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Die Premiere vor vollem Haus macht Lust auf mehr: Das Living Room Trio mit Peter Herrmann (l.), Dago Schelin, Moritz Weissinger (r.) mit Überraschungsgast Tess Wiley. (Foto: ik)

Living Room Trio bietet guten Stoff

Da kommt was auf uns zu: Mit Adaptionen von Bossa-Nova-Klassikern, Popsongs, Volksliedern und Stücken aus der eigenen Feder eroberte das Living Room Trio am Samstag sein Premieren-Publikum im Nu. Dem jüngsten Ausklang" bei "Hilde braucht Stoff" war ein volles Haus beschert. Das ist aber erst der Anfang.

Während sich draußen vor der Tür noch einmal der Winter aufbäumte, ging drinnen im kultigen Stoffladen von Jacqueline Herrmann anlässlich der monatlichen Feierabend-Lounge die Sonne Brasiliens auf. Inmitten von bunten Tüchern und Nähzubehör schlenderte Antônio Jobims "Mädchen von Ipanema" in einer "Soft Version" durch den berühmten Stadtteil von Rio de Janeiro und machte bei dieser Gelegenheit die Bekanntschaft mit einem bezaubernd leichtfüßigen "Nowhere Man" der Beatles.

Dago Schelin (Gesang, Gitarre), Brasilianer mit deutschen Vorfahren und seit 2013 mit Frau und Kind in seiner Wahlheimat Marburg zuhause, hat sich in diesem Bandprojekt gemeinsam mit Peter Herrmann (Bass) und Moritz Weissinger (Schlagzeug) einer speziellen Stilrichtung der brasilianischen Musik verschrieben. Er bringt damit neben den Werken Jobims vor allem die Musik von João Gilberto zu neuen Ehren, von dem am Samstag etwa "Chega de Saudade" erklang. Das Musizieren macht Dago Schelin eigentlich nur nebenbei – im richtigen Leben promoviert er im Fachbereich Medienwissenschaft an der Philipps-Universität.

Mit Liedern wie "Santa Felicidade", einem Lied für seine Ehefrau Cynthia, stellt der 37-Jährige mit der sanften Stimme auch sein Talent als Komponist unter Beweis. Die Idee zu diesem Ensemble ist erst wenige Monate alt, doch die Combo versteht sich blind – auch wenn sich die portugiesischen Texte dem Bassisten und dem Drummer zunächst nicht auf Anhieb erschließen mochten. Längst arbeiten die drei an einer CD.

Das Living Room Trio ist die Vorstufe zu einem weiteren Projekt. Schelins Urgroßeltern waren in den 1920er Jahren von Deutschland nach Brasilien ausgewandert. Dago wuchs in Sao Paulo mit dem Sound der populären brasilianischen Musik und den deutschen Volksliedern auf, die er in seiner Kindheit gelernt hatte. Heute spielt er mit deutschen Musikern Volkslieder – mit brasilianischen Stilmitteln. Seine Versionen von "Guten Abend, gute Nacht", "Kein schöner Land" und "Kommt ein Vogel geflogen" gaben am Samstag einen Vorgeschmack auf die Konzerte von "Rosas Heft": Unter diesem Namen tritt das um Olaf Roth (Piano) und German Marstatt (Saxofon) verstärkte Trio auf – auch hier entsteht eine CD. Premiere ist am 25. Juni in Marburg, Auftritte sind u. a. in Lollar (12. 7.), Lich (27. 8.) und Pohlheim (20. 9.) geplant. Dem Trio wird in wenigen Tagen besondere Ehre zuteil: Edgar Reitz, der mit dem Hunsrück-Epos "Heimat" Filmgeschichte schrieb, präsentiert am 7. Februar in Mainz ("Frankfurter Hof") die digitalisierte Fassung des legendären Werkes. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (Rheinland-Pfalz) wird das Event eröffnen – die Musik kommt vom Living Room Trio. Für Dago Schelin ein doppelter Freudentag – als Musiker und als Filmwissenschaftler. Gabriele Krämer

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