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Intendantin allein zu Hause: Wann im Großen Haus des Stadttheaters wieder vor Publikum gespielt werden kann, kann auch Theaterchefin Cathérine Miville nicht wissen. FOTO: SCHEPP

Leere Säle - leere Kassen?

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Auch einige städtische Unternehmen leiden heftig unter der Coronakrise und erzielen im Moment keine Einnahmen. Letztlich wird dafür die Stadt mit ihrem Haushalt einspringen müssen. Staatshilfen werden geprüft. Auch Kurzarbeit ist ein Thema.

Als die Stadtverordnetenversammlung Anfang April über die Frage stritt, ob die Zahlung der Gebühr für die Kindertagesstätten aufgeschoben oder erlassen werden soll, warnte SPD-Fraktionschef Christopher Nübel vor den Folgen der Corona-Krise für den Stadthaushalt: "Wer weiß, welche Welle noch auf uns zurollt." Die Abgeordneten hätten sich nur umschauen müssen, um sich eines der Probleme zu vergegenwärtigen, denn mit Rücksicht auf das Abstandsgebot wurde in der Kongresshalle getagt. Die Kommunalpolitiker werden wohl für lange Zeit die einzigen Besucher gewesen sein, denn das Geschäft der Saalvermietung liegt seit Wochen darnieder und wird so schnell nicht auf die Beine kommen.

Im Stadtkonzern hat das Virus neben der Stadthallen Gießen GmbH (SHG) vor allem das Stadttheater und das Stadtmarketing hart getroffen. Ihre Einnahmen für dieses Jahr, die sich im Wesentlichen aus Raum- und Saalmieten, Ticketverkauf und Standgeldern zusammensetzen, summieren sich laut Wirtschaftsplänen dieser Gesellschaften auf rund 2,5 Millionen Euro.

Zahlungsengpässe vermeiden

Der Magistrat steht laut Stadtsprecherin Claudia Boje derzeit "im engem Austausch mit unseren Beteiligungsgesellschaften". Die Krisensituation wirke sich bei allen Unternehmen aus, jedoch unterschieden sich die Auswirkungen im Detail erheblich. Die Unternehmen seien angehalten worden, die Inanspruchnahme von staatlichen Förderprogrammen zu prüfen.

Je nach Auswirkung auf die einzelne Gesellschaft seien Unterstützungsmaßnahmen seitens der Stadt in diesem Jahr oder auch erst in den nächsten Jahren denkbar. "Eine Schätzung der finanziellen Auswirkungen auf den Stadtetat ist im Moment noch nicht möglich", erklärte Boje.

Aktuell sei es am Wichtigsten, Zahlungsengpässe zu vermeiden. Diese könnten durch das Vorziehen von Zuschüssen verhindert werden. Auch eine Erhöhung dieser Zuschüsse aus der Stadtkasse sei denkbar, sollten die Unternehmen im Laufe des Jahres höhere Defizite ansammeln. "Bislang mussten noch keine außergewöhnlichen oder ungeplanten Auszahlungen vorgenommen werden", ergänzt die Stadtsprecherin.

Bei der SHG ist das kein Thema. Auch wenn ein Teil der Belegschaft wie Reinigungskräfte oder die Mitarbeiter der Vermietungsbörse im Moment weniger zu tun hätten, sei die Geselllschaft "noch sehr gut beschäftigt", sagt Geschäftsführer Sadullah Gülec. Interne Projekte wie die Einführung einer Management-Software könnten nun vorangetrieben werden. "Das ist bei uns jetzt ein bisschen so wie in den Privathaushalten, wo der Keller ausgeräumt wird", erklärt Gülec. Zudem liefen auch die geplanten baulichen Modernisierungsvorhaben wie an der Kongresshalle und auf dem Schiffenberg "ungebremst weiter". Ansonsten bleibe der SHG nichts anderes übrig, als abzuwarten, was die Politik entscheide. Mit einer baldigen Freigabe für Saalveranstaltungen mit Besucherzahlen im hohen drei- oder vierstelligen Bereich rechnet Gülec nicht.

Auch die Stadtmarketing Gießen GmbH sitzt spätestens nach der Entscheidung, das im August kein Stadtfest stattfinden wird, auf dem Trockenen. 530 000 Euro wollte sie in diesem Jahr an Standgeldern einnehmen, die von der Stadt jetzt unter Umständen auf den ohnehin geplanten Zuschuss in Höhe von gut 720 000 Euro draufgelegt werden müssen. Zu tun hat das Stadtmarketing gleichwohl und plant keine Kurzarbeit. Abgebaut werden Resturlaub und Überstunden.

Stadtfest: Hoffnung stirbt zuletzt

Bis Mitte April, als das Verbot von Großveranstaltungen bekannt wurde, sei noch an Vorbereitungen u.a. für das Stadtfest gearbeitet worden. "Die Vorarbeiten sind so fortgeschritten, dass wir relativ kurzfristig reagieren können, wenn derartige Veranstaltungen gegebenenfalls mit Einschränkungen wieder erlaubt sind", heißt es aus dem Dezernat von Bürgermeister Peter Neidel. Derzeit werde überlegt, wie ein "zulässiges Ersatzangebot" aussehen könnte.

Im Bereich der Tourist-Info, die auch wieder geöffnet hat, seien Projekte forciert worden, die im Rahmen des klassischen Arbeitsalltages oft zu kurz gekommen seien.

Die Stadttheater Gießen GmbH dagegen gab vor einigen Tagen bekannt, dass in Abstimmung mit dem Betriebsrat Kurzarbeit beantragt wurde. Die Regelung gilt für alle Bereiche, allerdings mit unterschiedlichen Prozentanteilen, je nach Arbeitsaufwand und -möglichkeit. In seiner Existenz ist die Theatergesellschaft ebenso wenig gefährdet wie die anderen kommunalen Unternehmen. Der Betrieb finanziert nur zu einem Bruchteil aus den Zuschauereinnahmen. Von den 17,2 Millionen Euro, die für dieses Jahr an Einnahmen eingeplant waren, entfallen nur gut 1,1 Milionen auf den Ticketverkauf, der große Rest sind gemäß Theatervertrag Zuwendungen vom Land Hessen, der Stadt und dem Landkreis Gießen.

Corona macht erfinderisch. Das Stadtmarketing hat als Reaktion auf die Einschränkungen ein Angebot für Kinder neu entwickelt worden: "Gießmo" und "Gießela". Der Link zum Dino-Spiel:

http://giessen-entdecken.de/giessmo-und-giessela/

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