Die Hallig Hooge liegt 700 Kilometer von Gießen entfernt im schleswig-holsteinischen Wattenmeer. Eigentlich sollten sich im Moment 18 Studierende aus Gießen dort befinden. FOTO: PM
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Die Hallig Hooge liegt 700 Kilometer von Gießen entfernt im schleswig-holsteinischen Wattenmeer. Eigentlich sollten sich im Moment 18 Studierende aus Gießen dort befinden. FOTO: PM

Per Laptop aufs Meer

  • vonSebastian Schmidt
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Gießen(seg). Das h ypnotisierende Rauschen der Brandung, der Geruch von Salz in der Luft und eine frische Brise um die Ohren - das ist die Nordsee. Professor Hans-Peter Ziemek und 18 Gießener Lehramtsstudierende der Biologie sind zu einer Exkursion in das nordfriesische Wattenmeer aufgebrochen. Der Ausflug findet dieses Jahr aber nur im Internet statt. "Es ist die einzige virtuelle Exkursion an der JLU und sie ist wahrscheinlich auch bundesweit relativ einzigartig", schätzt Ziemek.

Der Bus war schon gemietet

Wer Biologie auf Lehramt studiere und einmal an einem Gymnasium unterrichten wolle, müsse zumindest eine Exkursion in seinem Studium mitmachen, sagt Dr. Julia Brennecke, Mitarbeiterin am Institut für Biologiedidaktik. Und wenn man wegen Corona jetzt keine Exkursion angeboten hätte, hätte das für Studierende zu Verzögerungen in ihrem Studium geführt, erklärt der Professor. Deswegen sei man auf die Idee gekommen, die diesjährige Exkursion digital zu machen, was überall auf Begeisterung gestoßen sei. "Das ist das Gute an Corona. Im Moment geht alles", sagt Ziemek und lacht.

"Dabei war eigentlich bereits alles geplant gewesen. Sogar der Reisebus war schon gemietet", sagt Brennecke. Seit 2009 gebe es die Ausflüge nach Nordfriesland. "Damals habe ich selbst als Studentin teilgenommen", erinnert sie sich. Normalerweise quartieren sie sich auf Hooge in der Schutzstation Wattenmeer ein, machen Wattwanderungen und lernen die örtliche Fauna und Flora kennen. Los gehe die Exkursion sonst bereits sonntags mit der Anreise. "Um 3 Uhr nachts beginnt die Fahrt mit dem Reisebus", erzählt sie. Dass sie immer so früh losfahren, liegt daran, dass sie unter Zeitdruck stehen. "Um 17 Uhr geht die letzte Fähre nach Hooge", erklärt sie. Spätestens dann müssen sie angekommen sein. Mit der Fähre fahren sie fast eine Stunde über das Meer bis zu ihrem Ziel. Dieses Jahr konnten die Teilnehmer sonntags ausschlafen. Die "Reise" ging für sie erst am Montag los. So ganz stimmt das aber nicht. Denn letzten Mittwoch mussten sie bereits kurz ins Institut für Biologie-didaktik kommen. Dort überreichte Brennecke den Studierenden zwei Fachbücher und drei geheimnisvolle und mit einem Datum versehene Pakete. "Die sollen die Studierenden erst an bestimmten Tagen aufmachen", sagt sie. Solange bleibt es ein Geheimnis, was sich darin befindet.

Dieser Termin war der einzige Teil der Exkursion, der in Präsenz stattgefunden hat. Ansonsten sind für die nächsten beiden Wochen Online-Termine geplant. Es gibt Videos, die von den Studierenden über das JLU-Portal ILIAS abgerufen werden können. "Sie werden aber nur für einige Stunden online sein", sagt Ziemek. Sie wollen nämlich versuchen, möglichst nah dran am Ablauf einer echten Exkursion zu bleiben. Deswegen sollen sich die Studierenden mit den Videos und Aufgaben dann beschäftigen, wenn sie auf dem Plan stehen. Wenn die Wattwanderung auf Hooge um 9 Uhr losgehen würde, könnten sie ja auch nicht erst nachmittags dazustoßen. Es sind auch Live-Schaltungen auf die Hallig geplant und an manchen Tagen gibt es auch ein Abendprogramm. Das alles vorzubereiten, sei sehr viel Arbeit gewesen, sagt Brennecke. "Wir standen in ständigem Kontakt mit dem Team der Schutzstation Wattenmehr." Mitarbeiter der Station haben nämlich die Videos für die Exkursion aufgenommen. Und die Gießener haben die Aufnahmen anschließend geschnitten.

Erwartungen von den Studierenden

Auch die Studierenden sehen mehr Arbeit auf sich zukommen. Janina Heinigk studiert Biologie und Deutsch auf Lehramt und nimmt an der Exkursion teil. Sie sagt: "Es wird wahrscheinlich - wie das ganze Online-Semester - mehr Arbeit für uns bedeuten." Man müsse sich selbst mehr motivieren, als wenn man vor Ort wäre, und auch Hausaufgaben erledigen.

Ihre Kommilitonin Hannah Herbet erzählt: "Als ich mich im März angemeldet habe, war noch nicht klar, dass wegen Corona alles ausfallen wird." Sie finde es aber gut, dass die Exkursion wenigstens im Internet angeboten werde, und sie hoffe, viel zu lernen. Ein Wermutstropfen bleibt aber für sie: "Es ist schon schade, dass wir nicht ans Meer fahren."

Die GAZwird mit den beiden Studierenden die virtuelle Exkursion begleiten und in den nächsten Tagen darüber berichten, was sie dabei erlebt haben.

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