Dietmar Knöß zeigt, wie die Anlage ein Papier ansaugt. SCHEPP
+
Dietmar Knöß zeigt, wie die Anlage ein Papier ansaugt. SCHEPP

Luftfilter locken Gäste an

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
    schließen

Gießen(chh). Aerosole spielen bei der Übertragung von Sars-Cov-2 eine entscheidende Rolle. Darin sind sich die Experten einig. Sie plädieren daher dazu, geschlossene Räume regelmäßig zu lüften. In der Kneipe "Justus" in der Frankfurter Straße geschieht das nun automatisch. Und zwar durch eine Lüftungsanlage, deren Rohre durch den gesamten Gastraum verlaufen. Wirt Dietmar Knöß ist begeistert. "Für uns ist das die perfekte Lösung. Und die Anlage rechnet sich auch."

Alle sieben Minuten komplett gelüftet

Luftfilter sind kein Allheilmittel gegen die Corona-Pandemie. Sie können aber einen wichtigen Beitrag leisten. Das sagen zum Beispiel 240 Wissenschaftler, die sich jüngst zusammengeschlossen haben und einen Appell an die Weltgesundheitsorganisation richteten. Tenor: Das Übertragungsrisiko in der Luft wird unterschätzt, neben anderen Maßnahmen sollten auch hocheffiziente Luftfilter genutzt werden.

Knöß hatte den Vorteil, dass er keine neue Lüftungsanlage anschaffen musste. Sie war schon vorhanden. "Der vorherige Pächter hatte sie einbauen lassen, da damals in den Räumen geraucht wurde. Wir haben sie dann aber stillgelegt, weil im Justus erstens nicht geraucht werden darf und zweitens die Kosten für den Betrieb sehr hoch sind." Nach dem Ausbruch der Pandemie sei ihm die Anlage wieder in den Sinn gekommen, sagt Knöß. Daraufhin habe er eine Spezialfirma für Großküchentechnik beauftragt, sich die Anlage mal anzusehen. Nach einwöchigem Testlauf dann das Fazit: Laut der Firma beträgt die Luftleistung der Anlage 3800 m3. Demnach sorge sie dafür, dass die Luft im "Justus" alle sieben Minuten komplett ausgetauscht wird.

Das funktioniert, indem frische Luft von außen angesaugt und durch Filter geschleust wird. Die Abluft wird ebenfalls gefiltert und soll künftig auch für die Wärmerückgewinnung genutzt werden. "Dadurch können wir die Kosten ausgleichen", sagt Knöß. Denn auch wenn er die Anlage nicht kaufen musste, ist ihre Inbetriebnahme mit erheblichen Kosten verbunden. "Wir mussten sie mit speziellen Aerosolfiltern umrüsten. Das hat schon einige Scheine gekostet."

Laut dem Wirt rentiert sich die Investition aber schon jetzt. "Der Laden ist jeden Abend voll, am Samstag mussten wir sogar über 60 Gäste wieder nach Hause schicken." Viele Kunden würden explizit wegen der Anlage kommen, für die Knöß auch auf seiner Homepage großflächig wirbt.

Knöß weiß, dass auch die beste Luftfilteranlage keine 100-prozentige Sicherheit bieten kann. In seinen Augen ist sie aber ein gutes Mittel, seine Kunden und das Team zu schützen. Außerdem hat die Lüftung einen positiven Nebeneffekt, sagt Knöß lachend: "Man riecht das Essen gar nicht mehr. Früher bin abends aus dem Laden raus und habe wie eine Pommesbude gestunken. Diese Zeiten sind vorbei."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare