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Liebig kehrt (demnächst) zurück

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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Um ein Haar wäre am Samstag der berühmte Chemiker Justus von Liebig wieder an seine frühere Wirkungsstätte zurückgekehrt - wenn auch nur in Form einer überlebensgroßen Holzskulptur. Doch das Corona-Virus hat auch diesen Plan vereitelt. Und so wird es noch eine Weile dauern, bis eine Statue vor dem Liebig-Laboratorium an Gießens berühmtesten Professor erinnert.

Liebig lebt!" lautet der Titel der Veranstaltungsreihe, mit der die Gießener Liebig-Gesellschaft in diesem Jahr an den 100. Geburtstag des Liebigmuseums erinnern wollte. Und was hätte da besser gepasst, als eine Skulptur als Abbild des berühmten Chemikers an seiner früheren Wirkungsstätte, im Hof vor dem Laboratorium, aufzustellen? Man hätte sich so leicht einen Eindruck vom Erscheinungsbild des Naturwissenschaftlers machen können, der von 1824 bis 1852 in Gießen forschte und unterrichtete. Und man hätte sich vorstellen können, wie der Chemiker seinerzeit aus seinem Hörsaal heraus ins Freie getreten sein muss. Doch die aktuelle Corona-Krise hat dies vorerst verhindert. Ein Ersatztermin ist noch nicht gefunden.

Geschaffen aus 200 Jahre alter Eiche

"Schade, ich hätte die Aktion gerne über die Bühne bekommen. Aber ich habe geahnt, dass sich das Zeitfenster schließt", bedauert Bildhauer Axel Wilisch. Er wollte, notfalls mit Atemschutzmasken ausgestattet, "seinen" Liebig vom Park in Nidda-Bad Salzhausen am Sonntagmorgen auf einen Hänger hieven und nach Gießen transportieren. Per Rampe sollte der 2,20 Meter große Chemiker dann an seinen Platz vor dem historischen Hörsaal bugsiert werden. Doch es kam anders.

Vorerst bleibt die Skulptur nun im Park in Bad Salzhausen, wo sie im Oktober 2018 aufgestellt wurde. Bei der Einweihung seinerzeit wurde mit Restholz eine zusätzliche Möglichkeit zum Experimentieren mit dem Material geschaffen. Ganz im Sinne des "experimentierfreudigen" Liebig.

Axel Wilisch hat die Figur aus einer der wohl um 1825 im Park gepflanzten Eichen herausgearbeitet. Der Baum war vom Pilz befallen, musste gefällt werden und der studierte Bildhauer und Pädagoge nutzte das Material für seine Kunst.

Die Idee hatte er, als sein Freund, der Künstler Stephan Gruber, an einer Luther-Figur arbeitete. "Ich fand es cool, sich an so eine Persönlichkeit heranzutasten", sagt Wilisch und stieß auf Justus Liebig. Im Zuge seiner Recherchen besuchte er auch mehrmals das Liebig-Laboratorium in Gießen. Als Anregung diente ihm eine Darstellung des schon etwas älteren Justus Liebig. Die Gußform einer Büste von Elisabeth Ney fand sich auf einem Dachboden in Bad Salzhausen und diente Wilisch bei seiner Arbeit als Inspiration.

Mit langem Mantel, Halstuch, Weste und im Stil des frühen 19. Jahrhunderts gekleidet, hält seine figürlich-naturalistische, aber dennoch modern wirkende Liebig-Skulptur den berühmten Fünf-Kugel-Apparat in der linken Hand.

Sponsoren gesucht für Bronzeguss

"Ich habe zwei Jahre lang auf das passende Holz gewartet. Ich wusste, wie ich ihn machen wollte", erzählt der Künstler. Es dauerte vier Monate, bis aus dem Stamm die Skulptur entstanden war. Denn als der Stamm am Sägeplatz auf die gewünschte Größe zurechtgeschnitten worden war, zeigte sich, dass er wohl trockengefallen war. "Da komme ich nie rein!" habe er bei den ersten Schnitten gedacht, erinnert sich der Bildhauer. "Die ersten Schnitte waren brutal." Aber eine leichte Krümmung des Holzes und der asymmetrisch liegende Kern erwiesen sich wiederum als Vorteil, denn normalerweise reißt ein Vollstamm bei der Bearbeitung leicht.

Wilisch machte sich in den Sommer- und Herbstferien des heißen Jahres 2018 mit Kettensäge und Beitel ans Werk. "Ich habe früh morgens mit der Arbeit angefangen, war in meiner Schnittschutzhose bis um die Mittagszeit schweißgebadet!", erzählt er.

Nun hofft der Künstler, dass seine hölzerne Leihgabe an die Liebig-Gesellschaft, gedacht für die Dauer des Liebig-Jubiläumsjahres, vielleicht sogar dazu anregt, nach dem Vorbild einen metallenen Guss der Figur ("in Bronze wäre traumhaft") zu erschaffen - für die Stadt Gießen, die nach Justus Liebig benannte Universität oder eben das Liebig-Laboratorium. Hierfür wären aber Sponsoren von Nöten.

Und wenn eines Tages die hölzerne Liebig-Skulptur wieder die Heimreise nach Bad Salzhausen antreten würde, wäre das symbolträchtig. Schließlich pendelte Liebig etwa in jener Zeit, als die Eiche gepflanzt wurde, auch zwischen Gießen und Bad Salzhausen. "Das spiegelt das wider, was Liebig damals getan hat," meint der Künstler, der Kunst mit den Schwerpunkten Bildhauerei und Pädagogik studiert hat und als Kunstpädagoge in Nidda und Umgebung tätig ist. Vor rund 14 Jahren gründete er mit anderen den Verein "Kunst:Projekt", der für den Skulpturenpark in Nidda verantwortlich ist.

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