In der Grünberger Straße hängen sie noch, die Seilhängeleuchten. Aber auch diese Lampen werden mit der Zeit aus dem Stadtbild verschwinden. FOTO: SCHEPP
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In der Grünberger Straße hängen sie noch, die Seilhängeleuchten. Aber auch diese Lampen werden mit der Zeit aus dem Stadtbild verschwinden. FOTO: SCHEPP

Straßenbild

Letzte Leuchten ihrer Art in Gießen verschwinden

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Die Zeiten von "Pilz", "Chinesenhut" und Co. sind in Gießen vorbei. Die letzten Seilhängeleuchten in der Stadt werden gerade abmontiert.

Ein Kabelgeflecht ist derzeit über einige Straßen rund um die Liebigstraße gespannt. Noch. Denn Ende der Woche soll auch dieses Überbleibsel aus vergangenen Zeiten verschwunden sein. Die Stahlseile haben bis zuletzt Straßenlampen gehalten, deren Leuchtstoffröhren Fußgängern, Radlern und Autofahrern den Weg wiesen. Die Umrüstung auf LED haben die Stadtwerke zum Anlass genommen, die in die Jahre gekommenen Seilhängeleuchten gegen Stahlmasten auszutauschen. Damit verschwindet diese Beleuchtungsart fast vollständig aus dem Stadtbild.

Es ist noch gar nicht allzu lang her, da hing über den Straßen Gießens eine leuchtende Vielfalt. Rund 25 verschiedene Lampentypen sorgten 2004 für Helligkeit bei Nacht. Die ältesten von ihnen waren schon damals rund 40 Jahre alt, zum Beispiel der "Chinesenhut" im Heegstrauchweg, den die Kölner Spezialfabrik Vulkan in den 50er Jahren entwickelt hatte.

Die nun abmontierten Seilhängeleuchten haben in vielen Städten die Straßen beleuchtet. Aus gutem Grund, wie Stadtsprecherin Claudia Boje betont. "Aus beleuchtungstechnischer Sicht ist die Seilüberspannung eigentlich eine gute Lösung. Bei breiten Straßen ist es möglich, die Leuchte direkt über der Mittelachse zu platzieren." Zudem müssten keine Tiefbauarbeiten vorgenommen werden, es reiche, Haken an den Hauswänden zu montieren. Gleichzeitig bergen die Seilhängeleuchten auch Nachteile, sagt Boje: "Die Befestigung muss in aller Regel an Privatgebäuden stattfinden." Dementsprechend müssten Arbeiter zur Prüfung der Anlage und der Abspannvorrichtungen Privatgrundstücke betreten und an Privateigentum arbeiten. Ein Umstand, der dem ein oder anderen Hauseigentümer sicher nicht gefallen hat.

In der Vergangenheit hat die Stadt in etlichen Straßen die Beleuchtung auf die effiziente LED-Technik umrüsten lassen. In diesem Zuge ist die Vielzahl an Laternenformen deutlich zurückgegangen. In Sachen Funktionalität hingegen ist das Spektrum breiter geworden, sagt Boje.

Insgesamt 9000 Lampen in Gießen

"Früher gab es viele verschiedene Bauformen der Leuchten-Gehäuse. Umgangssprachlich etwa ›Koffer‹, ›Pilz‹ oder ›Chinesenhut‹ genannt. Bei den Leuchtmitteln im Inneren gab es aber im Prinzip nur eine Handvoll Varianten: 50, 75 und 125 Watt." Die heutigen LED-Leuchten würden zwar äußerlich oft identisch aussehen, dafür seien sie in unzähligen Leistungsstufen und Lichtverteilungs-Charakteristiken erhältlich. Dank dieser Auswahl sei es möglich, für jede Anforderung die passende Leuchte zusammenzustellen. "Bezieht man all diese Konfigurationsmöglichkeiten mit ein", sagt Boje, "ist die Vielfalt also eher größer geworden".

Rund 9000 Leuchtpunkte, also Straßenlampen, gibt es im Stadtgebiet. Die Anschaffungskosten hängen von der Leistung und der abgenommenen Stückzahl ab. "Eine sogenannte technische Leuchte, die nur dem Zwecke der Licht- erzeugung dient und keinen dekorativen Anspruch hat, ist ab circa 200 Euro für eine niedrige Beleuchtungsaufgabe, also Fußweg oder Anwohnerstraße, zu haben", erklärt Boje. Dekorative Lampen, die das Stadtbild auch bei Tage bereichern sollen, seien deutlich teurer.

Und davon gibt es einige in der Stadt. Wer mit erhobenem Kopf durch die Innenstadt läuft, sieht in der Neuen Bäue klassische Laternen, am Marktplatz und der Neustadt moderne Röhren, rund um den Seltersweg fast futuristisch anmutende Pfosten und im Neuenweg Glaskugeln, die für Licht sorgen. Wer die Seilhängeleuchten rund um die Liebigstraße nie bemerkt hat, kann übrigens einen Abstecher zum Dach-Café machen. Dort hängen noch neun dieser Exemplare. Aber auch deren Ende ist absehbar: Wenn der untere Abschnitt der Grünberger Straße saniert wird, sollen die Hängeleuchten klassischen Pfosten weichen.

Der Abbau der Seilhänge-Vorrichtungen ist mit Einschränkungen verbunden. Am Donnerstag und am Freitag, 24. und 25. September, werden zwischen 7 und 17 Uhr Straßen und Gehwege zeitweise für Autos, Fahrräder und Fußgänger gesperrt. Außerdem gilt ein temporäres Halteverbot. Denn laut SWG könne nicht ausgeschlossen werden, dass bei der Demontage Bauteile oder Stahlseile herunterfallen.

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