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Zwei Standorte in Gießen für Lehrkräfteakademie möglich – Proteste gegen Umzug reißen nicht ab

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Von: Marc Schäfer

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Neben einer Fläche hinter dem neuen Jobcenter am Bahnhof ist auch das Heyligenstaedt-Areal (Foto) weiterhin im Rennen um den Standort der Lehrkräfteakademie, die ab dem zweiten Quartal 2024 in Gießen beheimatet sein soll. © Oliver Schepp

Trotz erheblicher Proteste aus dem Kreis der Mitarbeitersoll die Lehrkräfteakademie nach Gießen umziehen. Zwei Flächen im Stadtgebiet sind als Standort im Rennen.

Gießen – Die Proteste reißen nicht ab. Erst Mitte April hatte sich wieder eine Vielzahl der Beschäftigten der Hessischen Lehrkräfteakademie versammelt, um gegen die Umzugspläne der landeseigenen Behörde, die ihren Hauptsitz noch in Frankfurt hat, nach Gießen und Alsfeld zu demonstrieren. Der für 2024 geplante Standortwechsel sei unsinnig und verlängere für die meisten Bediensteten die Wege zur Arbeit immens. »Bei vielen macht sich Verzweiflung breit«, sagte Personalratsvorsitzende Claudia Kilian anlässlich der jüngsten Proteste. Eine Befragung der rund 150 Betroffenen habe gezeigt, dass der Weg zum Arbeitsplatz durch eine Verlagerung der Behörde für bis zu 90 Prozent der Beschäftigten länger werde. Durchschnittlich müssten sie von ihrem jetzigen Wohnort bis Gießen 85 Kilometer, bis Alsfeld sogar 113 Kilometer fahren.

Lehrkräfteakademie zieht nach Gießen: „Personalverhältnis wird sich ändern“

Immer häufiger wird daher der Wunsch an die Landesregierung herangetragen, die Umzugspläne noch einmal zu überdenken. Diesem Vorhaben erteilt das Kultusministerium nun aber eine Absage. »Es handelt sich um eine grundsätzliche Entscheidung der Landesregierung. Im Vorfeld der Entscheidung wurde das Für und Wider gegeneinander abgewogen. Somit steht die Entscheidung fest, zumal eine solche für viele Beteiligte langfristig Bestand haben muss«, erklärt Michael Ashelm, Sprecher des Kultusministerium, auf Anfrage. Er weist auch daraufhin, dass das Ministerium in der Frage der Arbeitswege zu einer anderen Einschätzung kommt. »Nach unseren Berechnungen könnte es von 450 Stellen je nach Sichtweise etwa 100 bis 150 Personen betreffen - und nicht 80 bis 90 Prozent«, sagt Ashelm. »Würde man das Kriterium Arbeitsweg zum Maßstab einer solch fundamentalen Entscheidung erheben, könnte eine Landesregierung kaum eine so weitreichende grundsätzliche Entscheidung treffen, den städtischen Raum im Rhein-Main-Gebiet zu verlassen, um den ländlichen Raum zu stärken«, fügt Ashelm an.

Aufgrund der üblichen Personalfluktuation ändere sich bis zum Umzug ohnehin das Verhältnis zwischen dem vorhandenen und dem neu hinzutretenden Personal, und es werde sich nach dem Umzug sehr zügig zugunsten des vor Ort zu gewinnenden Personals verschieben. »Dennoch ist für einen Teil der Beschäftigten die künftige Verlängerung des Weges zum Arbeitsplatz ein nicht zu vernachlässigendes Thema«, gibt der Sprecher zu. Dies werde versucht, durch weitere Maßnahmen und Vereinbarungen wie Homeoffice oder Co-Working-Spaces abzumildern.

Gießen: Behörde soll 2024 umziehen

Der Umzug der Behörde ist laut Ministerium also weiterhin für das zweite Quartal des Jahres 2024 festgesetzt. Zu diesem Termin sollen dann etwa 230 Arbeitsplätze aus Wiesbaden, Frankfurt und Kassel an den neuen Standort nach Gießen verlagert werden. Etwa 210 Arbeitsplätze entstehen in Alsfeld.

Nach einem langwierigen Ausscheidungsverfahren sind nach Informationen dieser Zeitung für den Standort Gießen mittlerweile nur noch zwei Flächen für die Lehrkräfteakademie im Rennen: Ein Grundstück am neuen Jobcenter am Bahnhof sowie das Heyligenstaedt-Areal, auf dem Unternehmer Wolfgang Lust soeben alte Hallen abgerissen und somit Platz für Neues geschaffen hat. Alexander Hoffmann, Sprecher des für die Standortsuche zuständigen Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH), wollte dies nicht im Detail kommentieren. »In der aktuellen Phase werden Gespräche mit Anbietern geführt. Eine Entscheidung wird im weiteren Jahresverlauf erfolgen.« An diese Entscheidung sollen sich erst dann die Detailplanungen und die Mietvertragsverhandlungen anschließen, so der Sprecher.

Bisheriger Lehrkräfteakademie-Standort in Gießen bleibt

Die bisherige Außenstelle der Lehrkräfteakademie an der Gießener Schubertsraße bleibt indes auch nach dem Umzug erhalten. »Lediglich die beiden Sachgebiete der Weiterbildung und Anerkennung internationaler Abschlüsse sollen in die neue Immobilie umziehen, um so den dringend benötigten Platz für die Studienseminare und die Prüfungsstelle in der Schubertstraße freizugeben«, bestätigt Ashelm.

Die Hessische Lehrkräfteakademie ist die Ausbildungsbehörde für den pädagogischen Vorbereitungsdienst in Hessen. Sie verzahnt und bündelt die administrativen Strukturen der drei Phasen der Lehrerbildung, der schulischen Qualitätsentwicklung und der Qualifizierung von schulischen Führungskräften. Zudem berät die Lehrkräfteakademie das Kultusministerium

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