Landschulheim Kniebis

Legendäre Herbergsmutter "Caramba" ist tot

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Traurige Nachricht aus dem Nordschwarzwald: Die langjährige Wirtin des Gießener Landschulheims, Juanita Rothfritz, ist kurz nach ihrem 80. Geburtstag gestorben. Es gibt aber auch eine gute Nachricht vom Kniebis.

Der ein oder andere wird sich vielleicht gewundert haben, dass in der Gießener Allgemeinen am Donnerstag eine Traueranzeige aus Freudenstadt im Schwarzwald erschienen ist. Dagegen werden bei vielen Lesern insbesondere aus der Stadt Gießen sofort die Erinnerungen an die Schulzeit, die Klassenkameraden und eine ereignisreiche Woche im Schullandheim auf dem Kniebis im Nordschwarzwald wach geworden sein. Gestorben ist nämlich wenige Tage nach ihrem 80. Geburtstag und nach kurzer schwerer Krankheit Juanita Rothfritz, die Generationen von Gießener Schülern nur als "Caramba" kannten. "Diese Traueranzeige bin ich meiner Mutter schuldig. Die vielen Lehrer und Schüler aus Gießen, die hier oben waren, sollen erfahren, dass es ›Caramba‹ nicht mehr gibt", sagt Yvonne Mauch, Tochter der langjährigen Hauswirtin.

Die Traueranzeige in Gießen war ich meiner Mutter schuldig

Yvonne Mauch, Tochter von "Caramba"

Juanita Rothfritz hatte das Schullandheim 46 Jahre bewirschaftet, zunächst mit ihrem Mann, später alleine. "Am 31. Dezember 1965 zogen meine Eltern in das Haus, nachdem die Stadt Gießen ein Ehepaar gesucht hatte, dass die Bewirtschaftung übernehmen kann." Schon bald verpassten die Gäste aus Gießen Rothfritz den Spitznamen "Caramba". Der frühere Gießener Schulleiter Dieter Leinweber erklärte in einer GAZ-Nostalgieserie vor einigen Jahr warum: "Juanitas spanisches Temperament, das sich oft lautstark, aber manches Mal auch weniger verständlich entlud, brachte ihr den Spitznamen ›Caramba‹ ein. Wenn sie den aber hörte, war erst recht der Teufel los. Aber in Wirklichkeit war sie eine herzensgute Frau, die alles, was sie konnte, für die Kinder tat."

"Sie war die zentrale Figur hier oben, rau, aber herzlich", weiß auch der Gießener Werner Max Döring, der das frühere städtische Schullandheim von der Stadt Gießen gekauft und im Oktober 2015 nach einer Renovierung als Wanderherberge mit 25 Betten wiedereröffnet hatte.

Wanderherberge ist gut belegt

Döring berichtet von einer erfreulichen Nachfrage: "Das Haus wird gut angenommen. Es ist eine Mischung aus heimischen Gruppen und aus der Gießener Gegend, die mal für zwei oder drei Tage hier bleiben." Auf fast 1000 Meter liege im Moment ein halber Meter Schnee. "Die Langlaufloipe führt direkt am Haus vorbei. Es wird hier auch beschneit", wirbt er für einen sportlichen Nostalgietrip in den Nordschwarzwald. Manchmal schauten auch Gießener herein, die in der Gegend seien. "Da mache ich dann eine Führung durchs Haus. Es ist immer schön, wenn man dann noch zusammensitzt und die alten Storys hört, natürlich auch von ›Caramba‹". Viel Werbung mache er nicht. "Ich habe einen Internetauftritt und eine Facebookseite, das meiste läuft über Mund-zu-Mund-Propaganda", sagt Döring, der zwischen Gießen und Freudenstadt pendelt.

Stadt und "Caramba" stritten vor Gericht

Die Tochter der verstorbenen Herbergsmutter lobt Dörings Engagement: "Für Kniebis ist das schon eine Bereicherung, dass das Haus wieder offen ist."

Die Stadt Gießen, die das Schullandheim 1980 gekauft hatte, hatte das Beschäftigungsverhältnis mit Juanita Rothfritz 2011, als das Haus verkauft werden sollte, gekündigt. Die Trennung verlief nicht konfliktfrei, es kam zum juristischen Streit um Rentenansprüche. Der wurde später gütlich beigelegt, sagt Yvonne Mauch: "Mein Mutter erhielt eine kleine Abfindung."

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