Lauter kleine Lustmacher

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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In dieser Spielzeit wird es am Stadttheater alles geben: Oper, Schauspiel, Tanz und Konzert. Aber wegen Corona ein bisschen anders als gewohnt. Einen Eindruck vom Angebot gab es nun bei einer erfrischend munteren Spielplanpräsentation.

Die Erkenntnisse der kecken Spielplanpräsentation am Stadttheater lauten wie folgt: Dramaturgen und Operndirektoren, die zu viel reden, werden im Bühnenboden versenkt. Auch der Blick in ein mit seinen weiten Sitzabständen an einen Schweizer Käse erinnerndes Publikum kann glücklich machen. Und, das ist das Wichtigste von allem: Am Stadttheater wird es auch in dieser Corona-Spielzeit jede Menge Hörens- und Sehenswertes geben. Mit einer erfrischenden Auswahl an "kleinen Lustmachern", so Intendantin Cathérine Miville in ihrer Ansprache, zeigten Sänger, Tänzer und Schauspieler, mit wie viel Freude und Optimismus sie ans Werk gehen. "Always look on the bright side of Life", aus "Monty Python’s Spamalot", war damit nicht nur Schlusslied einer gelungenen Spielplanpräsentation, sondern vielleicht sogar die "Hymne der gesamten Spielzeit", orakelte Miville.

Eineinhalb Stunden lang konnten sich die Zuschauer bei freiem Eintritt und mit Mundschutz versehen vorführen lassen, was sie in den kommenden Wochen am Theater erwartet. Anne-Elise Minetti, Paula Schrötter, Carolin Weber, Roman Kurtz und Pascal Thomas ließen mit witzigen Spielszenen nachvollziehen, "wie ein Theaterstück entsteht", von lässiger Leseprobe über chaotische Generalprobe bis zur Premiere mit Nervenflattern. Tom Wild machte mit einem Auszug aus dem Monolog "Das Leben des H. erzählt von seinem Kunsthändler" neugierig auf die Premiere am Donnerstag dieser Woche und Mirjam Sommer und Stephan Hirschpointer sangen zwei Songs aus dem David-Bowie-Musical "Lazarus", das in diese Spielzeit hinübergerettet werden konnte. Lukas Goldbach stiftete mit bizarren Antworten ein wenig Verwirrung, was man bei der nächsten Schauspielpremiere "Erinnya" erwarten kann, und Magnus Pflüger nutzte die Gelegenheit, seinen im Lockdown begonnenen sensationellen "Werther Vlog", in dem er Goethes "Leiden des jungen Werther" an Gießener Orten rezitiert, digital und analog auf die Bühne zu bringen - nachschauen auf der Facebook-Seite des Theaters wird dringend empfohlen.

"In dieser Spielzeit wird es alles geben, aber eben ein wenig anders und in anderer Form", betonte die Intendantin. Und Musiker des Stadttheaters zeigten, wie sich Sänger und Instrumentalisten im Corona-Modus präsentieren können. Ein Horn-Quartett mit Martin Gericks, Alvarodo. A. Garcia, Berthold Cremer und Victor L. Mariano hatte zum Auftakt schon die "Fledermaus"-Ouvertüre im ungewohnten Blech-Sound gespielt. Flötistin Carol Brown und Evgeni Ganev am Flügel machten mit Louis Gannes "Scherzo" klar, dass auch die Querflöte weiter am Haus erklingen kann und eine Live-Band unter Leitung von Martin Spahr sorgte für "Pausenmusik". Auch wenn Corona-Hygienemaßnahmen Tänzer vor besondere Herausforderungen stellen, werden Tanzabende nicht fehlen. Jeremy Curnier machte mit einem kleinen Solo Lust auf "Don Juan" und Julie de Meulemeester zeigte von Patrick Schimanski auf einer kleinen Handtrommel begleitet, warum man sich den "Carmen"-Tanzabend unbedingt anschauen sollte.

Die Dramaturgen André Becker, Carola Schiefke, Marisa Wendt, Patrick Schimanski, Johannes Bergmann und Samuel Zinsli, Operndirektor Moritz Gogg und Generalmusikdirektor Florian Ludwig führten mit kleinen Moderationen durch den Abend, landeten aber gnadenlos mit dem Bühnenlift unter der Bühne, sobald sie die einminütige Redezeit überschritten. Das Zeichen war klar: An diesem Abend galt es nicht zu reden, sondern voller Freude und Optimismus zu spielen, singen und tanzen. Ganz so wie es im gemeinsamen Abschlusssong Tomi Wendt und Anne-Elise Minetti forderten: "Always look on the bright side of Life."

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