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Mit Kreativität und Können stellt Lisa Kreckel in filigraner Handarbeit süße Kunstwerke her, natürlich ohne künstliche Zutaten: "Wir machen im Café Geißner alles selbst." FOTO: SCHEPP

WM-Teilnehmerin

Lisa Marie Kreckel schafft köstliche Kunstwerke

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Ihren Traumjob Konditorin ließ sich Lisa Marie Kreckel zunächst ausreden. Inzwischen hat sie ihren Traum verwirklicht - und ist glücklich und erfolgreich. Jetzt trainiert sie für die Weltmeisterschaft.

Die Vielfalt. Das Ausprobieren neuer Ideen. Die Freude, eine Torte genau so gestalten, wie sie sich der Kunde gewünscht hat. "Wahnsinn, wenn man sieht, was man mit den eigenen Händen geschaffen hat. Ich gehe jeden Tag gern zur Arbeit", sagt Lisa Marie Kreckel mit leuchtenden Augen. Im Moment allerdings ist der Alltag im Café Geißner für die 24-Jährige etwas gewöhnungsbedürftig. Die Bundessiegerin musste ihr "Trainingslager" für den Junioren-Wettbewerb der Internationalen Union der Bäcker und Konditoren in Taiwan unterbrechen. Dafür hat sich die Bundessiegerin als eine von nur acht Teilnehmern aus aller Welt qualifiziert.

WM verlegt wegen Corona-Virus

Dass die Ausbreitung des Corona-Virus die für Mitte März anberaumte Veranstaltung gefährden könnte, "hatte ich natürlich im Hinterkopf", erzählt Lisa Kreckel im GAZ-Gespräch. "Aber ich hatte das weggeschoben. Man bereitet sich unter Zeitdruck vor, ist im Tunnel und wird jetzt herausgerissen." Die WM ist verschoben, voraussichtlich auf Ende Juli. Ihr "Coach", mit dem sie in den letzten Wochen in Koblenz geübt hat, ist zu diesem Termin nicht verfügbar. In aller Eile sucht die Konditorin daher nun mit ihren Chefs Carola Bahnsen und Arnd Fischer nach einer Alternative.

Natürlich ist die Florstädterin ein Ass in ihrem Beruf. Doch die Fertigkeiten, die sie jeden Tag in der Gießener Plockstraße anwendet, reichen nicht aus für den internationalen Wettbewerb. Dafür hat der Konditorenbund sie auserkoren; keineswegs wird jeder Bundessieger dorthin geschickt. Neben handwerklichem Geschick ist auch der Umgang mit Medien sowie Nervenstärke gefragt.

Die geforderten Kreationen (Details im Kasten) immer wieder zubereiten, schneller und sicherer werden, Details nachbessern - so sieht das Training aus. Dafür sollte Lisa Kreckel von ihren Chefs zehn Wochen lang freigestellt sein. Der neue Zeitplan steht noch nicht.

Die Förderung des Nachwuchses sei selbstverständlich, sagt Arnd Fischer, der schon eine ganze Reihe von Landessiegerinnen ausgebildet hat. Solche Erfolge dienten auch dem Renommee des Unternehmens. Etliche Kunden fragten nach speziellen Produkten der Bundessiegerin, etwa einer Torte oder Pralinen. "Es wird bald etwas geben."

Im Café Geißner landete die junge Frau aus Weilmünster über Umwege. Schon in ihrer Kindheit half sie ihrer Oma gern beim Backen. Den Wunschberuf Konditorin ließ sich die Abiturientin bei der Agentur für Arbeit erst einmal ausreden: "Die haben mir geraten, lieber zu studieren." Aus heutiger Sicht findet sie das "superschade". Zum Diätassistenz-Studium kam sie nach Gießen - und suchte sich nach zwei Jahren einen Ausbildungsbetrieb.

Bis heute höre sie mitunter abwertende Bemerkungen über ihre Berufswahl, erzählt die 24-Jährige. "Das geht schon in der Schule los", weiß Carola Bahnsen. "Die Lehrer sagen: Wie, du willst Abitur machen und dann nur Konditorin werden?" Unter den sieben aktuellen Azubis in ihrem Betrieb haben alle Abitur. Einige haben studiert, "bis sie ihre Leidenschaft entdeckt haben".

Der opfert Lisa Kreckel derzeit fast ihre gesamte Zeit und Energie. Hobbys wie Tanzen und Sport liegen brach. Ihre knappe Freizeit widmet sie ihrem Verlobten und ihrer Familie. Schon ein langer Waldspaziergang mit den Hunden ist momentan Luxus.

Die Konkurrenz ist neugierig

Schon die Erfahrung beim Wettbewerb betrachtet die Konditorin als "Mega-Chance". Und die Konkurrenz nimmt die Vertreterin aus Deutschland ernst. Auf Instagram verzeichnet das Café Geißner in letzter Zeit jedenfalls auffällig viele Leser aus Asien. Details der Vorbereitungen werden daher verschwiegen. Deutlich wird: Der ganze Betrieb und viele Kunden fiebern mit.

Info: Die Konditoren-WM

Jeder der acht Teilnehmer der Weltmeisterschaft der Jungkonditoren in Taipeh wird zwei Tage lang in einer verglasten Backstube arbeiten, beobachtet von Juroren und Kameras. Ganz allein und "minutengenau getaktet" muss Lisa Kreckel ein 1,50 Meter hohes Schaustück aus Zucker - gefärbt, gegossen, gezogen, geblasen - herstellen, dazu zwei Torten mit Schokoladen-Aufsatz, vier Sorten Pralinen und fünf Dessertteller. Diese müssen eine besondere Zutat enthalten, die erst am Tag zuvor bekanntgegeben wird; bei der letzten WM war es Bier.

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