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Da geht es lang: Die Fahne weist den Weg zur Blutbank am UKGM.

Liegend Leben retten

  • VonKim Luisa Engel
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Haben Sie einen Termin gemacht?«, fragt der Mitarbeiter der Blutbank am Uniklinikum Gießen (UKGM) freundlich. »Jawohl«, antworte ich. Prompt reicht er mir einen Fragebogen zu Covid-19, den ich am Eingang ausfüllen muss. Danach darf ich den Warteraum betreten, der bereits gut gefüllt ist.

Eine Frau mit Verband am Arm sitzt an einem Tisch und genehmigt sich eine Cola. Sie hat es schon hinter sich, denke ich. Vorwiegend junge Leuten füllen im Raum verteilt den Spenderbogen aus. Immer wieder höre ich ein »rumms« aus dem Getränkeautomaten, an dem sich ein Spender gerade eine zuckerhaltige Erfrischungen zieht.

Ich setze mich ebenfalls hin, fülle den Bogen aus: Name, Adresse. Beruf plus insgesamt 45 Fragen zu meiner Gesundheit - Ordnung muss sein. Nachdem ich die Blätter bei der Anmeldung abgegeben habe, warte ich auf die Messung des Eisenwerts und auf mein Arztgespräch. Herr Schmidt wird aufgerufen, zwei Männer stehen auf und schauen sich verwirrt an. Innerlich muss ich schmunzeln, ein Klassiker.

»Frau Engel«, ruft es aus dem Nebenzimmer. Schon bin ich dran - mit dem Eisenwert entscheidet sich, ob ich überhaupt zur Blutspende zugelassen werde. »13,3« verkündet der junge Mann. »Das ist sehr gut. Frauen brauchen mindestens 12,5.«

Und auch nach dem Arztgespräch ist klar: Ich darf spenden. Anfang Juli hatte das UKGM auf Instagram gepostet, dass nach einer Massivblutung im Rahmen einer Operation Konserven der Blutgruppe 0+ knapp seien - ich fühlte mich zum Spenden berufen.

»Rechts oder links?«, fragt mich der Student im Spendesaal. »Ich bin Rechtshänder«, antworte ich reflexartig. »Gut, dann sind dort die Venen stärker«, sagt er. Es wird ernst, ich nehme auf der Liege Platz und strecke den rechten Arm aus. Nach einer kurzen Blutdruck-Kontrolle legt eine Schwester die Kanüle, gleichmäßig fließt das Blut in den angehängten Beutel.

Nach etwa zehn Minuten bin ich fertig und darf mich noch ein bisschen in der Liege ausruhen. Eine Cola und einen Müsliriegel später bin ich schon wieder auf dem Heimweg. Zwar mit 500 Milliliter weniger Blut in den Adern - aber einem guten Gefühl im ganzen Körper, das viel länger anhalten wird, als die Blutspende gedauert hat. (keh)

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