"Langer Atem" und neuer Mut

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"Manchmal hörst du jahrelang nichts von einem Gefangenen, für den du sich einsetzt. Du bist schon am Verzweifeln. Dann plötzlich kommt die Nachricht von seiner Freilassung und gibt dir neuen Mut." Diese Erfahrung sei "typisch" für das Engagement bei Amnesty International, berichtet Christina Peters. Sie ist seit 1985 in der Gießener AI-Gruppe 1060 aktiv und hat viele Veränderungen erlebt. Nächste Woche feiert die Gruppe ihr 50-jähriges Bestehen mit einem besonderen Konzert.

"Manchmal hörst du jahrelang nichts von einem Gefangenen, für den du sich einsetzt. Du bist schon am Verzweifeln. Dann plötzlich kommt die Nachricht von seiner Freilassung und gibt dir neuen Mut." Diese Erfahrung sei "typisch" für das Engagement bei Amnesty International, berichtet Christina Peters. Sie ist seit 1985 in der Gießener AI-Gruppe 1060 aktiv und hat viele Veränderungen erlebt. Nächste Woche feiert die Gruppe ihr 50-jähriges Bestehen mit einem besonderen Konzert.

"Sich einsetzen für Menschen" in aller Welt und ihre universellen Rechte – dieses Ziel habe sie bewegt, sich der Gruppe anzuschließen, berichten beim Pressegespräch der Sprecher Simon Fey (21) sowie die langjährigen Mitglieder Dr. Udo Altmann (59) und Christina Peters (65).

Einst starteten Kampagnen per Fax

1961 veröffentlichte der Londoner Rechtsanwalt Peter Benenson einen Aufruf, sich für politische Gefangene einzusetzen. Die Idee erwies sich schnell als erfolgreich: Öffentliche Information zu Einzelschicksalen und viele Briefe an die Verantwortlichen bewegen etwas bei Regierungen. Sieben Jahre später entstand die erste Gießener Gruppe, sie erhielt die Nummer 1060. Zur Gründergeneration gehörten Gisela Spitznagel, Inge Bauer und Robert Kreuzinger-Ibe.

Zunächst standen unter anderem die Opfer der Diktaturen in Süd- und Mittelamerika im Blickpunkt. Aus eher abstrakter wurde ganz praktische Hilfe, als Gruppenmitglieder politische Flüchtlinge aus diesen Ländern vom Flughafen in Frankfurt abholten und in ihrer ersten Zeit begleiteten. Die Gießener freuten sich 1977 über den Friedensnobelpreis für die Organisation und über etliche Erfolge. Dazu gehört, dass immer mehr Staaten die Todesstrafe abschafften. Anfang der sechziger Jahre waren es 24 weltweit, heute sind es 96, so Altmann.

Seit etwa 1980 ist er bei Amnesty international aktiv. Er kann sich an Zeiten erinnern, in denen jede Gruppe das Schicksal von drei Gefangenen verfolgte – um politische Neutralität zu wahren, stammte je ein Fall aus einem Ostblockland, aus dem Westen und aus der "Dritten Welt". Zunächst per Fax wurden Kampagnen und Eilaktionen von London aus an die Gruppen weitergegeben.

Nach und nach erweiterte die Menschenrechtsorganisation ihren Tätigkeitsbereich. Heute macht sich die Gießener Gruppe, die etwa ein Dutzend Aktive zählt, schwerpunktmäßig für die Rechte von Geflüchteten stark und arbeitet gegen Rassismus. Ein besonderes Anliegen ist ihr der Schutz von Menschen, die sich für die Rechte anderer einsetzen, sogenannten Menschenrechtsverteidigern.

In ihrem Engagement weiß sich die Gruppe nicht nur verbunden mit sieben Millionen AI-Aktiven in 150 Ländern. Sie sieht sich auch "als Teil der Stadtgesellschaft" und sucht immer wieder die Vernetzung mit anderen Organisationen in der Region. Die älteste Kooperation ist die mit der Katholischen Hochschulgemeinde, die der Gruppe Räume zur Verfügung stellt.

"Das Thema Menschenrechte braucht einen langen Atem", sagt Altmann. Auch in Zeiten des Internets seien Info-Stände und Demonstrationen vor Ort wichtig. Aktuelle Beispiele für Einschränkung der Menschenrechte seien beispielsweise Massenverhaftungen in der Türkei, Einwanderungsdekrete in den USA, Folter in ägyptischen Gefängnissen und zahllose Menschenrechtsverletzungen in Syrien. "Es gilt, diesen Entwicklungen entgegenzutreten und die Menschenrechte entschlossen zu verteidigen."

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