SPD macht Forscher ratlos

Am 24. Oktober tagte der neugewählte Bundestag zur konstituierenden Sitzung. Mit nun 709 Mandatsträgern sitzen mehr Parlamentarier im Bundestag als je zuvor. Damit stellt die Bundesrepublik Deutschland das zweitgrößte Parlament der Welt – lediglich China hat mit 2987 Abgeordneten ein größeres. Dies war Grund genug für Simone Abendschön, Professorin für Methoden der Politikwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität, gemeinsam mit Dorothée de Nève, Professorin für politische und soziale Systeme Deutschlands an der JLU, die Veranstaltung "Jamaika-Kater" zu organisieren. "Das Wahlergebnis hat wortwörtlich am nächsten Morgen eine Katerstimmung ausgelöst", so Abendschön.

Von DHG

Am 24. Oktober tagte der neugewählte Bundestag zur konstituierenden Sitzung. Mit nun 709 Mandatsträgern sitzen mehr Parlamentarier im Bundestag als je zuvor. Damit stellt die Bundesrepublik Deutschland das zweitgrößte Parlament der Welt – lediglich China hat mit 2987 Abgeordneten ein größeres. Dies war Grund genug für Simone Abendschön, Professorin für Methoden der Politikwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität, gemeinsam mit Dorothée de Nève, Professorin für politische und soziale Systeme Deutschlands an der JLU, die Veranstaltung "Jamaika-Kater" zu organisieren. "Das Wahlergebnis hat wortwörtlich am nächsten Morgen eine Katerstimmung ausgelöst", so Abendschön.

In Zusammenarbeit mit dem Präsidium der JLU und des Zentrums für Medien und Interaktivität hatten die Wissenschaftler zur Podiumsdiskussion in die Aula des Universitätshauptgebäudes eingeladen. Mit zahlreichen Gästen aller Altersgruppen diskutierten die Hauptstadtjournalistin Maria Friedler, Sigrid Roßteutscher, Politikwissenschaftlerin aus Frankfurt am Main, Stefan Krabbes, Mitarbeiter bei den Grünen, und Matthias Hartl, Politikberater aus Berlin.

"Die SPD ist uns Wahlforschern ein Rätsel", erklärte Roßteutscher. Es gebe keine Theorien, die das Abschneiden der SPD erklären könnten. "Sie ist die perfekte Volkspartei – für jeden wählbar", führte Roßteutscher fort. Aber sie habe ihre Stammwähler vernachlässigt und müsse dies nun in der Oppositionszeit nachholen. "Merkel hat sich hingegen wie das Fähnchen im Winde verhalten und die FDP war einfach modern", fügte Hartl hinzu. Doch durch den aus sieben Parteien bestehenden Bundestag könne sich auch eine neue Debattenkultur entwickeln, die "dem Vorwurf der etablierten Einheitsmeinung in Berlin entgegenwirken könnte", so Hartl.

Sollte das Jamaika-Bündnis aus Union, Grünen und FDP gelingen, hätte der Bundestag dennoch eine große Opposition. "Die Frage ist, ob sich die Grünen verkaufen", so Krabbes. Es herrsche ein Flügelkampf innerhalb der Grünen. Abhängig davon, ob der realpolitische oder der linke Flügel siegt, könne ein Jamaika-Bündnis realistisch sein. "Die FDP hingegen hat Luxusprobleme und geht als klarer Sieger dieser Bundestagswahl hervor", betonte Krabbes. Lindner sei ohne die Erwartung, Minister zu werden, in den Bundestagswahlkampf gestiegen und habe alle Erwartungen übertroffen.

Auch de Nève sieht in Jamaika ein mögliches Bündnis. Jedoch seien die Koalitionsverhandlungen insbesondere für die CSU vakant. "Im Zweifelsfall sind der CSU die Wahlergebnisse für die nächste Landtagswahl in Bayern wichtiger als der Bundestag", so de Nève. Eine Zusammenarbeit mit den Grünen könnte im katholischen Bayern einige Stammwähler verärgern.

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