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Besonders häufig wird Tarek Al-Wazir in Gießen auf das Thema Mobilität angesprochen.

Al-Wazir

Landtagswahl: Tarek Al-Wazir über Verkehr, Migration und Klimaschutz in Hessen

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Grünen-Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir hat Gießen besucht. Im Interview vor der Landtagswahl spricht er über Verkehr, Migration und Klimaschutz.

Herr Al-Wazir, welches Vorhaben wird eine Landesregierung unter Ihnen als Ministerpräsident zuerst auf den Weg bringen?

Tarek Al-Wazir: Netter Versuch! Aber zuerst brauchen wir ein Wahlergebnis. Ich habe immer gesagt: Ein Teil der Stärke der Grünen liegt darin, dass wir nicht um uns selbst kreisen und nicht Personal- oder Koalitionsspekulationen führen, sondern darüber reden, was wir in der Sache wollen. Und das werden wir auch weiter tun.

Wie erklären Sie sich den Höhenflug, den die Grünen momentan erleben?

Al-Wazir: Ich habe schon viele Umfragen gesehen, die anders waren als das spätere Ergebnis – und es zählt allein das Wahlergebnis. Die Erklärung für das gegenwärtige Stimmungshoch ist, glaube ich, ein Bündel von verschiedenen Punkten. Erstens: unsere Regierungsarbeit der letzten fünf Jahre. Die Leute haben gesehen, dass wir real etwas erreichen. Zweitens sind es sicher auch bestimmte Stilfragen. Die Menschen rechnen uns hoch an, dass wir uns mit der Sache beschäftigen und nicht ständig herumstreiten. Der dritte Punkt ist das schlechte Ansehen der großen Koalition. All das kommt zusammen – und führt zu einem grünen Hoch.

Ein Sachthema, das viele Bürger interessiert, ist der Klimaschutz. Die Grünen haben angekündigt, den hessischen Klimaschutzplan "weiterentwickeln" zu wollen. Was möchten Sie konkret machen?

Al-Wazir: Wir müssen alles dafür tun, weniger CO2 auszustoßen. Natürlich kann man in Hessen alleine nicht die Welt retten. Aber jeder muss an seiner Stelle Verantwortung übernehmen. Deutschland muss beim Klimaschutz auch wieder eine Vorreiterrolle haben, die es mal hatte und die es jetzt nicht mehr so hat. Das heißt: Weiter an der Energiewende arbeiten, dafür sorgen, dass wir weniger Energie verbrauchen – nicht nur im Strombereich, auch bei der Wärme. Vorangehen bei der Sanierung öffentlicher Gebäude und weitermachen bei der Verkehrswende. Der Verkehr ist ja ein wesentlicher Grund, dass der CO2-Ausstoß in Deutschland nicht sinkt.

Was ist in Sachen Verkehrswende denn primär zu tun?

Al-Wazir: Wir müssen weiterarbeiten an den Punkten, an denen wir in den letzten Jahren schon angefangen haben – und teilweise auch sehr erfolgreich waren. Das heißt: Stärkung der Nahmobilität – die Städte müssen sich verändern, sie müssen attraktiver werden für den Fuß- und Radverkehr. Wir müssen dafür sorgen, dass die Infrastruktur für Busse und Bahnen ausgebaut wird. Denken Sie an das dritte und vierte Gleis der S6 zwischen Frankfurt und Bad Vilbel. Das muss weitergehen in Richtung Friedberg. Denken Sie an die Reaktivierung der Lumdatalbahn oder der Horlofftalbahn. Und wir müssen den Zugang zu Bus und Bahn einfacher machen. Denken Sie an das Schülerticket oder das Jobticket für die Landesbeschäftigten. Mein nächstes Projekt ist das Seniorenticket, meine Vision das Bürgerticket für alle. Da müssen wir Schritt für Schritt hinkommen. Dann haben wir eine Chance, die Verkehrswende real zu machen.

Ebenfalls vieldiskutiert ist das Thema Migration und Flucht. Die Grünen plakatieren derzeit unter anderem das Motto des früheren SPD-Ministerpräsidenten Georg-August Zinn: "Hesse ist, wer Hesse sein will". Wie füllt ihre Partei diesen Satz im Jahr 2018 mit Leben?

Al-Wazir: Die Landesregierung hat schon im Herbst 2015 einen sehr ambitionierten Plan zur Integration der Flüchtlinge und zur Bewahrung des gesellschaftlichen Zusammenhalts vorgestellt. Inzwischen ist Hessen zum Beispiel was Flüchtlinge in Ausbildung angeht, auf einem Spitzenplatz in Deutschland. Weil wir sehr früh angefangen haben, sie zu fördern, etwa mit Handwerkern zusammenzuarbeiten, Berufsorientierungen und Einstiegsqualifizierungen zu organisieren, Ausbildung zu begleiten. Und das zeigt dann eben Erfolge. Das gilt natürlich auch für alles, was mit Bildungspolitik zusammenhängt. Hessen ist inzwischen das Bundesland mit der geringsten Zahl an Schulabbrechern. All das trägt zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei.

Abschließend noch einmal der Blick auf ihren Besuch in Gießen: Auf welche Themen haben die Bürger Sie heute besonders oft angesprochen?

Al-Wazir: Hier in Gießen wurde ich heute sehr viel auf die Mobilität angesprochen. Das fand ich ganz spannend. Bis hin zu ganz konkreten Fragen, zum Beispiel zu Umgehungsstraßen. Insgesamt kann man sagen, dass die Stimmung im Wahlkampf momentan sehr, sehr gut ist. Man merkt, dass die Grünen gerade viel Unterstützung haben – und das freut einen natürlich.

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