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Komplett aus Holz

Liebig-Statue vor dem Museum aufgestellt

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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Justus Liebig war nicht nur als Chemiker ein echtes Schwergewicht. Auch sein hölzernes Ebenbild, das am Wochenende vom Park in Bad Salzhausen in den Innenhof des Liebig-Laboratoriums in Gießen gebracht wurde, forderte mit seinen knapp 300 Kilogramm Künstler Axel Wilisch und seinen Helfern einiges ab.

Aufrecht stehend, mit dicken Spanngurten auf einem Anhänger gesichert, fuhr an diesem Wochenende einer der berühmtesten Gießener durch die Stadt: Justus Liebig. Der Namensgeber der hiesigen Universität wurde als überlebensgroße hölzerne Skulptur zu seinem neuen Standort vor dem Laboratorium gebracht. Also jenem Ort, an dem der weltberühmte Chemiker im 19. Jahrhundert selbst viele Jahre geforscht und gelehrt hatte, und an dem in diesem Jahr das Liebig-Museum sein 100-jähriges Bestehen feiern kann.

Doch Corona hat die großangelegten Feierlichkeiten zum Jubiläum bekanntlich verhindert. Und auch der Transport der Skulptur vom Park in Bad Salzhausen nach Gießen hatte sich pandemie-bedingt um ein paar Tage verzögert.

Doch am Samstag konnte der Standortwechsel endlich vollzogen werden. Axel Wilisch, der die Figur aus einer zu Liebigs Lebzeiten in Bad Salzhausen gepflanzten Eiche geschnitzt hat, brachte das Kunstwerk, unterstützt von zwei Freunden - dem Künstler Stephan Guber und Lehrerkollege Frank Müller -, nach Gießen.

Exakt 275 Kilogramm zeigte die Waage an, als die 2,20 Meter hohe Skulptur vom Anhänger mittels Hubwagen und mit vereinten Muskelkräften von den drei Männern abgeladen wurde. "Das Holz hat im Laufe der Zeit an Feuchtigkeit verloren. Ich hatte mit mehr Gewicht gerechnet", staunte Wilisch nicht schlecht. Und freute sich dann doch wohl über jedes Kilo weniger, als der Koloss in Millimeterarbeit über eine Rampe zu seinem neuen Standort direkt vor dem Eingang des ehemaligen Hörsaals bugsiert werden musste.

Jubiläums-Leihgabe

"So etwas habe ich auch noch nicht erlebt", kommentierte Prof. Eduard Alter von der Liebig-Gesellschaft die Aktion. Man merkte dem Vorsitzenden deutlich an, wie glücklich er über den hölzernen Liebig am historisch bedeutenden Ort ist.

Der Niddaer Kunstpädagoge Axel Wilisch hat die Liebig-Figur aus einer der wohl um 1825 im Park von Bad Salzhausen gepflanzten Eichen geschaffen. Liebig selbst könnte die Pflanzaktion noch gesehen haben, denn er erforschte in dieser Zeit in Bad Salzhausen die dortige Sole und experimentierte mit Glaubersalz.

Mit Motorsäge und Stechbeitel hat Wilisch seinen imposanten Justus Liebig geschaffen, mit langem Mantel und Halstuch im Stil seiner Zeit gekleidet und dem berühmten Fünf-Kugel-Appararat in der linken Hand. Als Inspiration diente dem Bildhauer eine Büste des schon etwas älteren Justus Liebig von Elisabeth Ney. Prof. Alter hatte bei einem früheren Recherche-Besuch des Künstlers im Liebig-Museum die Anregung gegeben, doch auch unbedingt Liebigs Fünf-Kugel-Apparat zu zeigen. Wenn Axel Wilisch erzählt, wie mühsam es war, aus dem harten Holzstamm die Konturen des berühmten Chemikers herauszuschälen, kann man sich vorstellen, dass gerade diese filigrane Kugel-Konstruktion den Bildhauer vor ganz besondere Herausforderungen gestellt hat.

Knapp zwei Jahre lang stand die Liebig-Figur bereits im Park von Bad Salzhausen. Nun soll sie zumindest im Jubiläumsjahr des Liebig-Museums in dessen Innenhof bleiben. Dass sie sich dort bestens einfügt und ein gelungener Blickfang ist, waren sich am Wochenende alle einig.

Nun wäre es durchaus wünschenswert, dass der hölzerne Liebig die Gießener dazu anregen könnte, nach dem Vorbild aus Eiche eine Skulptur aus Metall anzufertigen. Schließlich ist der Chemiker Justus Liebig einer der berühmtesten Männer, die je in Gießen gewirkt haben. Doch in dieser von den Auswirkungen der Pandemie geprägten Zeiten dürfte es sich wohl ein wenig schwierig gestalten, Sponsoren zu finden. Schade.

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