Little Ireland an der Lahn

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Das böse B-Wort bleibt erst mal verboten. "Wir wollen heute nicht so viel über Politik reden", sagt Siobhan Prendergast kurz vor ihrem Auftritt am Samstagabend im Bootsbaus. Was sie von den britischen Querelen halten, das zeigen die Musikerin aus dem irischen Connemara, der Schotte John Morrell und der Engländer Ed Westerdale ohnehin viel lieber auf der Bühne. Als "Celtic Tree" katapultiert das Trio, durch das demnächst eine EU-Außengrenze verlaufen könnte, die Gäste gemeinsam auf die grüne Insel. So gibt es in Little Ireland an der Lahn am Vorabend von "St. Patrick", dem irischen Nationalfeiertag, "Irish and Scottish Folk", reichlich Guinness – und derben irisch-britischen Humor.

Das böse B-Wort bleibt erst mal verboten. "Wir wollen heute nicht so viel über Politik reden", sagt Siobhan Prendergast kurz vor ihrem Auftritt am Samstagabend im Bootsbaus. Was sie von den britischen Querelen halten, das zeigen die Musikerin aus dem irischen Connemara, der Schotte John Morrell und der Engländer Ed Westerdale ohnehin viel lieber auf der Bühne. Als "Celtic Tree" katapultiert das Trio, durch das demnächst eine EU-Außengrenze verlaufen könnte, die Gäste gemeinsam auf die grüne Insel. So gibt es in Little Ireland an der Lahn am Vorabend von "St. Patrick", dem irischen Nationalfeiertag, "Irish and Scottish Folk", reichlich Guinness – und derben irisch-britischen Humor.

Beispiel gefällig? "Wir finden immer einen Anlass zu spielen", erklärt Morrell die Motivation für den Abend, "egal ob Geburtstag, Hochzeit, Beerdigung, Scheidung oder Beschneidung". Ganz so ist es natürlich nicht. Die Idee, mit einer rauschenden Party in den St. Patrick’s Day hineinzufeiern, sei zusammen mit dem Wirt Dietmar Knöß entstanden, berichtet Prendergast. Am 17. März erinnert man in Irland an den heiligen Bischof Patrick, der im fünften Jahrhundert das Christentum auf die Insel gebracht haben soll. Ihm zu Ehren feiern Iren auf der ganzen Welt diesen Tag – und zwar nach Möglichkeit komplett in Grün.

Grünes Licht, grüne Deko, grün-weiß-rote Fähnchen an der Decke: Auch im Bootshaus ist am Samstag unverkennbar alles im grünen Bereich. Das dreiblättrige Kleeblatt, inoffizielles Nationalsymbol Irlands, ziert Räume und Gäste gleichermaßen, Bootshaus-Mitarbeiter schwirren als "Leprechauns" genannte koboldhafte Fabelwesen durch den Saal und Knöß persönlich gibt, mit Krone auf dem Kopf, den Heiligen Patrick. Derart in irische Symbolik getaucht, scheint das Bootshaus schon bald selbst mitten auf der Insel zu liegen. Dazu die Musik und das passende Bier: So klingt, so schmeckt – so tickt wahrscheinlich Irland.

Dass die politische Großwetterlage dann irgendwann doch eine Rolle spielt, versteht sich von selbst. Nach ziemlich genau 30 Minuten fällt es zum ersten Mal, das böse B-Wort. Wegen des Brexits hätten Morrell und Westerdale gerade die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen, erfahren die Zuhörer. "Früher waren sie Musketeers, heute sind sie nur noch Brexiteers", scherzt Prendergast. "Celtic Tree" bleibt also auf der guten Seite und die EU-Außengrenze verläuft auch künftig nicht durch das sympathische Trio. Mit dieser Nachricht schmecken die von Knöß ausgeteilten 50-Cent-Glückstaler aus Schokolade gleich ein bisschen besser.

So richtig verdaut haben die Musiker das "Goodbye" der Briten allerdings noch nicht. "Wir Iren fürchten uns wirklich vor einem neuen Krieg", erzählt Prendergast im Zwiegespräch. Morrell gibt später auf der Bühne einen eher beiläufigen Einblick in seine Gefühlslage.

Während Knöß um 21.40 Uhr den fünften Anruf bekommt, in dem Nachbarn über den Lärm klagen, findet eine Zuhörerin im Bootshaus die Musik zu leise. Als sie Morrell ihr Problem direkt an der Bühne schildert, kontert der trocken, aber irgendwie auch melancholisch: "Das ist wie der Brexit: Manchmal muss man die Dinge im Leben so akzeptieren, wie sie sind."

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