Von Langeweile keine Spur

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Die Polizei hat eine Leiche im Keller. Da hängt sie nun, aufgeknüpft, in den gewölbeartigen Katakomben tief unter dem Präsidium in der Ferniestraße – und niemand weiß, wie das passieren konnte. Um Licht ins Dunkel zu bringen, nehmen sich am Freitag 25 Nachwuchsermittler des Falls an. Sie schlüpfen in Anzüge der Spurensicherung, machen sich ein Bild von der Lage, sichern jeden noch so kleinen Hinweis.

Die Polizei hat eine Leiche im Keller. Da hängt sie nun, aufgeknüpft, in den gewölbeartigen Katakomben tief unter dem Präsidium in der Ferniestraße – und niemand weiß, wie das passieren konnte. Um Licht ins Dunkel zu bringen, nehmen sich am Freitag 25 Nachwuchsermittler des Falls an. Sie schlüpfen in Anzüge der Spurensicherung, machen sich ein Bild von der Lage, sichern jeden noch so kleinen Hinweis.

Ohne Zweifel: Das Drumherum beim "Instakrimi" unter dem Titel "Tatort Ferniestraße", der von der Polizei Mittelhessen fast live auf Instagram übertragen wird, erinnert stark an einen Fernsehfilm. Dafür spricht auch, dass der Tote nicht echt, sondern eine Puppe ist. Aber der Reihe nach, wie bei einer kriminalistisch sauberen Rekonstruktion.

Es ist kurz nach 17 Uhr, als Einstellungsberater Stefan Rudolf die Gäste begrüßt. Die meisten sind Schüler, sie interessieren sich für eine Karriere bei der Polizei und sollen an diesem Abend Einblicke in verschiedene Berufsfelder erhalten. Wenige Minuten nach Rudolf ergreift Hermann Henn das Wort. Eigentlich heißt er Hans Schneider und lehrt Sozialwissenschaften an der Hochschule für Polizei und Verwaltung in Gießen. Heute ist der Professor der wichtigste – und einzige – Zeuge. Denn auf einem seiner Kurzkrimis basiert das folgende Geschehen.

Streit um die Beute

Wegen einer defekten Klimaanlage steigt der Hausmeister spätabends in den Gewölbekeller der früheren Zigarrenfabrik hinab. Dort stößt er erst auf mehrere Weinflaschen, dann auf die Leiche – Einsatz für die Bewerber in spe. In Fünfer-Gruppen, begleitet von je zwei Polizeischülern, nehmen sie den in Blaulicht gehüllten Fundort in Augenschein. Schnell zeigt sich, dass etwas nicht stimmt: Die umgestoßene Trittleiter ist kaum hoch genug, um an den Stahlträger zu gelangen; herumliegende Zigarettenkippen stammen von unterschiedlichen Marken; auf dem Boden finden sich Schleifspuren und Blut klebt an der Stirn des Toten, der barfuß sowie auf der Rückseite schmutzig, auf der Vorderseite aber sauber ist.

Mit solchen Eindrücken gehen die Spürnasen wieder hinauf. Oben treffen sie auf ein identisches Szenario – doch diesmal bleibt es nicht bei genauem Hinsehen. Unter Anleitung der kriminaltechnischen Angestellten Vanessa Stein und Diana Ramaglia folgt die Spurensicherung. Jedes mögliche Beweisstück wird fotografiert, seine Position vermessen. Mit Ruß werden weitere Spuren sichtbar, winzigste Hautschuppen an der Leiche bleiben der "Spusi" auch nicht verborgen. Station drei ist wieder der Empfangssaal, wo Vertreter von Staatsanwaltschaft und Gerichtsmedizin für einen Plausch bereit stehen.

Außerdem sollen die Teilnehmer anhand ihrer Beobachtungen jetzt Hypothesen zum Mord bilden. Ganz recht, zum Mord, denn selbst hat sich der Mann das nicht angetan, da sind alle einig. Ariane Hierling und Jaqueline Vornam sind genauso überzeugt wie Maximilian Fett. Während sie mutmaßen, "dass unten jemand eine Verabredung hatte, vielleicht sogar ein Date", grübelt er vor allem über die Anzahl der Täter. "Es waren mindestens zwei", meint Fett. Dafür sprächen schon die Zigarettenstummel sowie diverse Fußabdrücke.

"Die Person wurde irgendwo anders umgebracht", glauben Venice Henß und Lea Feierfeil und begründen dies mit der schmutzigen Hosenrückseite und Schleifspuren. Schuldig sei womöglich eine Frau – zumindest klebe "ein langes blondes Haar" an der Hose des Toten.

Alle Erkenntnisse tragen Stefan Metten und Kerstin Schmitz zusammen, als sie erklären, wie kriminalistische Hypothesenbildung funktioniert. Die Auflösung obliegt Hermann Henn: Das Opfer, ein Ex-Häftling, hatte von einem im Keller eingemauerten Schatz erfahren und mit ehemaligen Zellengenossen verabredet, ihn zu heben. Ein Streit um die Verteilung der Beute artete aus, bis die Komplizen zuschlugen – und den Mord dann als Suizid inszenierte.

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