Kälte-Sorgen

Das Lied von Eis und Feuer

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Die Kälte ist auch eine besondere Herausforderung für die heimischen Feuerwehren. Nicht nur Eis im Schlauch erschwert die Arbeit.

Sven Henrich sitzt in seinem Büro in der Feuerwache an der Steinstraße. Während draußen eisiger Wind bläst, herrscht hier drinnen mollige Wärme. Doch wenn der Wachabteilungsleiter und seine Kollegen zu ihren eigentlichen Arbeitsplätzen ausrücken, war es das mit der Gemütlichkeit.

Brandschutzkleidung vereist und wird steif

"Wir haben zwar warme Brandschutzkleidung, aber bei solchen Temperaturen kann sie vereisen und steif werden", sagt Brandinspektor Henrich mit Blick auf die derzeitigen zweistelligen Minusgrade. Zudem verhindere auch die beste Schutzkleidung nicht, dass die Männer und Frauen nass würden. Bei solchen Temperaturen sei die Unterkühlung dann nicht weit. "Man ist auch schneller erschöpft. Daher muss das Personal häufiger ausgewechselt werden", sagt der Brandinspektor. Dabei ist der Mensch nicht die einzige Komponente, der die Kälte zu schaffen hat.

Löschwasser kann im Schlauch frieren

Wasser ist der Feind des Feuers. Daher ist es auch die größte Waffe der Feuerwehr. Aber diese Waffe wird stumpft, wenn das Thermometer sinkt. Schlimmstenfalls kann der Schlauchinhalt gefrieren, und dann war es das mit Löschen. Ein 72-jähriger Rostocker hat das gerade erst am eigenen Leib erfahren. Hilflos musste er mit ansehen, wie sein Haus niederbrannte. Die Feuerwehr war zwar rechtzeitig vor Ort, konnte aber wenig tun: Das Löschwasser fror immer wieder ein. In Gießen ist das so noch nicht passiert. Damit das so bleibt, achten die Einsatzkräfte stets darauf, dass das Wasser nie still steht. "Ein Abgang des Verteilers bleibt bei solchen Temperaturen immer offen. Auch die Hauptleitung wird nie ganz geschlossen."

Bloß kein Stillstand

Und trotzdem könne das Wasser auch dann noch gefrieren, sagt der Brandinspektor. Umso wichtiger sei es, dass ein Kollege die Schläuche und den Verteiler stets im Blick habe. "Wenn vorne erst mal kein Wasser mehr herauskommt, ist es schon zu spät." Doch nicht nur das Wasser müsse in Bewegung bleiben, sondern auch die Gerätschaften, sagt Henrich: "Ich habe gerade erst von Kollegen aus Nordrhein-Westfalen gehört, dass ihre Drehleiter durch Löschwasser eingefroren ist."

Rohrbrüche drohen

Wie schnell das Wasser gefrieren kann, haben Henrich und seine Kollegen erst am Montag wieder zu spüren bekommen. Bei einem Brand im Heinrich-Buff-Ring hatte sich das Wasser, das sich durch das Löschen auf dem Boden angesammelt hatte, blitzschnell in einen Eispanzer verwandelt. Nicht nur für die Einsatzkräfte höllisch gefährlich. Denn wen sie stürzen und sich verletzten, können sie den Notleidenden nicht mehr helfen. Die Fahrzeuge der Gießener Wehr sind daher mit Streumaterial ausgestattet.

Erst aufs Eis, wenn die Behörden Freigabe erteilen

Gleichzeitig müssen die Tanks stets gut gefüllt sein, da die Löschmittel bei starker Kälte nicht ihre volle Wirkung entfalten können. Grund: Der Schaum verteilt sich langsamer auf dem Brandgut und trennt es schlechter von der Sauerstoffzufuhr ab.

Durch die Kälte steigen aber nicht nur die Anforderung an Mensch und Material. Auch die Einsatzarten ändern sich. "Vor allem das Betreten von Eis ist sehr gefährlich", sagt der Brandinspektor. Das sei erst am Wochenende wieder deutlich geworden, als die Wehr am Schwanenteich den Ernstfall geprobt habe. "Das Eis war scheinbar tragfähig, an den Rändern ist man aber schnell eingebrochen." Sein Appell: Erst aufs Eis gehen, wenn die Behörden eine Freigabe erteilt haben.

Finger weg vom Bunsenbrenner

Die Kälte birgt also viele Herausforderungen. Trotzdem hat Henrich keine Bauchschmerzen. "Wir sind vorbereitet." Übrigens auch für die Zeit nach der Kälte. Denn dann werde die Wehr erfahrungsgemäß häufig wegen Rohrbrüchen gerufen. Erst wenn das in den Leitungen gefrorene Wasser taue, zeigten sich die Lecks im Material. "Und bloß nicht mit dem Bunsenbrenner nachhelfen", warnt Henrich. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Gießener Wehr aus diesem Grund zu einem Brand ausrücken müsste. (Foto: dpa)

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