Ein Modell des Liebig-Museums steht ab jetzt in der Bibliothek des Museums. Es zeigt das ehemalige Labor in dem Zustand, als Justus Liebig noch darin gearbeitet hat. FOTOS: SCHEPP/PM
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Ein Modell des Liebig-Museums steht ab jetzt in der Bibliothek des Museums. Es zeigt das ehemalige Labor in dem Zustand, als Justus Liebig noch darin gearbeitet hat. FOTOS: SCHEPP/PM

Im Museum zu sehen

Liebig-Labor von 1824 im Hobbykeller erstellt

Spachtelmasse, Quarzsand, Styrodur - aus diesen Materialien baut Swen Richert Geschichte nach. Ein Modell des Liebig-Museums, so wie das Labor von Justus Liebig benutzt wurde, steht ab jetzt im Liebig-Museum.

Eigentlich wollten sie dieses Jahr groß feiern, schließlich wird das Liebig-Museum 100 Jahre alt. Es war eine Jubiläums-Veranstaltung geplant, es gibt eine Festschrift. Die Feiern sind aber wegen der Corona-Pandemie aufgeschoben und das Museum weiterhin geschlossen. Trotzdem wurde jetzt ein besonderes Jubiläums-Schaustück im Museum aufgestellt: ein Modell davon, wie das Gebäude zur Zeit von Liebig aussah.

Keiner wollte Modell der Kirche

Der Erbauer des Modelles ist kein Unbekannter: Swen Richert. Er hat bereits das Modell der Stadtkirche gebaut, das zur Zeit im Oberhessischen Museum ausgestellt ist. "Eigentlich dachte ich, das sei mein letztes Modell", sagt der 49-Jährige, und man hört ihm an, dass er vom Vorgang rund um sein Kirchen-Modell immer noch enttäuscht ist. Es habe damals viele Probleme gegeben, jemanden zu finden, der es ausstellen wollte, erzählt er. Selbst Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz sei bei ihm zu Hause gewesen und habe es sich angesehen. Aber von allen habe er nur das Gleiche zu hören bekommen: "Ein Modell, Herr Richert, das ist doch nicht mehr zeitgemäß. So etwas macht man heute in 3D-Software am Computer", erinnert er sich.

Der Archivar Werner Schmidt konnte ihn aber davon überzeugen, noch einmal ein Modell zu bauen. Und die Motivation sei grundsätzlich auch immer noch da gewesen. Richert sagt von sich: "Ich habe einfach Leidenschaft für diese Stadt." Die drückt der Maler auch im Bauen aus.

Das mache er schon seit seiner Kindheit, sagt er. Angefangen habe er mit einfachen Bausätzen: "Versorgungs-LKWs waren mein Ding, an denen hatte ich Spaß." Irgendwann sei ihm das aber zu langweilig geworden und er habe mit Dioramen begonnen. Das sind kleine Schaukästen mit Modell-Landschaften und -figuren. Damit habe er auch einige Erfolge erzielen können. "Ich habe an sechs Wettbewerben teilgenommen und davon drei gewonnen", erzählt er.

Die Jahrzehnte an Erfahrung, insbesondere der Bau des Kirchen-Modells, haben ihm beim Bau des Museums geholfen. Trotzdem habe es mehr als 350 Stunden bis zur Fertigstellung gedauert, schätzt Richert. Corona kam ihm da zur Hilfe. "Eigentlich stand ich unter Zeitdruck. In nur drei Monaten sollte das Modell fertig sein", erzählt er. Aber durch die Absage der Jubiläums-Veranstaltung habe er Zeit gewonnen und konnte so noch an Details schleifen.

Wenn man die Arbeitsstunden nicht miteinbeziehe, habe das Modell gerade mal 100 Euro gekostet, schätzt er den Materialpreis. Er habe zum Großteil gewöhnliche Baumaterialien verwendet. "Ich arbeite auf Baustellen und konnte von dort die Kleinstmengen mitnehmen." Die Wände des Modells bestehen zum Beispiel aus Styrodur, das ist eigentlich ein Dämmstoff. Der Putz besteht aus Spachtelmasse und Quarz. Auch die Expertise seines Vaters habe ihm geholfen. "Der war Zahnarzt, und einige Techniken konnte ich mir dort abschauen", erklärt der Maler. So habe er Formen für die Gesimse erstellt und sie mit Zahnarztgips ausgegossen. Das habe sehr gut funktioniert.

Für den Bau habe er von Schmidt einen historischen Grundriss erhalten, den er dann im Maßstab 1:35 heruntergerechnet habe. Alle weitere Bauteile des Museum, wie die Fenster oder Giebel, habe er mit einem Laser vermessen - und wo das nicht ging, wie bei den Rundungen und Winkeln, auch mal geschätzt. Vor allem das "Gesicht", also die Front des Museums, sei wegen der vielen Säulen und dem Gesims besonders knifflig gewesen. Vom Ergebnis ist Richert aber überzeugt: "Das sieht aus wie das Original."

Pläne für das nächste Projekt

Es gebe auch schon die nächste Anfrage. Er erklärt: "Es gab ja mal richtige Schifffahrt auf der Lahn." Dazu werde es eine Ausstellung geben. Richert soll dafür ein Modell eines Lahn-Schiffes bauen. Er überlegt aber noch, ob er ein weiteres Projekt machen will. Schiffe seien normalerweise nicht seine Sache. Er sagt aber auch: "Die Pläne dafür habe ich schon hier liegen."

Das Liebig-Museum

Ursprünglich wurde das heutige Museum 1819 als Wachhaus für die angeschlossene Kaserne erbaut. 1824 richtete sich Justus Liebig das Gebäude als Labor ein. 1839 wurde es dann durch Anbauten auf seine heutige Größe erweitert. 1920 wurde das Labor zu einem Museum umfunktioniert, das 1944 durch eine Fliegerbombe zerstört. Die Reparaturen dauerten bis 1952.

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