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Im Hintergrund der Stein zum Gedenken an die Vertreibung 1945/46. Die Wegweiser zeigen zu Orten im Sudetenland, die die Vertriebenen verlassen mussten.

Linnes, das Eisenbahnerdorf

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Gießen-Kleinlinden (pm). Gießen ist mehr als die Kernstadt - in den Stadtteilen gibt es ebenfalls eine Menge zu entdecken. In einer lockeren Reihe nimmt die Gießen Marketing GmbH die Stadtteile in Augenschein. Im dritten Beitrag geht es um Kleinlinden.

Kleinlinden oder Linnes, wie die Einheimischen sagen, gehört landschaftlich zum nordöstlichsten Teil des Hüttenberger Landes und ist von der Lahnaue im Norden und der eiszeitlichen Lahnterrasse im Süden geprägt, was man eindrücklich merkt, wenn man mit dem Fahrrad die Frankfurter Straße Richtung Waldweide hochfährt. Der Stadtteil grenzt an die Kernstadt sowie an die Gemarkungen von Großen-Linden, Lützellinden, Allendorf und Heuchelheim.

Die Ersterwähnung des Dorfes geht auf 1269 zurück. In 2019 feierte Kleinlinden daher 750-jähriges Bestehen und veröffentlichte seine Geschichte und Geschichten in einer rund 400 Seiten starken Chronik. Die Ortsgeschichte wird von der Arbeitsgruppe Orts- und Vereinsarchiv Kleinlinden und dem Kulturkreis Kleinlinden aufbereitet. Der Kulturkreis war auch Herausgeber des Dorfblättchens »Linneser Backschiesser«, das rund 30 Jahre lang den Stadtteil mit Beiträgen zur Dorfgeschichte und dem aktuellen Geschehen in Kleinlinden versorgte. Eingemeindet in die Stadt Gießen wurde Kleinlinden, wie Wieseck auch, am 1. April 1939.

Eine weitere typische Bezeichnung für Kleinlinden ist »Eisenbahnerdorf«. Durch den Ausbau mehrerer Bahntrassen in Ortsnähe wurden Mitte des 19.Jahrhunderts zahlreiche Arbeiter gebraucht. Diese fanden vor allem in Kleinlinden eine neue Heimat, was einen deutlichen Bevölkerungszuwachs für das kleine Dorf bedeutete. Auch viele Sudetendeutsche siedelten nach dem Zweiten Weltkrieg in Kleinlinden an. Heute ist Linnes mit etwa 5000 Einwohnern der zweitgrößte Stadtteil.

Kirche, Streitkopf, Wäldchen

Drei Dinge, die man in Kleinlinden gesehen haben sollte:

Evangelische Kirche: Das Kulturdenkmal ist eine einschiffige neuromanische Saalkirche mit Satteldach aus dem 19.Jahrhundert. Sie steht im alten Ortskern zwischen Frankfurter und Wetzlarer Straße und feierte ihre Einweihung am Reformationssonntag im Jahr 1866.

Streitkopf: Der Bildstein aus Basalt mit herausgearbeitetem Kopf und Hals aus der alten Linneser Kirche, die sich von 1613 bis 1862 an der Wetzlarer Straße befand, steht seit 2003 an der Straßenkreuzung Katzenbach/Zum Maiplatz vor dem heutigen, 1866 eingeweihten Gotteshaus. Vermutlich stammt der etwa 1000 Jahre alte Kopf ursprünglich aus der Kirche der ausgegangenen Siedlung Selters bei Gießen, die 1530 abgerissen wurde und in der Gegend zwischen heutiger Eisenbahn, Frankfurter Straße und Friedrichstraße stand. Selters musste aufgegeben werden, als die Festung Gießen unter Landgraf Philipp ausgebaut wurde. Kleinlinden und Gießen gerieten dadurch in einen etwa 300 Jahre währenden Streit um die Weiderechte im ehemaligen Siedlungsgebiet von Selters. Erst 1840 konnte der Streit beigelegt werden.

Erinnerungswäldchen: Das Wäldchen oberhalb des Hellbergs ist ein beliebter Ort der Spaziergänger. Mittlerweile befinden sich dort über 50 Bäume, die von den Linnesern zu besonderen Anlässen wie Geburten und Hochzeiten angepflanzt wurden. Verantwortlich zeichnet dafür der außergewöhnliche Verein »Bürger der südlichen Vororte«, der in Kleinlinden auch scherzhaft »Bäumchensetzverein« genannt wird. Das Erinnerungswäldchen liegt auf Allendorfer Gebiet.

Wanderung und Ausflugstipp

Da die Gemarkungsgrenzen relativ eng gesteckt sind, dehnen die Linneser ihre Spaziergänge gerne auf die Nachbargemarkungen aus. Beliebt ist auch das Naturschutzgebiet Bergwerkswald, das zu Gießen und zur Stadt Linden gehört. Das kleinräumige, vom Eisen- und Manganabbau geprägte Naturschutzgebiet verfügt über eine vielfältige, in der Region einmalige, Biotopstruktur. Einen kleinen Eindruck von Kleinlinden vermittelt auch ein Digiwalk, der von Schülern der Brüder-Grimm-Schule entwickelt wurde. Anhören kann man das unter: digiwalk.de/walks/kleinlinden-historisch-entdecken. Im Sommer lohnt sich auch ein Ausflug zum Freibad Kleinlinden.

Im stark von Autobahnbrücken und Eisenbahntrassen geprägten Kleinlinden findet man eine ungewöhnlich hohe Zahl an Street Art. Sogar die Jubiläumschronik widmet sich dem Thema. Vor allem die Gießener Street-Art-Künstler »3Steps« sind mit zahlreichen Arbeiten vertreten.

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