Davon träumen derzeit viele Menschen: Urlaub im Liegestuhl am Strand. Trotz Corona ist Verreisen möglich. 		FOTOS: DPA/SCHEPP
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Davon träumen derzeit viele Menschen: Urlaub im Liegestuhl am Strand. Trotz Corona ist Verreisen möglich. FOTOS: DPA/SCHEPP

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In der Liege durch den Lockdown

  • Jens Riedel
    VonJens Riedel
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Die Corona-Pandemie hat den Tourismus weltweit nahezu zum Erliegen gebracht. Trotzdem ist Reisen nicht generell verboten. Wir haben Niklas Göbel vom Reise- büro Flugbörse in Gießen gefragt, welche Urlaubs-optionen es trotz Lockdown aktuell gibt.

Schmuddelwetter, kaum Freizeitmöglicheiten, keine Schwimmbäder, kein Vereinssport, keine Fitnessstudios: In der Corona-Pandemie macht sich im Alltag zuweilen Eintönigkeit breit. Die Sehnsucht nach Urlaub und Reisen ist deshalb groß. Doch was ist in der aktuellen Lage überhaupt möglich? Welche Urlaubsziele lassen sich noch bereisen, und was gilt es dabei zu beachten? Niklas Göbel, Juniorchef im Reisebüro Flugbörse in Gießen, klärt darüber auf.

Welche Ziele kann man aktuell buchen, wenn man trotz Corona in den nächsten Wochen - also kurzfristig - verreisen will?

Da sich die Lage sehr schnell und fast täglich ändert, also sehr dynamisch ist, lässt sich das schwer verlässlich beantworten. Ich habe in den letzten Wochen zum Beispiel Reisen auf die Kanaren, nach Kuba, auf die Malediven und nach Costa Rica verkauft. Für die Kanaren gibt es aktuell zwar wieder eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Das heißt aber nicht, dass man dorthin nicht reisen darf. Am besten ist es, sich tagesaktuell im Reisebüro beraten zu lassen und vielleicht zusätzlich auf die Website des Auswärtigen Amtes zu schauen.

Um das Einschleppen von gefährlichen Virusmutationen zu verhindern, will die Bundesregierung prüfen lassen, ob sich unnötige Reisen weiter eindämmen lassen, etwa durch Reduzierung von Flügen. Was sagen Sie dazu?

Bisher ist da noch nichts konkret beschlossen worden. Da muss man erst mal abwarten, ob und wie das umsetzbar ist.

Innerhalb Deutschlands sind derzeit keine touristischen Reisen möglich, ist das richtig?

Ja, das stimmt. Die touristische Beherbergung in Deutschland ist bis 14. Februar nicht erlaubt. Man kann nur geschäftlich verreisen. Das Beherbergungsverbot trifft jetzt im Winter vor allem die deutschen Wintersportregionen und Skigebiete, in den Alpen und auch im Mittelgebirge.

Welche Ziele empfehlen Sie Menschen, die jetzt trotz Corona gerne eine Reise machen wollen?

Da würde ich generell Inseln empfehlen, zum Beispiel im Mittelmeer Sardinien, Korsika oder die Balearen, außerdem die Kanaren, die Dominikanische Republik, Kuba, generell Karibik, Sri Lanka oder Malediven. Inseln sind meist nicht zu dicht besiedelt und können aufgrund ihrer Alleinlage gut kontrolliert werden, weil die Ein- und Ausreise nur per Schiff oder Flugzeug möglich ist. Zudem sind touristische Inseln mit ihren Hygienekonzepten gut auf Gäste vorbereitet.

Was gilt aktuell für Kreuzfahrten und Schiffsreisen?

Kreuzfahrten sind stark eingeschränkt, Landausflüge kaum möglich. Kreuzfahrten werden deshalb meist nur als blaue Reisen angeboten, das heißt ohne Landausflüge. Die Sicherheitsvorkehrungen und Hygieneauflagen sind groß, ein negativer Corona-Test ist vor Betreten des Schiffes Pflicht.

Wie ist derzeit die Situation in den Flugzeugen ?

Untersuchungen haben gezeigt, dass in Flugzeugen fast keine Ansteckungsgefahr besteht. Die Luft im Flugzeug wird ständig ausgetauscht und hat OP-Saal-Qualität. Viele Airlines besetzen zudem die Mittelplätze nicht mehr. Außerdem sind die meisten Flugzeuge ohnehin sehr spärlich besetzt. Die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske oder einer OP-Maske gilt auch im Flugzeug; Aktuelle Infos dazu gibt es auch auf der jeweiligen Homepage der Airline oder im Reisebüro.

Welche Voraussetzungen sind für kurzfristige Reisen nötig? Muss man bei der Ein- oder Rückreise in Quarantäne oder negative Corona-Tests vorlegen?

Auch das ist sehr unterschiedlich geregelt und hängt vom jeweiligen Land ab. Negative Corona-Tests werden oft gefordert, aber nicht in jedem Fall. Man muss derzeit für viele Länder 48 Stunden vor Abreise oder Abflug auf der Website des Auswärtigen Amtes ein Formular ausfüllen und darin Angaben machen, etwa zum eigenen Gesundheitszustand und zum Grund der Reise. Daraufhin bekommt man einen QR-Code, der bei der Einreise in das Urlaubsland vorzuzeigen ist. Deutsche Urlauber, die aus Risikogebieten kommen, müssen ihre Rückkehr nach Deutschland online anmelden.

Decken Reiserücktrittsversicherungen Corona-Fälle überhaupt ab?

Die meisten Veranstalter bieten für Neubuchungen eine kostenlose Stornofrist bis 14 Tage vor Anreise an. Dies bedeutet, Kunden können ohne Grund bis 14 Tage vor Reisebeginn kostenfrei stornieren oder umbuchen. Trotzdem ist eine Versicherung empfehlenswert, da es noch weitere Gründe gibt, eine Reise nicht antreten zu können.

Wird Urlaubern eine Rückkehr garantiert, wenn sich die Corona-Lage während des Urlaubs ändert und zum Beispiel Flüge gestrichen werden, weil Flughäfen gesperrt sind?

Es gibt einen Versicherungs-Corona-Schutz, der Kosten deckt, die während der Reise durch Corona entstehen, etwa wenn sich ein Aufenthalt unfreiwillig verlängert. Genaueres dazu erfährt man auf der Homepage der Versicherungen oder im Reisebüro.

Wie sieht die Situation bei Buchungen für den Sommer oder Herbst aus? Wie ist da die Nachfrage?

Unsere Stammkunden denken viel über Urlaub nach. Sie buchen auch vereinzelt schon wieder. Die Preise sind aufgrund der aktuell niedrigen Nachfrage moderat. Trotzdem ist das Buchungsverhalten noch relativ verhalten. Die Menschen sind verunsichert. Die Veranstalter reagieren darauf mit Flexangeboten und großzügigen, kurzfristigen Storno- und Reiserücktrittsangeboten.

Man kann also die Leute nur dazu ermutigen, wieder Urlaub zu buchen. Die Vorfreude auf den Urlaub bringt etwas Sonne in den tristen Alltag.

Die Website des Auswärtigen Amtes in Berlin ist eine wichtige Anlaufstelle, um sich über die Sicherheit eines Reiselandes zu informieren. Aktuell finden sich dort stets auch Hinweise in Bezug auf die jeweilige Corona-Lage, etwa welche Länder als Risikogebiete eingestuft werden. Info: www.auswaertiges-amt.de.

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