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Märchenhafte Illustrationen

  • Karola Schepp
    VonKarola Schepp
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Vera Bennung Corominas gibt in Eigeninitiative liebevoll illustrierte Bändchen mit Märchen heraus. Es sind ausschließlich Geschichten, die sie selbst »emotional gepackt« haben und die sie mit ihren Zeichnungen zu einem Augenschmaus für Erwachsene und Kinder macht.

Ein wunderschöner Feuervogel blickt dem Besucher entgegen, wenn er das Haus von Vera Bennung Corominas betritt. Im Keller sieht man zwei mit ihren goldfarbenen Einsprengseln an Gustav Klimt erinnernde Gemälde, im Dachgeschoss steht ein weiteres Bild auf der Staffelei. Sofort wird klar: Hier lebt jemand, der nicht nur das Handwerk der Malerei und Zeichnung versteht, sondern seine Kunst mit Leidenschaft und Herzblut ausübt. Kein Wunder also, dass Vera Bennung Corominas bei ihren bisherigen Ausstellungen - etwa auch im Wettenberger Kunst- und Kulturverein KuKuK - viele positive Reaktionen bekommt.

Illustrationen als Herzenssache

Bis 2020 hat die 74-Jährige auch im Kindergarten Pusteblume in ihrem Gießener Stadtteil Wieseck mit Kindern in einem offenen Atelier kreativ gearbeitet. Außerdem kennt man ihre liebenswürdigen Illustrationen von Uwe Lischpers »Bilderbuchtagen« oder von ihrem Stand bei »Fluss mit Flair«. Doch Corona hatte all das erst einmal gestoppt. »Ich warte doch nicht, dass mir jemand einen Auftrag gibt«, hat sich die gelernte Mediendesignerin und ehemalige Kunstlehrerin daraufhin gesagt und sich als Herzensprojekt der Illustration von Märchen gewidmet. Vier der so entstandenen Bände sind bereits erschienen, der fünfte wird demnächst gedruckt.

Es sind Märchen, in denen die großen Themen des Lebens eines Rolle spielen, die Vera Bennung Corominas interessieren. »Ich will das alles verstehen und mitfühlen«, sagt sie und schwärmt davon, wie sehr sie manche Märchen »emotional gepackt« haben. So wie etwa die Geschichte vom »Fundevogel«, in dem sich ein Liebespaar gegen die böse Stiefmutter durchsetzen muss, oder das Märchen »Hans mein Igel«, in dem ein Wesen - halb Igel, halb Mensch - nicht von seinen Mitmenschen angenommen wird und erst durch die Liebe einer Prinzessin, die ihn so mag, wie er ist, erlöst wird.

Stark identifiziert hat sich die Künstlerin auch mit dem Märchen »Die sieben Raben«, in dem sieben Brüder wegen eines Missgeschicks bei der Taufe ihrer Schwester verflucht werden und fortan als Raben leben müssen, bis sie die Liebe ihrer Schwester von diesem Schicksal befreit. »Gerade die Szene, in der sich am Ende alle umarmen, war so schön für mich, dass ich mich selbst auf die Suche nach meinen Halbbrüdern gemacht habe. Zu denen hatte ich zuvor keinen Kontakt«, erzählt Vera Bennung Corominas. Und wie im Märchen hat es auch für sie ein Happy End gegeben.

Liebevoller Blick auf das Älterwerden

Dass die Geschichten ein schönes Ende haben, ist ihr wichtig. Und so hat sie für ihr jüngtes Märchenbändchen »Der Frieder und das Katherlieschen« gleich ein neues Ende geschrieben, damit das etwas einfältige Katherlieschen nicht länger wegen seiner merkwürdigen Handlungen verachtet wird. »Es ist auch ein liebevoller Blick auf das Älterwerden«, betont die 1946 in Lenzen an der Elbe geborene Künstlerin, die gerade mit jenen Menschen, »die für die Gesellschaft keine Bedeutung mehr haben und es schwierig haben«, solidarisch sein will.

Auch das Märchen von der »Bärin«, nach einer Erzählung von Giambattista Basile, das sie ebenfalls illustriert hat, gehört in diesen Kontext. Denn hier verwandelt sich eine Frau aus Angst vor dem Vater in eine furchteinflößende Bärin und kann erst durch die Liebe eines Prinzen, der sie als Frau voller Schönheit und Herzensgüte erkennt, befreit werden.

Art-Direktorin und Kunstlehrerin

Das Märchen von der »Bärin« hat Vera Bennung Corominas mit wasservermalbaren Buntstiften gezeichnet, die anderen Märchen hat sie am Computer illustriert, allerdings basierend auf ihren vorherigen Zeichnungen. Und die wirkten »viel gefühlvoller«, loben einige ihrer Leser. Andere mögen gerade die klare Bildsprache der anderen Illustrationen. Vera Bennung Corominas, die nach 20 Jahren als Art-Direktorin in einer Werbeagentur auch zwei Jahre in Heidelberg als Dozentin für Grafik-Design tätig war und den Weg zur Malerei und Illustration für sich als »künstlerische Befreiung« empfunden hat, kann eben beides.

Die Bildideen, so erzählt sie, habe sie schon beim Lesen des jeweiligen Märchens im Kopf. Und weil sie es mag, »Dinge nacheinander zu erledigen« und ihren Arbeitstag gerne klar strukturiert, beschäftigt sie sich immer nur mit einem Märchen am Stück. Gut sechs Stunden braucht Vera Bennung Corominas für eine einzelne Illustration - und schafft es, mit ihren Zeichnungen und den liebevoll in Goldschrift daneben gesetzten Texten einen willkommenen Anlass zu schaffen, sich auch als Erwachsener wieder einmal eines der alten Hausmärchen der Gebrüder Grimm vorzunehmen - wenn möglich mit einem Kind zum Vorlesen an seiner Seite.

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