Lützellindener dürfen hoffen

  • Burkhard Möller
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Gießen(mö). Es ist wohl eine Mischung aus dem Widerstand vor Ort, dem starken Argument Klimawandel und der bevorstehenden Kommunalwahl: Immer mehr Parteien verabschieden sich von der Ausweisung weiterer Gewerbeflächen in der Gemarkung Lützellinden. Nach den Grünen und der SPD haben nun auch die Freien Wähler der Ausweisung zusätzlicher Gewerbeflächen auf den fruchtbaren Äckern im Süden des Stadtteils eine Absage erteilt.

Nach einem Treffen und einer Ortsbegehung von Vertretern der FW aus dem Stadtverband Gießen, dem Kreisverband und aus der Regionalversammlung Mittelhessen mit der Bürgerinitiative "Lützellinden sagt Nein" stellte Stadtverbandsvorsitzender Johannes Zippel fest: "Wir sagen klipp und klar, dass sich die Freien Wähler der Stadt Gießen gegen die weitere Ausweitung eines Gewerbegebietes in Lützellinden aussprechen."

Dafür seien mehrere Punkte ausschlaggebend. Im Gegensatz zu anderen Stadtteilen verfüge Lützellinden über den besten und einen klimawandelresistenten Ackerboden. Außerdem habe Gießen in den vergangenen Jahren auf den vielen Konversionsflächen, darunter dem früheren US-Depot, über 400 Hektar Wohn-, Misch- und Gewerbegebiete ausgewiesen und bebaut. "Sowohl das von der Stadtregierung angepeilte Klimaziel 2035 und der "Green Deal" der Europäischen Union lassen es nicht zu, dass insbesondere durch die Ansiedlung von weiteren Logistik-Unternehmen immer mehr Kfz-Verkehr in die Stadt und den Kreis geholt wird", betonte Zippel. Man könne nicht auf der einen Seite Radverkehr fördern und auf der anderen mehr Pkw- und Schwerverkehr durch neue Wohn- und Gewerbegebiete produzieren. Dies sei "nicht nachhaltig".

Grundstückskäufe lösen Protest aus

Die Erkenntnis des Treffen mit der BI will FW-Kreisvorsitzender Kurt Hillgärtner nun auch in die Beratung über den neuen Regionalplan Mittelhessen einfließen lassen, der gerade in der Regionalversammlung diskutiert wird.

Die Gießener Grünen hatten im Zusammenhang mit der Erstellung ihres Kommunalwahlprogramms weiteren Gewerbeflächen in Lützellinden eine Absage erteilt und als Ersatz zehn Hektar am Bahndamm der Main-Weser-Bahn bei Allendorf und Dutenhofen ins Gespräch gebracht. Auch die SPD hat bei ihrem Listenparteitag vor einigen Tagen angekündigt, dass sie in Lützellinden keine zusätzlichen Gewerbeflächenpläne mehr verfolgt.

Gegen die Ausweisung weiterer Gewerbeflächen laufen die Lützellindener seit dem Sommer 2019 Sturm, nachdem die Stadt den Ankauf von Flächen fortgesetzt hatte. Auf die Proteste reagierte die Stadt-verordnetenversammlung im September vor einem Jahr mit einem Beschluss, wonach die Stadt auf die 130 Hektar umfassende Großgewerbefläche Lützellinden gänzlich verzichtet und die Planung für den etwa 30 Hektar großen "Gewerbepark Lützellinden" vorerst nicht weiterverfolgt. Auch diese 30 Hektar bleiben nach den aktuellen Festlegungen der beiden Parteien und der Freien Wähler wohl unangetastet.

Der Protest aus Lützellinden hatte sich zuletzt auf die Regionalversammlung Mittelhessen fokussiert, die 2018 eine Studie zur Gewerbeflächenentwicklung in Mittelhessen beauftragt hatte. Darin waren 40 Hektar entlang der A 45 im Bereich Hüttenberg/Lützellinden als "Bestfläche" für Industrie und Gewerbe vorgeschlagen worden. Ohne die Zustimmung der Gießener Gremien indes können Flächen auf Gießener Grund und Boden nicht überplant werden.

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