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Frau Molek?! & The Purple Rain auf der Vitos-Bühne. FOTO: AXC

Lauter als gewohnt

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Gießen(axc). Trotz allen Bemühens, die weißen Wände der Vitos-Kapelle nicht allzu sehr zum Beben zu bringen, wurde es beim zweiten Abend des aktuellen Vitos-Kulturprogramms dann doch deutlich lauter als beim Neujahrskonzert mit akustischen Gitarren. Am Freitag dominierte elektrisch Verstärktes. Aber so ist es halt, wenn nicht mehr ganz junge Rockmusiker zur Physio gehen. Im Fall von The Purple Brain war es Gitarrist Ralf Lindenberg, der sich in die Obhut von Viktoria Molek begab und beim Plaudern erfuhr, dass sie vor langer Zeit - sogar klassisch - gesungen hatte ("Frau Molek?!") - seit fast drei Jahren proben sie nun gemeinsam im Gießener Inselweg und machen die Bühnen im Mittelhessischen unsicher.

Die Band, zu der auch Klaus "Ich bin doch nur der Bassmann" Hemberger und Drummer Götz Hawelka gehören, hat sich rockigen und funky Sounds der späten Sechziger verschrieben - der "neueste" Song stammt von 1991.

Die anderthalb Stunden beginnen mit "White Room", dem Superhit der ebenso kurzlebigen wie langlebigen "Cream" um Eric Clapton, gefolgt von drei Songs des von der Gruppe hoch verehrten Tom Waits. Bei "Clap Hands" ist die Stimme der charismatischen Sängerin zeitweise leider kaum zu hören, "Rain Dogs" und "Jockey Full of Bourbon" repräsentieren den eher gewohnten rau rumpelnden Waits-Sound. Bei Fleetwood Macs Instrumentalhit "Albatross" (mutig, das mit nur einer Gitarre zu spielen) darf bzw. muss Frau Molek pausieren. Für eine in forschem Tempo gespielte Version von ZZ Tops "Fool for Your Stockings" steigt sie wieder ein - Lindenberg lässt seine Gitarre hier mal richtig von der Leine. Auch beim Surfsound des Ventures-Klassikers "Pipeline" machen Gitarre und Bass Dampf.

Immer wieder zeigt die Sängerin, die vielleicht ein bisschen zu "brav" singt, anerkennend und dankend auf ihre Mitspieler und stellt ihr Licht unter den Scheffel, wenn sie vor einer Instrumentalnummer allzu bescheiden sagt, jetzt werde es "wieder schön".

Es zeigt sich, dass die Band ein Faible für eigen(willig)e Bearbeitungen bekannten Materials hat: Nirvanas "Smells like Teen Spirit" wird zur jazzigen Zeitlupennummer mit Besen-Schlagzeug, "Hey Joe" bringen sie statt in der Hendrix-Fassung ebenfalls bluesig-langsam mit viel Hall auf der sensibel gepickten Gitarre - und in Frau Moleks Muttersprache Polnisch. Das hat was. Neben drei weiteren Hendrix-Nummern gibt es mit Funkigem, vor allem "Cissy Strut" von The Meters und Stevie Wonders "Superstition", einen weiteren Schwerpunkt. Gil Scott-Herons "Lady Day and John Coltrane" geht ungeachtet der im Titel genannten Jazzhelden sehr rockig zur Sache.

Die Zugabe bringt mit "Summertime" noch einmal eine schöne Neufassung: der Gershwin-Evergreen kommt wunderbar zart-bluesig rüber.

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