Trotz Corona-Delle gibt es immer mehr Nextbike-Stationen in Gießen - allerdings ausschließlich im Süden, Osten und im Zentrum der Stadt. FOTO: SCHEPP
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Trotz Corona-Delle gibt es immer mehr Nextbike-Stationen in Gießen - allerdings ausschließlich im Süden, Osten und im Zentrum der Stadt. FOTO: SCHEPP

Nextbike

Leihrad-Flotte wächst weiter

  • Karen Werner
    vonKaren Werner
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Leihräder gehören längst zum Stadtbild. Und die Flotte wächst weiter. Gleich vier neue Stationen hat das Unternehmen Nextbike zu Monatsbeginn eingeweiht. Weitere sollen bald folgen.

Immer mehr blaue Fahrradsymbole ploppen auf, wenn man die Gießen-Karte auf der Homepage von Nextbike vergrößert. Am Ende sieht man 24 Leihrad-Standorte. In der Nord- und Weststadt allerdings wird höchstens mal ein vorübergehend abgestelltes einzelnes Gefährt angezeigt, in den Stadtteilen so gut wie nie. Und das wird vorerst auch so bleiben.

"Wir wollen uns zunächst auf den Ausbau in der Innenstadt konzentrieren, weil wir hier den deutlichsten Bedarf sehen", erläutert Magistratssprecherin Claudia Boje auf GAZ-Anfrage. Das Angebot im Zentrum werde "fast ausnahmslos stark angenommen". Die nächste Station solle am Landgraf-Philipp-Platz gegenüber dem Neuen Schloss) entstehen. Ein weiterer Ort sei geplant, stehe aber noch nicht zu 100 Prozent fest. Grundsätzlich erschwert werde der Ausbau-Boom durch die Flächenknappheit im Stadtzentrum.

Manche Gebiete unterversorgt

Zwar waren die Räder von Anfang an nicht nur für Studierende, sondern für alle Interessierten nutzbar. Doch Gebiete, die vor allem vom Wohnen geprägt sind, sind für Leihradanbieter generell kaum interessant. Wer dort Rad fährt, nutzt häufig sein eigenes Gefährt. Daher konzentrieren sich die Gießener Stationen dort, wo es viele Studien-- und Arbeitsplätze gibt oder Pendler von Bus oder Bahn umsteigen.

Das waren zunächst ausschließlich die Campusbereiche der beiden Hochschulen. Ein Leihradsystem war in Gießen schon lange diskutiert worden, als die Justus-Liebig-Universität vor gut zwei Jahren Nägel mit Köpfen machte. Hintergrund: Die Sanierung des Audimax erforderte mehr Mobilität bei weniger Parkplätzen.

Im April 2018 wurden die ersten 100 Drei-Gang-"Smartbikes" im Uni-Blau an drei Standorten aufgestellt. Danach ging es steil bergauf, freut sich Nextbike-Sprecherin Mareike Rauchhaus. Bald folgten 60 Räder im THM-Grün, vor einem Jahr die ersten mit rotem Stadt-Logo. Derzeit rollen 360 Räder durch Gießen und sind längst selbstverständlicher Bestandteil des Stadtbilds.

Hochschulen sind formal ausgestiegen

Die jüngsten vier der insgesamt 24 Stationen wurden durch neue Partner finanziert: Der Landkreis Gießen will - wie berichtet - sein am Autobahnring gelegenes Domizil besser erreichbar machen mit Stationen dort am Riversplatz sowie an den Bahnhaltepunkten Erdkauter Weg und Licher Straße. Die Flächen dafür stellte die Stadt zur Verfügung. Für eine weitere Station bei Day Night Sports am Erdkauter Weg kommt das Fitnessstudio auf.

Im Jahr 2019 zählte Nextbike in Gießen rund 125 000 Fahrten, dreimal so viele wie im Jahr zuvor. In diesem Jahr verzeichnet die Firma bei lahmgelegtem Hochschulbetrieb allerdings bundesweit eine Corona-Delle.

Um so stärker rückten Normalbürger als Kunden in den Blickpunkt. Die Stadt Gießen hat kürzlich 2000 Freifahrten für alle Interessierten angeboten, "so lange der Vorrat reicht". Sie seien schnell ausgebucht gewesen,, berichtet Boje. Dabei hat die Stadt auf eigene Werbung verzichtet, nachdem die Informationen auf der Nextbike-Homepage große Resonanz fanden. Eine bundesweite Freifahrten-Aktion gibt es derzeit für Postbank-Kunden.

Vor einem Jahr hat Stadträtin Gerda Weigel-Greilich im GAZ-Gespräch in Aussicht gestellt, das die Stadt ihren Bürgern möglicherweise ein ähnliches Angebot macht wie Marburg. Dort übernimmt die Stadt die Kosten für die ersten 30 Minuten jeder Fahrt, wie es die Hochschulen auch für ihre Angehörigen tun. Bisher zahlt der Normalnutzer dafür einen Euro pro Einzelfahrt oder zehn Euro im Monat.

Beide Hochschulen sind mittlerweile formal als Partner ausgestiegen. Die Studierendenausschüsse, die von Anfang an stark in die Organisation eingebunden waren, übernehmen sie nun auch offiziell.

Serviceteam kümmert sich

Anders als bei anderen Anbietern in vielen Großstädten gibt es bei Nextbike weder Parkchaos noch Schrotträder, weder verwaiste noch überquellende Stationen. Zu verdanken ist das einem Serviceteam mit mehreren fest angestellten Kräften, das sich täglich um die Flotte kümmert. Bei der Stiftung Warentest wurde Leipziger Unternehmen 2019 Testsieger unter sechs Bikesharing-Anbietern.

Anders als bei anderen Anbietern in vielen Großstädten gibt es bei Nextbike weder Parkchaos noch Schrotträder, weder verwaiste noch überquellende Stationen. Zu verdanken ist das einem Serviceteam mit mehreren fest angestellten Kräften, das sich täglich um die Flotte kümmert. Bei der Stiftung Warentest wurde das Leipziger Unternehmen 2019 Testsieger unter sechs Bikesharing-Anbietern.

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