"Landesregierung muss Verantwortung übernehmen"

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Gießen(pm). Die Gießener Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßt zwar die Entscheidung von Landrätin Anita Schneider, in den Wechselbetrieb überzugehen und somit das Risiko der Übertragung des Coronavirus in Schulen zu reduzieren. "Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte können auf diese Weise besser geschützt werden. Es kann hoffentlich noch vermieden werden, dass weitere Schulen ganz schließen müssen. Dass der Landkreis die Einführung des Wechselmodells für die Jahrgangsstufen 1 bis 6 verpasst hat, kritisieren wir scharf. Auch in diesen Jahrgangsstufen muss der Abstand eingehalten werden, da dieser für einen effektiven Schutz unumgänglich ist", erklärten Susanne Arends, Nina Heidt-Sommer und Oliver Klein als Vorsitzende im Team der Gießener GEW. Schon vor den Sommerferien habe sich gezeigt, dass auch Kinder dieses Alters Abstände größtenteils gut einhalten könnten. Das Kultusministerium müsse hier eine landesweite Lösung finden.

Für die Gießener GEW ist dabei klar, dass darüber hinaus grundlegende Regelungen getroffen werden müssen: "Lehrkräfte können nicht mit voller Stundenzahl unterrichten, zusätzlich der anderen Schülergruppe online zur Verfügung stehen und in der Notbetreuung arbeiten. Das Unterrichten mit Mund-Nase-Schutz ist äußerst anstrengend und bringt Kolleginnen und Kollegen, die ohnehin schon zu viel arbeiten müssen, um den normalen Unterrichtsalltag zu bewältigen, an den Rand der Belastbarkeit und darüber hinaus.

Weitere zusätzliche Aufgaben zu bewältigen, erscheint nicht möglich. Die Landesregierung habe im Sommer die Chance verpasst, zusätzliches Personal auch aus anderen Branchen anzuwerben, das Betreuungsaufgaben übernehmen und Lehrkräfte entlasten kann. Das räche sich jetzt, weil Unterricht eingeschränkt werden müsse, erklären Arends, Heidt-Sommer und Klein. "Wenn die Pflichtstundenzahl nicht signifikant reduziert wird, können Kolleginnen und Kollegen keinen Onlineunterricht anbieten. Sollten sie dennoch dazu gezwungen werden, sprechen wir von Wochenarbeitszeiten von 50 bis 60 Stunden. Das hält niemand lange durch", warnen Arends, Heidt-Sommer und Klein.

Abschließend fordert die Gießener GEW, die Digitalisierung massiv zu beschleunigen. "Jede Schülerin und jeder Schüler braucht ein mobiles Endgerät, um online zu lernen. Leider sind wir von einer flächendeckenden Ausstattung in der Realität immer noch weit entfernt. Ohnehin schon benachteiligte Kinder werden bei einer absehbaren zumindest teilweisen Schließung der Schulen noch weiter abgehängt werden", sagen Arends, Heidt-Sommer und Klein.

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