Immer mehr Coronafälle in Deutschland gehen auf Mutationen zurück. Dieser Trend zeigt sich auch in Gießen. (Modellbild)
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Immer mehr Coronafälle in Deutschland gehen auf Mutationen zurück. Dieser Trend zeigt sich auch in Gießen. (Modellbild)

Pandemie

Landkreis Gießen: B117 breitet sich aus – Mehr als 200 Fälle der Corona-Mutante

  • Alexander Gottschalk
    VonAlexander Gottschalk
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Wer sich im Landkreis Gießen mit dem Coronavirus infiziert, steckt sich immer häufiger mit der britischen Variante B117 an. 

  • Die Mutationen des Coronavirus gelten als Haupttreiber der dritten Welle in Deutschland.
  • Im Landkreis Gießen breitet sich seit Februar die britische Mutante B117 aus.
  • Mittlerweile liegen in über 200 Fällen rund um Gießen Hinweise auf die Corona-Variante vor.

Gießen – B117, die britische Mutation des Coronavirus, breitet sich immer rapider in Deutschland aus. Bei einer Stichprobe stellte das Robert Koch-Institut (RKI) fest, dass die Virus-Variante in der letzten Februarwoche rund 46 Prozent der für die Auswertung nachgetesteten Fälle ausmachte. Im Wetteraukreis heißt es, die Mutante sei die „vorherrschende Virusform“, der Lahn-Dill-Kreis gibt ihr eine Mitschuld an seinen hohen Infektionszahlen. Und im Landkreis Gießen? Dort bestätigt die Kreisverwaltung auf Anfrage das Urteil aus der westlichen Kreisnachbarschaft, wo es heißt, die Verbreitung sei „diffus und flächendeckend“. Immer mehr Menschen stecken sich mit der mutierten Form des Virus an.

Landkreis Gießen: Großer Anteil der Neuinfektionen entfällt auf Mutation B117

Bis zum Mittwoch, 10. März, fanden die Labore bei Untersuchungen in 204 Fällen aus dem Kreis Gießen diagnostische Hinweise auf die britische Coronavirus-Mutation. Am 1. Februar hatten die örtlichen Behörden erstmals gemeldet, dass bei einem Infizierten aus der Region B117 gefunden worden war. Zwischen 1. Februar und 10. März gab es dem Gesundheitsamt zufolge hierzulande 907 Neuinfektionen mit Sars-CoV-2. Rechnerisch machten die Fälle der britischen Variante in diesem Zeitraum also mindestens 22,5 Prozent aus. Gemäß den Vorgaben des RKI testen die Labore allerdings nicht sämtliche Proben auf die Mutante, sondern nur eine Zufallsauswahl von je nach Infektionslage fünf bis zehn Prozent oder begründete Verdachtsfälle. Letztere gab es im Gießener Land beispielsweise nach kleineren Infektionsausbrüchen, von denen einer am Uni-Klinikum Gießen auftrat.

Die Mutante B117, die erstmals in Großbritannien gefunden wurde, gilt als ansteckender als die ursprüngliche Corona-Variante. Jüngst ergaben sich außerdem erste wissenschaftliche Hinweise, dass sie mit einer erhöhten Fallsterblichkeit und einer geringeren Wirksamkeit der Impfstoffe einhergehen könnte. Abschließend bewiesen sind diese Thesen aber nicht, das RKI verweist auf die bislang begrenzte Datenlage. Die erhöhte Ansteckungsgefahr deckt sich nach übereinstimmenden Angaben aber mit den Beobachtungen, die die Gesundheitsämter in Mittelhessen bei der Kontaktverfolgung machen. So hielt der Lahn-Dill-Kreis exemplarisch fest, dass sich in betroffenen Familien „innerhalb kürzester Zeit nahezu ausnahmslos alle Haushaltsangehörigen“ infizierten. Verzögerte oder ausgebliebene Übertragungen sind demnach seltener geworden.

Landkreis Gießen: Gesamtes Kreisgebiet von Corona-Mutante betroffen

Die B117-Ausbreitung trifft das gesamte Gießener Kreisgebiet, wie es heißt. In keinem der betrachteten Fälle konnten die Behörden nachweisen, dass sich die Infizierten bei einer Auslandsreise mit dem Virus angesteckt hatten. Im Gegensatz zur britischen Variante hat sich die südafrikanische Corona-Mutation B.1.351 in der Region kaum verbreitet. Die erste nachgewiesene Infektion am 23. Februar blieb bislang ein Einzelfall. Insgesamt stagniert die Zahl der Neuinfektionen im Landkreis Gießen auf einem Niveau, das für weitere Lockerungen der Schutzmaßnahmen zu hoch ist. Am 11. März lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 76,5. Die Zahl der Klinikaufnahmen ging jüngst jedoch rapide zurück. In allen Altenheimen im Landkreis sind die Erst- und Zweitimpfungen inzwischen beendet. Insgesamt wurden bis zum 6. März landkreisweit 46207 Impfdosen an den Mann oder die Frau gebracht. (ag)

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