Nicht jedes Kind hat zu Hause einen Rechner sowie Platz und Unterstützung beim Lernen. Bald will die Stadt bis zu 2000 iPads sowie Räume für den Fall weiterer Schulschließungen zur Verfügung stellen. FOTO: SCHEPP
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Nicht jedes Kind hat zu Hause einen Rechner sowie Platz und Unterstützung beim Lernen. Bald will die Stadt bis zu 2000 iPads sowie Räume für den Fall weiterer Schulschließungen zur Verfügung stellen. FOTO: SCHEPP

Lernräume in Jugendzentren

  • Karen Werner
    vonKaren Werner
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Dass die Schulen wegen der Corona-Pandemie wochenlang geschlossen waren, hat Kinder aus benachteiligten Familien förmlich "abgehängt". Das räumt die Stadt offen ein und will diese Schüler stärker unterstützen. Dabei geht sie weit hinaus über das Verteilen von Tablets.

Wir alle hoffen, dass nach den Sommerferien wieder normaler Unterricht stattfinden kann", betont Stadträtin Astrid Eibelshäuser. Doch ausschließen könne niemand, dass eine zweite Corona-Welle oder andere Umstände erneut flächendeckende oder punktuelle Schließungen von Schulen erzwingen könnten. Darauf bereite sich die Stadt mit Hochdruck vor. Sie habe dabei vor allem benachteiligte Kinder und Jugendliche im Blick.

Von einem Tag auf den anderen mussten ab Mitte März alle Kinder zu Hause lernen, oft Seite an Seite mit den Eltern im "Homeoffice". Manche Familien haben kein schnelles WLan, andere zu wenige Rechner. Auf solche Probleme seien etliche Schulen zwar eingegangen, beispielsweise indem sie Arbeitsaufträge auf Papier versandten, betonte Eibelshäuser bei einem Pressegespräch. Dennoch "waren gerade Kinder und Jugendliche aus bildungsbenachteiligten Familien schnell abgehängt".

Daher treibe die Stadt die Digitalisierung der Schulen und Schüler nun noch schneller voran und kombiniere dabei drei Bausteine. Einer davon ist die Ausstattung von Jugendzentren mit Laptops und Tablets. An acht Standorten sollen so bei Bedarf kurzfristig Lernräume für kleine Gruppen geschaffen werden, pädagogische Begleitung inklusive. Dieses vormittägliche Angebot solle den Kernbetrieb nicht beeinträchtigen, versichern Eibelshäuser und Uta Hinkelbein, Leiterin des Schulverwaltungsamts. Kein Raum wird dauerhaft blockiert, die Geräte kann man leicht wegräumen.

In Zusammenarbeit mit den jeweiligen Jugendhilfeträgern werden folgende Einrichtungen bis August entsprechend ausgestattet: Wilhelm-Liebknecht-Haus, Holzpalast, JuTS4 Spenerweg, Jugendhaus Wieseck, Nordstadtzentrum/Holzwurm sowie Gemeinwesenarbeit Walltorstraße, Margaretenhütte und Eulenkopf.

Zweiter Baustein: Auch die Stadt Gießen will das Bund-Land-Sofortprogramm "Mobile Endgeräte für sozial benachteiligte Schüler*innen" zügig nutzen. Sie setzt dabei auf Apple-iPads. Sie seien aus technischen, pädagogischen und Datenschutzgründen besonders geeignet, erläutert Volker Schwenzfeier, Koordinator für IT an Schulen. 1009 dieser Tablets - so viele, wie in Zeiten des bundesweiten Ansturms zu haben sind - würden bestellt. Wegen der Mehrwertsteuersenkung warte die Stadt mit der Vergabe einige Tage bis 1. Juli. Etwa 1000 weitere Kleincomputer sollen folgen.

Insgesamt können also bis zu 2000 Geräte verliehen werden. An wen, wählen die Schulen aus. Ausschlaggebend ist der Bedarf, der Wohnort darf auch außerhalb der Stadt liegen. Nach einer Vorab-Rundfrage zeigt sich Hinkelbein optimistisch, dass das Kontingent reichen wird. Insgesamt besuchen 17 000 Kinder und Jugendliche Gießener Schulen.

Knapp 978 000 Euro fließen von Bund und Land für die Anschaffung der iPads nach Gießen. Auf die Stadt kämen aber erhebliche laufende Kosten zu, unterstreicht Eibelshäuser. Derzeit kümmern sich vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um die digitale Technik in Schulen - langfristig würden elf gebraucht.

Wlan jetzt in jedem dritten Schulraum

Das liegt auch am dritten Baustein, von dem alle Schüler und Lehrer profitieren sollen: Eine allgemeine technische Aufrüstung unter anderem mit dem Ausbau der Netzwerkstruktur, dem Schulserver iServ oder interaktiven Bildschirmen. Seit einem halben Jahr beschleunigen der Digitalpakt des Bundes sowie das Landesprogramm "Digitale Schule Hessen" die Umsetzung des städtischen "Medienentwicklungsplans" von 2018.

In den letzten Monaten sei der Anteil der Schulräume, die über WLan verfügen, von etwa 20 auf 37 Prozent gestiegen, berichtet Schwenzfeier. Ziel sind 100 Prozent.

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