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Dietrich Faber mit Geigerin Tess Wiley von »The Overhesse« an seiner Seite.

Leseshow zum Ruhestand

  • VonConstantin Hoppe
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Dietrich Faber schreibt keine neuen Bücher mehr, in denen der Vogelsberger Kommissar Henning Bröhmann ermittelt. Es ist Zeit, Abschied von der Reihe zu nehmen - und das mit einer Leseshow, bei der auch Kultfigur Manni Kreutzer nicht fehlen darf.

Der Tod ist ein Hesse - das wissen Leser von Dietrich Fabers Bestseller-Krimikomödienreihe um den Vogelsberger Kommissar Henning Bröhmann schon seit dem ersten Roman der Reihe aus dem Jahr 2011. Doch längst nicht nur die Kriminalfälle stehen im Vordergrund der Romane: »Böse Zungen behaupten, es gäbe diese gar nicht«, wie Dietrich Faber hier einwirft. Es geht Autor, Kabarettist und Musiker Faber auch immer um die alltäglichen Kämpfe des Lebens seiner Romanfiguren. Dazu gehören die Konflikte innerhalb von Bröhmanns Familie, aber auch Scherereien mit dem Kindergarten und der Schule und nicht zuletzt auch mit Manni Kreutzer.

2019 erschien mit dem sechsten Roman »Sorge dich nicht, stirb!« der Abschied von Kommissar Bröhmann. Mit »Bröhmann - Die Zugabe!« nahm Faber am Freitag nun auch in der Kongresshalle Abschied von der Reihe, aber ließ sein Publikum noch einmal eintauchen in die Welt voller kurioser Ereignisse und schräger Figuren, die gleichzeitig jedoch alle wie aus dem Leben gegriffen sind.

Wie jede Show Fabers hielt auch dieser Abend die ihm eigene Rezeptur von Zutaten bereit: Eine irrwitzige und köstliche Tour quer durch die Fallstricke des täglichen Lebens des Kommissar Bröhmann, kombiniert mit Fabers Fähigkeit, sich jedem hessischen Zungenschlag anzupassen, seiner Fabulierlust und Mimik. Und Lacher kamen nicht zu kurz.

In atemberaubender Geschwindigkeit wechselt Faber Rollen und Stimmen, erzählt, liest, spielt und singt und entführt die Besucher so zu einem Spiel der F-Jugendfußballmannschaft von Bröhmanns Sohn Laurin - inklusive Jugendtrainer und Fritz Walter-Fan Bruno H. - oder in den Vogelsberger Wald, in dem Bröhmann sich unvermittelt mit anderen Kindergarten-Vätern zum Holzschlagen wiederfindet. Und selbstverständlich durften auch die Abstecher zum frauen- und alufoliefreien Grillsportverein in Rainrod und zum Tanzkurs bei Günni aus Ober-Hörgern nicht fehlen. Dabei legte Faber besonderen Wert auf die Nebenschauplätze und skurrilen Begegnungen abseits der Krimi-Handlung - denn diese will er natürlich nicht verraten.

Mit Willy auf den »Highway to Hell«

Und einer darf natürlich bei keiner Lesung Fabers fehlen: »Fluschig, wuschig, weich« - das ist Fabers Alias Manni Kreutzer, den mittlerweile nicht nur Bröhmann-Fans kennenlernen durften: Manni Kreutzer, der wohl beste Polizeipraktikant, den der Vogelsberg wohl je gesehen hat, selbsterklärter Countrystar, begabter Dichter, Experte oberhessischer Mundart und der »zwölfte Mann im Elferrat«. »Manni Kreutzer habe ich zum ersten Mal im zweiten Roman ›Der Tod macht Schule‹ vorkommen lassen und eigentlich sollte es auch bei diesem einen Mal bleiben«, erzählt Dietrich Faber. »Als ich dann am dritten Roman saß und überlegte, welche Person vorkommen sollte, kam ich auf Manni und dachte: Nein, seine Geschichte ist fertig erzählt. Doch dann machte es ›Plopp‹ und Manni saß mir gegenüber: ›Was hast du da gerade gesagt?‹.« Und mittlerweile ist Manni Kreutzer auch vielerorts außerhalb der Bröhmann- Romane anzutreffen und hat mit seinen oberhessischen Countryliedern wie »Lonesome Wolf« und »Ein Cowboy kennt kein’ Schmerz« bereits viele Fans gefunden. Am Freitag sorgte Kreutzer mit schräger Komik und gemeinsam mit seiner Band »The Overhesse«, an diesem Abend bestehend aus Tess Wiley (Gesang, Gitarre, Geige, Klavier) und Tim Potzas (Pedal-Steel, Dobro, Gitarre), für reichlich musikalische Abwechslung.

Und auch wenn sich Kommissar Henning Bröhmann nun in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet hat, kann man schon jetzt auf das nächste Projekt Dietrich Fabers gespannt sein - vielleicht wird das ja auch (der ebenfalls aus den Bröhmann-Krimis stammende) Alleinunterhalter Orgel-Willy, der die Besucher in der Kongresshalle zum Abschluss des Programms mit seiner Heimorgel auf den »Highway to Hell« schickte.

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