Bei Licht betrachtet

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Es leuchtet in dieser Welt. Überall strahlen die Weihnachtsbeleuchtungen gegen die Corona-Depression an. Auch auf unserer Terrasse steht ein kleines Dorf, beleuchtet von einer Lichterkette. Ein Weihnachtsdorf. Richtig anheimelnd.

Bei Tageslicht betrachtet sieht die Sache anders aus. Da erkennt man, dass alles aus einer alten Holzpalette herausgearbeitet ist. Mit großem Bohrer und Stichsäge. Eher grob als fein. Hinten stehen noch Späne ab. Und rostige Nägel sind zu sehen, die das raue Holz der Palette mühsam zusammenhalten.

Was für ein Unterschied. Je nachdem, in welchem Licht man die Palette sieht, entdeckt man die Fehler und Macken, die Vergänglichkeit. Oder man sieht, was alles drin steckt in diesem einfachen Holz. Welche Möglichkeiten. Wie schön und wunderbar es wirken kann.

Das weihnachtliche Licht lässt uns entdecken, welche neuen Perspektiven in den Dingen stecken. Häuser, Bäume und kahle Sträucher, die bei einsetzender Dunkelheit in weihnachtlicher Beleuchtung ihren Zauber entfalten. Wie gut tut es, unsere Welt so zu sehen.

An Weihnachten bringt Gott ein neues Licht in diese Welt. Sein barmherziges Licht, in dem vieles anders aussieht als sonst. Im Schein von Gottes Licht zeigt sich, dass auch in den Menschen viel mehr steckt, als sonst zu sehen ist.

Raue Kerle wie die Hirten wollen die Ersten sein, die Gottes Sohn begrüßen. Vornehme Könige sind sich nicht zu schade, in einem Stall niederzuknien.

Geiz-ist-geil-geprägte Zeitgenossen geben Geld aus, weil sie anderen eine Freude machen wollen. Stressgeplagte Menschen beklagen sich, dass sie dieses Jahr so wenig Besuche machen dürfen. Junge machen sich Gedanken um die Alten und Alte um die Jungen.

Ja, im Weihnachtslicht betrachtet lassen auch die Menschen erkennen, was alles in ihnen steckt. Welche neuen Perspektiven. Das sind weihnachtliche Aussichten für die ganze Welt.

Pfarrer Andreas Specht, Stellv. Dekan

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