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Jens Womelsdorf und Gerd Wegel vom ACE nehmen die Parkplatzsituation von Lastwagen unter die Lupe.

Lkw-Raststätten

„Hochgradig gefährlich für alle“: Lkw-Parkplätze rund um Gießen chronisch überlastet

  • VonBarbara Czernek
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Der Automobilclub ACE prüft Situation von Brummifahrern - auch die Rastplätze um Gießen sind übervoll.

Gießen – Wer kennt das nicht? Man fährt auf der Autobahn, will eine kurze Rast einlegen, doch der nächste Parkplatz ist übervoll mit Lastwagen, die bis weit hinein in die Abbiegespur zum Parkplatz stehen. Das verärgert Autofahrer, jedoch für Brummi-Fahrer ist die Situation viel schwieriger: Sie sind verpflichtet, Pausen einzulegen, doch die Suche an einem geeigneten Stellplatz entpuppt sich oft zu einem nervenaufreibenden Suchspiel. Diesem Problem hat sich der Automobilclub Europe (ACE) angenommen. Jens Womelsdorf, Regionalbeauftragter Hessen des Clubs, und Gerd Wegel, Kreisvorsitzender und selbst langjähriger Kraftfahrer, waren am Dienstagabend an drei Rastplätzen rund um Gießen unterwegs, um die Situation vor Ort zu dokumentieren.

Gießen: Überfüllte Parkplätze sind gefährlich – nicht nur für Lkw

»Nach viereinhalb Stunden ist der Fahrer verpflichtet, eine 45-minütige Pause einzulegen. Nach weiteren viereinhalb Stunden muss er eine Pause von neun Stunden machen. Dies wird alles auf dem digitalen Fahrtenschreiber dokumentiert. Hält der Fahrer sich nicht daran und wird von der Polizei kontrolliert, dann riskiert er eine Strafe«, erläuterte Wegel. 30 Minuten vor der Pause erinnere der Fahrtenschreiber an die anstehende Pause, dann gehe die Sucherei los. Auf den Parkplätzen Pfaffenpfad, Silbersee und an der Raststätte Reinhardshain bot sich den beiden Kontrolleuren überall das gleiche Bild: Neben den regulären Lkw-Stellplätzen standen die Brummis überall, wo es irgendwie möglich war, auch quer auf Pkw-Stellplätzen oder auf dem Randstreifen bis hin zur Zu- und Abfahrt.

»Das ist hochgradig gefährlich für alle Verkehrsteilnehmer«, sagte Womelsdorf. Der kleine Parkplatz Pfaffenpfad war um 20 Uhr mit acht Lkw bereits voll, und immer wieder versuchten weitere 42-Tonner-Fahrer, dort einen Schlafplatz zu ergattern. In Reinhardshain (Richtung Kassel) gibt es rund 25 reguläre Plätze, die um 21 Uhr alle besetzt waren. Dort parkten zusätzlich rund 60 Lkw auf den Fahrstreifen oder auf Zufahrtswegen. Auf der gegenüberliegenden Seite sah es nicht besser aus. Mit eingeschlossen in die Bestandsaufnahme war auch die Überprüfung der Übernachtungsbedingungen auf den Parkplätzen.

Schlechte Bedingungen für Lkw-Fahrer auf Parkplätzen rund um Gießen

Eine ordentliche Beleuchtung fehlte überall. Sanitäranlagen mit Dusche, Waschgelegenheit und Toilette gab es lediglich auf dem Rasthof. Diese sind jedoch gebührenpflichtig. »Die Benutzung der Toilette und der Dusche kosten Geld: Drei Euro für die Dusche und 79 Cent für die Toilette. Autohöfe verlangen für die Übernachtung rund 20 Euro pro Lkw. Gerade ausländische Fahrer können sich das oft nicht leisten«, sagte Wegel dazu. Daher würde man häufig auf den Rastplätzen Brummis mit ausländischen Kennzeichen sehen. Allerdings sind diese Übernachtungsbedingungen oft prekär: »Das sind ganz schlechte Bedingungen im Hinblick darauf, dass für die Straßenbenutzung eine Maut erhoben wird«. So kostet eine Lkw-Fahrt von Gießen nach München rund 70 Euro an Mautgebühren.

»Wir stellen fest, dass die Stellplätze bei weitem nicht ausreichen. Ein weiterer Ausbau mit einer passenden Infrastruktur ist dringend erforderlich«, so das Fazit der beiden. (bac)

Die Pläne für mehr Lkw-Stellplätze rund um Gießen sind da, deren Umsetzung zieht sich aber hin, wie ein Bericht aus dem Sommer 2020 zeigt.

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