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Über die besten Abinoten freuen sich (v.l.) Anna Michele Rücker, Eyleen Matejec und Jeremias Paul.

"Lehrerwürfel" und Vier-Tage-Woche

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Gießen (csk). Wenn Gott schon nicht würfelt, kann es ja wenigstens der eine oder andere Pädagoge tun. Die meisten der 42 Abiturienten und sechs Fachabiturienten, die am Freitag bei der Abiturfeier der August-Hermann-Francke-Schule verabschiedet wurden, schienen jedenfalls zu wissen, warum Axel Hollnagel ihnen Würfel als Geschenk mitgebracht hatte. Im Unterricht hätten die eher ungeliebten "Lehrerwürfel" manchmal für Gleichheit und Gerechtigkeit gesorgt, berichtete der Klassenlehrer. Nun hatten die Teile vor allem symbolische Bedeutung: als Zeichen für die "Wertsetzung von außen".

Diese sei, gerade bei der allerorten zu beobachtenden "Tendenz zur Individualisierung", heute umso wichtiger, erklärte Hollnagel. Die Rolle allgemeinverbindlicher Werte wie Gerechtigkeit, Respekt und Barmherzigkeit hatte zuvor bereits Horst Brombach in den Mittelpunkt seiner Rede gestellt. Bei allen ernsten Worten verbreitete der Schulleiter aber auch Heiterkeit unter den Mitgliedern des letzten G8-Jahrganges an der AHFS. So zitierte er Wikipedia, um dem etymologischen Ursprung des Abiturs näher zu kommen. Und der bezeugt nun einmal, dass Abiturienten gerne abgehen wollen. Doch ehe es so weit war, gab ihnen der TV-Journalist und Autor Peter Hahne als Festredner noch einige Gedanken mit auf den Weg. Hahne, der seine Teilnahme an der Abiturfeier im vergangenen Jahr kurzfristig abgesagt hatte, thematisierte unter anderem das Verhältnis von Bildung und Glauben. Nebenbei warf er einen Blick auf die aktuelle politische Lage: Statt "Fridays for Future" brauche es dringend "Fridays for Education". Zumindest zeuge nicht unbedingt von großer Eigenverantwortung und Reife, wer sich selbst "eine Vier-Tage-Woche macht, obwohl das Bildungsniveau in diesem Land immer weiter sinkt". Außerdem rief Hahne die Abiturientia auf, stets "als Christen identifizierbar" zu bleiben und sich an christlichen Werten zu orientieren - im Privatleben wie auch im Beruf. "Die Bedienungsanleitung" für das Leben komme schließlich "vom Konstrukteur", sagte Hahne. "Abschiedsworte" der Schüler sprach Judith Görres, die der Eltern Christian Korff. Als zweiter Klassenlehrer ergriff Dr. Ralf Thomas Klein das Wort.

Bei einem Jahrgangsdurchschnitt von 2,19 freuten sich Anna Michele Rücker, Eyleen Matejec (beide 1,2) und Jeremias Paul (1,3) über die besten Abschlussnoten. Sie wurden dafür ebenso geehrt wie zahlreiche Schüler, die sich in Oberstufenarbeitskreisen und bei Schulfesten engagiert hatten. Jeremias Paul, Eric Schlienz und Matthias Buß erhielten für herausragende fachliche Leistungen jeweils einen Preis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, Daniel Ebel wurde vom Altphilologenverband für besondere Leistungen im Fach Latein ausgezeichnet.

Musikalisch umrahmt wurde die Feier, die mit einem Gebet von Jochen Paul endete, vom Schulorchester (Leitung: Martin Geck) und vom Elternchor. Im Anschluss folgte ein gemütliches Beisammensein im AHFS-Festsaal - zumindest dies ganz nach dem aus "Der König der Löwen" entlehnten Motto des Abijahrgangs: "Hakuna MatABI".

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