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Links an der Wand des Klassenraums der Liebigschule steht einer der 20 Trox-Virensauger.

Leise Virensauger

  • Burkhard Möller
    VonBurkhard Möller
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Gießen (mö). Trox ist auch so ein Gewinner der Corona-Pandemie. Erst im vergangenen Herbst hatte das Unternehmen für Raumlufttechnik aus Neukirchen-Vlyn ein neues Gerät zur Luftreinigung auf dem Markt gebracht und kann sich in der Corona-Pandemie seitdem vor Aufträgen kaum retten. Da das Hochbauamt der Stadt Gießen Ende vergangenen Jahres schnell reagiert hat, brummt am Freitag einer der zwei Meter hohen Virensauger in einem Klassenraum im zweiten Stock der Liebigschule leise vor sich hin.

Zu 99,995 Prozent befreit das Gerät des Weltmarktführers vom Niederrhein pro Stunde 1600 Kubikmeter Luft von Viren. Die 300 Kubikmeter Luft eines 100 Quadratmeter großen Klassenraums werden also etwa fünfmal pro Stunde erneuert. »Und es ist sehr leise«, sagt Lio-Leiter Dirk Hölscher.

112 der mobilen Luftreiniger hat die Stadt Gießen für ihre Schulen und Kindertagesstätten angeschafft, um auch in der Corona-Zeit Präsenzunterricht und -betreuung möglichst sicher zu gewährleisten. 20 gingen an die Lio, weil das Lüften der Klassenräume, die zur lauten Ludwigstraße hin liegen, nur eingeschränkt möglich ist. »Die Geräte geben ein gutes Gefühl«, sagt der Schulleiter.

In sechs Gießener Schulen, die auch an viel befahrenen Straßen liegen, und elf Kitas, wo vor allem die Schlafräume bestückt wurden, stehen die begehrten Trox-Raumlüfter. 650 000 Euro von den insgesamt 1,4 Millionen Euro, die Gießen aus einem Landesprogramm zum Infektionsschutz für Schulen und Kitas im Dezember erhalten hat (die GAZ berichtete), sind für die Raumlüfter ausgegeben worden. »Wir waren mit der Bestellung früh dran und fanden mit Kretz+Wahl aus Fernwald ein heimisches Fachunternehmen, das uns bei der Einrichtung unterstützt hat«, erklärt Hochbauamtsleiterin Jutta Müller.

15 Gerätetypen getestet

Schuldezernentin Astrid Eibelshäuser erinnert daran, dass im vergangenen Jahr durch die öffentliche Debatte um den Schulbetrieb Druck auf der Verwaltung gelastet habe, Lösungen für den Präsenzunterricht zu finden. Einerseits sollte alles schnell gehen, andererseits durfte kein Steuergeld für untaugliche Geräte ausgegeben werden. »Wir haben 15 Geräte getestet, ehe wir uns entschieden haben«, berichtet Müller. Auch in der Liebigschule wurde experimentiert. »Wir haben in einen Klassenraum Rauch eingeleitet, der wurde vom dem Gerät nach einer Viertelstunde vollständig absorbiert«, erzählt Hölscher.

Die 1,4 Millionen Euro sind komplett ausgegeben worden. Stadträtin Eibelshäuser will nun ein weiteres Bundesprogramm anzapfen, aus dem es Geld für den Einbau stationärer Luftreinigungsanlagen gibt. »Wir werden auf jeden Fall weitere Fördermittel beantragen«, kündigt die Schuldezernentin an und fügt hinzu: »Wir haben ein hohes Interesse daran, die Schulen so auszustatten, dass sie durchgängig belüftet werden können und auch im kommenden Herbst Regelunterricht in Präsenz stattfinden kann«.

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