+
Szene aus der zweisprachigen Theater-, Musik- und Lyrikperformance von Pedro Hafermann (l.) und Glenn Buchholtz.

Mit dem Leben fest verbunden

  • schließen

Gießen (um). Das Verkopfte. Das Denken. Das Reden. Die Musik. Das Schweigen. Einer redet. Erklärt. Ein anderer spielt Gitarre. Die szenische Lesung von Pedro Hafermann und Glenn Buchholtz "Ein Baum ist ein Wald", die im Rahmen der Giennale zum zweiten Mal im ZIBB aufgeführt wurde, war trotz des heißen Wetters gut besucht. Eine Lesung, die eher einem Theaterstück gleicht, das den Text zum Mittelpunkt hat.

Es gibt keine bessere Möglichkeit, den argentinischen Dichter Roberto Juarroz vorzustellen - denn diese Gegenüberstellung von dionysischen und appolinischen Elementen entspricht seiner "vertikalen" Poesie - philosophisch und sinnlich zugleich. Vertikal deshalb, weil er in seiner Dichtung kompromisslos das Fallbeil auf den Grund unseres Daseins richtet, mit ihr philosophische Fragen und existentielle Menschheitsfragen verhandelt. Dabei ist er jedoch so fest mit dem Leben selbst verbunden, dass die Gefahr einer zu vergeistigten Lyrik nicht gegeben ist.

Wie könnte man das Werk dieses Dichters, der hierzulande nahezu unbekannt ist, einem Publikum nahebringen? Pedro Hafermann und Glenn Buchholtz haben sich dazu entschieden, beide Seiten szenisch darzustellen, sie verkörpern Sprache/Reden und Musik/Schweigen als Personen, die einander umkreisen, nicht verstehen, sich verstehen wollen und am Ende zur Einheit werden. Pedro Hafermann besitzt als Schriftsteller einen anderen Zugang zu den Texten hat als Glenn Buchholtz, der als Musiker und Tänzer ein intuitives Verstehen des musikalischen Geistes der Texte mitbringt. Während einer mit dem Kopf verstehen will, liest der andere die Texte in der Originalsprache spanisch.

Pedro Hafermann, Schriftsteller und Künstler aus Gießen, entdeckte Roberto Juarroz in der siebten Klasse auf einem Wühltisch. Aus diesem Zufallsfund wurde eine nachhaltige Begeisterung für den argentinischen Lyriker. Im Rahmen seiner Lesereihe "internationales Literaturcafe" im ZIBB hat er gemeinsam mit Glenn Buchholz das Konzept für die szenische Lesung entwickelt.

"Wir haben ein paar Monate nur mit Lesen verbracht ", erzählen beide, "dann würde daraus die Idee. Glenn komponierte die Musik frei heraus, sie sollte nicht dominieren und die Texte untermalen." Die beiden haben die Atmosphäre von der vertikalen Poesie mit ihrer Lesung gut vermitteln können, auf eine lockere entspannte Art, die Zugänglichkeit ermöglicht. Das zeigten die zahlreichen Fragen und positiven Einschätzungen aus dem Publikum. Standen sich Kopf und Geist anfangs noch konträr gegenüber, stand am Ende stand die Versöhnung beider Elemente. Oder wie es Pedro Hafermann ausdrückt: " Der allzu Verkopfte Mensch sehnt sich danach, in ewiger Auflösung eins zu sein mit seiner Tätigkeit, so wie in Tanz und Musik."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare