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Ilse-Marie und Dieter Weiß mit ihrem Riesenmammutbaum.

Langes Leben für prägende Bäume

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Gießen (khn). Wenn Ilse-Marie und Dieter Weiß in ihrem Garten sitzen, dann schauen sie gerne auf ihren Riesenmammutbaum. "Wenn der Wind kommt, federn die Äste leicht hin und her", sagt die Allendorferin. Der Baum aus der Gattung der Zypressengewächse ist ein Schmuckstück des Gartens, aber auch ein Markenzeichen der Kleinlindener Straße in Allendorf. Deshalb wird er nun regelmäßig von der Stadt auf seine Verkehrssicherheit überprüft. Möglich ist das durch die in der jüngsten Stadtverordnetensitzung beschlossene Erweiterung der Baumfördersatzung - die einmalig ist in Hessen.

Bereits 2016 hatte die Stadt die Satzung zur Verbesserung von Stadtklima und -ökologie beschlossen. Die besagt, dass die Stadt auf Antrag von Privatpersonen, Unternehmen oder Institutionen die Verkehrssicherungspflicht für bestimmte Bäume übernimmt: Laubbäume mit einem Stammdurchmesser von mehr als 60 Zentimetern. Seit der Novellierung gilt das auch für Nadelbäume.

Bäume auf einem Privatgrundstück, sagt Hinrich Lüttmann vom Umweltamt, hätten nicht nur eine optische Funktion. Ab einer bestimmten Höhe und Breite überwiege der Nutzen für die Allgemeinheit: Der Baum hält die Luft rein, verbessert das Stadtklima, gliedert den Raum und poliert das Stadtbild auf. Um diese Bäume zu schützen und zu erhalten, sei die Satzung beschlossen worden, sagt Stadträtin Gerda Weigel-Greilich.

Über 250 Eigentümer haben von dem Angebot bisher Gebrauch gemacht, und lassen einen Baum oder mehrere Bäume regelmäßig kontrollieren. Wer für das Förderprogramm zugelassen wird, bekommt Besuch von einem Baumsachverständigen der Stadt. Der kontrolliert, ob das Gewächs dem Satzungszweck entspricht. Der Baum wird dann ins Baumschutzkataster aufgenommen und regelmäßig von Experten in Augenschein genommen; für einen externen Sachverständigen zahlen Privatpersonen gut und gerne mehrere Hundert Euro. Der Eigentümer wird kostenlos beraten, muss für die empfohlenen Pflegearbeiten aber selbst aufkommen.

Zu herkömmlichen Baumschutzsatzungen habe die Satzung der Stadt Gießen einen entscheidenden Vorteil, betont Lüttmann: Sie greife nicht in das Eigentum ein; der Besitzer kann weiterhin frei über den Baum verfügen. Kosten entstehen ihm ebenfalls nicht - auch dann nicht, wenn nach jahrelanger Beratung durch die Stadt der Baum doch gefällt werden muss. Hinzukommt: Das Umweltamt wird nicht als repressive Behörde wahrgenommen, sondern soll "gern gesehener Gast" im Garten der Bürger sein.

Ilse-Marie und Dieter Weiß wollten schon 2016 ihren Riesenmammutbaum von der Stadt kontrollieren lassen, erzählen sie. Damals sei der Antrag abgelehnt worden, weil Nadelbäume dort noch nicht förderfähig waren. Jetzt ist das Ehepaar froh, dass es in Zukunft Fachleute an seiner Seite weiß. Denn der Baum ist eine Herzensangelegenheit für die Eheleute. Vor 41 Jahren hatten sie ihn gekauft. 100 Euro habe der damals ein Meter große Setzling gekostet, sagt Dieter Weiß. Mittlerweile ist er 16 Meter hoch. Wenn alles gut geht, wird er Garten und Straße weiterhin schmücken. Lüttmann sagt: "Der überlebt uns alle dreimal."

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