonJens Riedel
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Endlich Mittagspause. Es ist 12.50 Uhr, die Sonne lacht zwischen einigen harmlosen Wolken hervor und erwärmt die Luft auf angenehme 20 Grad. In zehn Minuten kann man in Ruhe ein belegtes Brötchen essen. Ich esse meine Salami-Semmel heute am Stadtwerke-Wehr an der Lahn. Ich mag diesen Platz - vor allem deshalb, weil dort die Kraft des Wasser deutlich zu spüren ist.

Über 20 000 Liter pro Sekunde rauschen im Jahresdurchschnitt das Wehr hinunter. Im Gegensatz zu der sonst eher still ruhenden Lahn tobt am Stauwehr das Leben. Das kräftige Wellenspiel, das im Tos-becken entsteht, entfaltet eine fast magische, energetische Wirkung. Wenn ich dort einige Augenblicke auf das wirbelnde Wasser schaue, tanke ich Kraft. Eine Art kostenlose Hydrotherapie. Die Gicht des schäumenden Wassers kann man sogar riechen - leicht modrig, aber doch irgendwie auch angenehm.

Das Rauschen des Wasserfalls mischt sich an der Bootsgasse vor dem Wehr mit einem fast lieblichen Plätschern und Gluckern, das akustisch an ein Gebirgsbächlein erinnert. Kanufahrer gleiten die Gasse hinab, die in der Gegenrichtung Fischen als Aufstiegshilfe dient. Im Sommer kann man darin herrlich die Füße kühlen oder sie von der Strömung massieren lassen. Das fühlt sich wie Urlaub an.

Unterhalb des Wehres dümpeln gerade drei Schwäne im Wasser, recken ihre langen Hälse ab und zu tief unter die Oberfläche. Was sie dort wohl erblicken? Ein Kormoran gesellt sich zu dem Trio. Das Wehr ist ein herrlicher Aussichts- und Ruheplatz - nicht nur für Vögel. Am Steg über dem Wasser döst ein Mann mit Kopfhörern auf den Ohren in der Sonne. Zwei junge Frauen haben es sich auf der angrenzenden Wiese auf einer Luftmatratze bequem gemacht; sie schnacken und snacken gleichzeitig. Ein Pärchen spielt Frisbee; eine Joggerin läuft in gemächlichem Tempo vorbei. Zwei Radfahrer mit roten Satteltaschen rollen Richtung Süden - vermutlich unternehmen sie eine mehrtägige Tour entlang der Lahn. Knapp 30 orangefarbene Kanus liegen kopfüber faul am Ufer und warten auf ihren nächsten Einsatz.

Oberhalb des Wehres treiben ein paar grüne Seerosenblätter und eine leere Bierflasche im Wasser. Ein Absperrseil mit roten Bojen warnt Kanufahrer vor dem Wehr und leitet sie nach links zur Bootsgasse. Eine ältere Hundehalterin führt ihren Vierbeiner an einer Rampe, die mit großen Basaltsteinen gepflastert ist, zum Trinken ans Wasser.

Prompt ploppt eine Erinnerung in mir hoch: Genau an dieser Stelle stürzten sich vor rund 15 Jahren beim "Gießener City-Triathlon" fast 400 Menschen in den Fluss, um 1500 Meter in der Lahn zu schwimmen. Ein Mega-Event.

Bei Hochwasser verschwindet das Wehr übrigens. Es wird dann überspült, ist nicht mehr zu sehen. Doch aktuell fließt eher wenig Wasser in der Lahn. Mein Brötchen ist auch schon fast aufgegessen. Kurzweiliger kann eine Zehn-Minuten-Pause kaum sein. (jri)

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