Amanda Nilsson umrahmt von ihren Glücksbringer-Kollegen. FOTO: SCHEPP
+
Amanda Nilsson umrahmt von ihren Glücksbringer-Kollegen. FOTO: SCHEPP

Auszeichnung

"Lehrling des Monats" will Schornsteinfeger werden

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
    schließen

Amanda Nilsson kam vor fünf Jahren aus Schweden nach Gießen. Seither hat sie nicht nur hervorragend Deutsch gelernt, sondern auch beruflich Fuß gefasst. Die Handwerkskammer Wiesbaden hat sie nun zum Lehrling des Monats gekürt.

Am Knopf der Jacke drehen, über die Schulter spucken, und wenn kein Küsschen auf die Wange, dann zumindest einmal kurz anfassen. Es gibt wohl kaum einen anderen Beruf, der mit derart viel Aberglaube verbunden ist, wie der des Schornsteinfegers. Für Amanda Nilsson waren diese Mythen vor gar nicht allzu langer Zeit noch fremd. "In Schweden gibt es das alles nicht", sagt die 27-Jährige über ihr Heimatland. Heute weiß die junge Frau, dass an der Sache mit dem Glück wohl etwas dran sein muss.

Nilsson ist kürzlich von der Handwerkskammer Wiesbaden als "Lehrling des Monats" ausgezeichnet worden. Vizepräsident Andreas Brieske, selbst Schornsteinfegermeister, lobte zwar die schulischen Leistungen von Nilsson, er betonte aber auch, dass vor allem die "Kopfnoten" für die Auswahl entscheidend seien. "Ein ausgezeichneter Lehrling muss zuverlässig, teamfähig und gut im Umgang mit Menschen sein."

Deutsch auch dank McDonalds

Auf Nilsson trifft das alles zu. Das betont der Gießener Schornsteinfegermeister Bernd Peppmöller, der zusammen mit seinem Cousin Oliver Peppmöller die Ausbildung übernommen hat. "Sie macht das hervorragend." Nilsson lächelt bei dem Lob ein wenig verlegen. Sie wirkt wie eine Frau, die nicht allzu großes Aufsehen um sich selbst machen will. Die Auszeichnung freut sie dennoch. Schließlich ist sie Beleg dafür, dass sich ihr mutiger Weg gelohnt hat.

Nilsson stammt aus Südschweden, aus der Nähe von Malmö. "Ich habe dort zwei Jahre lang Energieeffizienz studiert und gleichzeitig bei einer Firma für Lüftungsanlagen gearbeitet." Mit Deutschland verband sie seinerzeit nicht viel, doch dann traf sie einen Mann, der in ihrer Heimat Urlaub machte. Die beiden verliebten sich.

"Da er nicht in Schweden bleiben wollte, bin ich zu ihm nach Gießen gezogen"; erzählt die 27-Jährige. Das ist jetzt fünf Jahre her. Damals konnte Nilsson kaum ein deutsches Wort. "Hallo, Danke, Bitte, meine Lieblingsfarbe ist blau." Heute spricht sie die Sprache nahezu fließend. "Ich habe einen dreimonatigen Kurs bei der Gießener Volkshochschule gemacht", sagt Nilsson. Und fügt lächelnd hinzu: "Außerdem habe ich bei McDonalds gejobbt. Das war auch gut, um die Sprache zu lernen."

Wegen der Liebe nach Deutschland

Man könnte meinen, der Umzug in ein anderes Land würde dafür sorgen, eine Ausbildung ernsthafter anzugehen. Doch das sei nicht der Grund für ihren Ehrgeiz und die guten Leistungen, sagt die 27-Jährige. Vielmehr liege es daran, dass sie einige Jahre älter als die meisten anderen Auszubildenden sei. "Ich habe schon viel ausprobiert und weiß daher, was ich will."

Natürlich kommt ihr auch zugute, dass sie in Schweden ein berufsbegleitendes Studium mit einem ähnlichen Themengebiet gemeistert hat. Zumal sich der Schornsteinfegerberuf massiv gewandelt hat. "Das Reinigen der Schlote spielt eine geringere Rolle als früher", sagt Schornsteinfegermeister Bernd Peppmöller. "Die technische Seite mit Umweltschutz und Energieeinsparung dafür eine umso größere." Schornsteinfeger müssten zum Beispiel Emissionswerte überprüfen und komplexe Anlagen warten.

Trotzdem kraxelt Nilsson regelmäßig über die Gießener Dächer, um die Schornsteine von Ruß zu befreien. Wie schon vor hunderten von Jahren. Das ist übrigens auch der Grund, warum die Männer und Frauen in den schwarzen Gewändern als Glücksbringer bezeichnet werden: Bei der damaligen Bauweise konnten Schornsteinbrände fatale Folgen haben. Da sie ihren Mitmenschen ein sicheres Zuhause bescherten, brachten die Schornsteinfeger viel Glück. Und der Beruf nun auch Amanda Nilsson. Oder, wie man auf schwedisch sagt: lycka till!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare