Sabatino Laurito (l.) und Denis Gasparin (r.) geben am 31. Dezember die Verantwortung im "Löwen" an Antonio Viterale ab.	FOTO: SCHEPP
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Sabatino Laurito (l.) und Denis Gasparin (r.) geben am 31. Dezember die Verantwortung im »Löwen« an Antonio Viterale ab. FOTO: SCHEPP

Gastronomie in Gießen

Gießen: „Löwen“-Wirt verabschiedet sich – Nachfolger „sollte Italiener sein“

  • Marc Schäfer
    vonMarc Schäfer
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Ende einer Ära: Nach mehr als 35 Jahren verlässt Denis Gasparin das Restaurant „Zum Löwen“ im Gießener Neuenweg. Nachfolger wird Antonio Viterale.

  • Im traditionsreichen Restaurant „Zum Löwen“ in Gießen steht ein Führungswechsel an.
  • Denis Gasparin gibt den Chefposten im Gießener Lokal ab, Antonio Viterale folgt ihm nach.
  • Ein Rückblick und ein Ausblick.

Gießen – Denis Gasparin macht nicht gern viel Aufhebens um seine Person. Die lauten Töne sind ihm fremd. Aber er ist da, wenn’s brennt. So hat er in den vergangenen 15 Jahren gemeinsam mit seinem Geschäftspartner, Küchenchef Sabatino Laurito, auch das traditionsreiche Lokal »Zum Löwen« im Gießener Neuenweg geführt. Nicht selten 15 Stunden am Tag. Unaufdringlich, aber doch bestimmt. Am Jahresende soll nun Schluss sein: Gasparin und Laurito übergeben das Restaurant an Antonio Viterale, einen erfahrenen Gastronom, den Gießener aus seiner Zeit als Mitinhaber der »Nudelstube« in der Ludwigstraße und als Betreiber des »Michele« in der Plockstraße kennen. Mit dem Ausscheiden von Gasparin geht im »Löwen« im Service eine Ära zu Ende. In der Küche kann Viterale aber weiterhin auf Laurito bauen, der ab Januar als angestellter Koch fungieren wird.

„Zum Löwen“ in Gießen: Chef geht mit „gemischten Gefühlen“

»Ich bin nicht der typische Italiener«, sagt Gasparin fast entschuldigend über seine Art, mit seinen Gästen umzugehen. Eine gewisse Distanz sei ihm immer wichtig gewesen. Dass das nicht bei allen funktioniert hat, spürt der 56-Jährige besonders in den letzten Tagen häufig. Wenn er Stammgästen berichtet, dass er zum Jahresende die Leitung des Lokals abgeben werde, fließen manchmal Tränen. »Ich habe 1984 im Alter von 20 Jahren angefangen, im Löwen zu arbeiten. In diesen 36 Jahren haben Gäste hier geheiratet, die Konfirmation der Kinder gefeiert und die Trauerfeier der Oma. Dadurch bin ich mit vielen Familien vertraut und verbunden. In dieser Zeit ist natürlich zwangsläufig eine besondere Nähe entstanden«, sagt Gasparin. Für manche Stammgäste ist der »Löwe« ein Familiendomizil, und Gasparin gehört irgendwie dazu, zur Familie - ein bisschen wenigstens.

»Vier Nächte vor der Unterschrift« des Vertrags, der die Übernahme des Lokals regelt, habe er »kaum geschlafen«. So richtig klar sei Gasparin diese Verbundenheit aber erst durch die Reaktionen der Gäste auf den Entschluss der Gastronomen geworden. Dennoch ist er sicher, dass es die richtige Entscheidung war. »Wir versuchen seit etwa drei Jahren, einen Nachfolger zu finden. Uns war dabei Kontinuität wichtig. Es sollte ein Italiener sein, die Arbeitsplätze sollten erhalten bleiben«, berichtet Gasparin. Nun habe man endlich den richtigen Mann gefunden. Ein bisschen erleichtert ist er schon, traurig aber auch. »Gemischte Gefühle«, sagt er.

Die Gründe für den Verkauf des Restaurants seien vielschichtig, betont Gasparin. Auch private spielten eine Rolle. Entscheidend sei aber gewesen, dass er und der zehn Jahre ältere Laurito, der bereits 1971 im Löwen begonnen hat, nicht mehr so viel Verantwortung tragen wollten. »Nach 36 Jahren in der Gastronomie will ich außerdem auch einfach nicht mehr so viel arbeiten«, gibt Gasparin zu.

Gießen: Nachfolger im „Zum Löwen“ will Tradition fortsetzen

Sorgen muss sich Gasparin um sein Restaurant nicht machen. »Der Löwe wird der Löwe bleiben«, verspricht Nachfolger Viterale den Fans des 1971 von Luca Bortoli und Luigi Laurito eröffneten Lokals in dem wunderschönen Fachwerkhaus in der Fußgängerzone. Im Moment laufen dezente Renovierungsarbeiten im Gastraum. Eine andere Beleuchtung wird es geben und neuen Bezug auf den Sitzbänken. Die Küche indes soll weiterarbeiten wie bisher. Einen ersten Impuls möchte Viterale dennoch mit Fleisch aus einem DryAger setzen; die Weinkarte will er ausbauen. Solang der Lockdown läuft, wird es all die Speisen aber weiterhin nur per Lieferung oder zum Abholen geben.

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