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Schulleiterin Antje Mühlhans, die Mentoren/Tutoren Christoph Geibel, Dr. Steffen Boßhammer und Sebasian Dautzenroth (hinten von links) freuen sich mit den Teilnehmern des Geschichtswettbewerbs über deren Erfolge.

LLG wieder »landesbeste Schule«

  • Karola Schepp
    VonKarola Schepp
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Und wieder hat sich das Landgraf-Ludwig-Gymnasium als landesbeste Schule im Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten durchsetzen können. Gleich sieben seiner Schülerinnen und Schüler haben Landes- und Förderpreise gewonnen. »Bewegte Zeiten. Sport macht Gesellschaft« lautete das Obnerthema. Am heutigen Montag steht die Preisverleihung in Wiesbaden an.

In Zeiten von Homescooling, Kontaktbeschränkungen wegen Corona oder wegen Lockdown geschlossenen Archiven ist es gar nicht so leicht, Geschichtsthemen zu erforschen. Doch wenn man auf ein gutes Netzwerk und engagierte Mentoren bauen, vielleicht sogar in der eigenen Familie recherchieren kann und von der Schule tatkräftig unterstützt wird, dann können auch unter schwierigen Umständen großartige Leistungen vollbracht werden. Das haben Schüler des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums bewiesen, die sich - in bester Schultradition - am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten unter dem Motto »Bewegte Zeiten. Sport macht Gesellschaft« beteiligt haben und beste Platzierungen erreichen konnten.

Gladiatorenkämpfe am Limes

Das LLG kann sich so gleich über sechs Länderpreise und einen Förderpreis sowie die Auszeichnung als landesbeste Schule freuen. Die Preisverleihung im Eintracht Frankfurt Museum ist für den heutigen Montag geplant, vorab haben einige der Nachwuchsforscher schon bei einem Pressegespräch in der Schule ihre Arbeiten kurz vorgestellt.

Unter den jüngeren Teilnehmern können sich Ian Caulton und Nic Pausch über ihren Landessieg freuen, die als Siebtklässler »Gladiatorenkämpfe am Limes« erforscht haben. Sie haben dafür mit archäologischen Fundstücken aus dem Saalburg-Museum gearbeitet und im Internet recherchiert. Sie stellen fest: Gesellschaftlich hatten diese Kämpfe, unter anderem in den Kastellen Arnsburg und Zugmantel, große Bedeutung. Reiche und Politiker organisierten sie, auch um sich beliebt zu machen. »Zuschauer waren hauptsächlich Soldaten, aber auch das gemeine Volk«, berichtet Ian Caulton.

Einen Landessieg hat auch Maya Gelzenleuchter errungne. Noch als Elftklässlerin und früher selbst erfolgreiche Ruderin (deutsche Vizemeisterin im Achter) hat sie den Wiederaufbau der Gießener Rudergesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg untersucht. Damals waren Boote zerstört und das Vereinsheim niedergebombt, doch die Mitglieder konnten in großer Eigenleistung den Verein wieder aufbauen. Einer von ihnen war Mayas Opa Jürgen Klein.

Clara Hammermann, auch sie eine Landessiegerin und aktuell in der Q3, hat unter dem Titel »Turnertum, Volkstum, Vaterland«, das erste Gauturnfest des Reichsbundes für Leibesübungen in Gießen im Jahr 1935 untersucht. Die NS-Zeit interessiere sie generell, berichtet sie und kann vom großen Festzug durch die Stadt mit rund 1000 Teilnehmern, darunter überwiegend Turner, aber auch Leichtathleten oder Fußballe, beim Gauturnfest 1935 berichten. Sie hat für ihre Recherchen im Stadtarchiv alte Zeitungen und Briefe gelesen und Ingrid Hubing von der Deutschen Turnzeitung befragt. »Die Nazis wollten aus Gießen eine große Sportstadt machen«, ergänzt Mentor Christoph Geibel und betont: »Der Leiter des Stadtarchivs, Dr. Christian Pöpken, hat uns toll unterstützt.«

Die Oma als Kunstradfahrerin

Über einen Förderpreis kann sich Pascal Jung freuen, der als Elftklässler unter dem Titel »Als das Fahrrad auf die Welt kam, war es männlich« die Geschichte seiner Oma Sigrid Magel und des von ihr betriebenen Kunstradfahrsports untersucht hat. Sie war unter anderem 1973 südwestdeutsche Meisterin. »Meine Oma habe ich leider nicht mehr kennengelernt«, bedauert Pascal, doch nun ist er ihr durch seine Geschichtsarbeit ein Stück näher gekommen - auch weil sein Großvater anhand von vielen Fotos oder einem ehemaligen Rad der Oma deren Geschichte dem Enkel erklären konnte.

Voller Stolz sprach Schulleiterin Antje Mühlhans den Schülern ihre Anerkennung für die besonderen Leistungen aus. Dies sei »eine große Leistung«. Sie dankte ausdrücklich Christoph Geibel, der die Teilnahme von LLG-Schülern am Geschichtswettbewerb in seiner aktiven Zeit als Lehrer maßgeblich gefördert hatte und sich auch noch nach seinem Ausscheiden aus dem Schuldienst engagiert. Und auch den Lehrern Sebastian Dautzenroth und Dr. Steffen Boßhammer galt ihr Dank. Es sei auch für ihn »eine sehr spannende Erfahrung« gewesen, bilanzierte Boßhamme. Er sei sich sicher, dass die Schüler durch ihre Teilnahme nicht nur fachlich viel gelernt hätten, sondern auch für ein späteres Studium nützliche Methodenkompetenzen erworben hätten. Christoph Geibel betonte, dass die Schüler beim Geschichtswettbewerbs auch jedes Mal ein Stück Gießener Stadtgeschichte aktualisieren würden. »Auch das ist ein Teil der Qualität des Wettbewerbs.

Die Landessieger haben die Chance, auch einen von 50 Bundespreisen zu erringen. Die Erstpreisträger und ihre Tutoren würden vom Bundespräsidenten persönlich im Schloss Bellevue ausgezeichnet werden.

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